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Kryptoparty Sicher im Netz bewegen lernen

Die Zukunft ist vernetzt: Immer mehr Menschen wollen sich im Internet sicher bewegen. Kryptopartys helfen dabei. Derweil stellen Kommunen unter dem Stichwort E-Government Angebote im Netz zur Verfügung.

Anonymous-Aktivist mit Anonymous-Maske erläutert sicheres Surfen im Internet mithilfe der Software „Tor Browser Bundle“. Foto: Michael Schick

Die Zukunft ist vernetzt: Immer mehr Menschen wollen sich im Internet sicher bewegen. Kryptopartys helfen dabei. Derweil stellen Kommunen unter dem Stichwort E-Government Angebote im Netz zur Verfügung.

Abkürzungen wie TOR, OTR oder PGP schwirren durch den Raum. An großen Tischen sitzen überwiegend Männer an ihren Laptops und vor einem Beamer referiert eine Gestalt in Anzug und Guy Fawkes-Maske. In den Räumen einer Bürogemeinschaft auf der Berger Straße wird eine Kryptoparty gefeiert. In verschiedenen Gruppen können sich die Besucher über sicheres Surfen und Chatten, E-Mail-Verschlüsselung oder Vorratsdatenspeicherung informieren. Die Piratenpartei Frankfurt, Anonymous Hessen und Frankfurt Friends of Wikileaks luden ein.

Gespräche verschlüsseln

Theo Goodman hat den Facebook-Chat geöffnet. Der Englischlehrer kennt sich bereits gut aus mit E-Mail-Verschlüsselung oder sicherem Surfen. „Aber von OTR (Off the Record) habe ich gar keine Ahnung.“ Lukas Großberger zeigt Goodman und den anderen Interessierten, wie es geht. Er ist einer von mehreren „Kryptoangels“, die für Fragen zur Verfügung stehen und helfen. Großberger zeigt am Beispiel von Kurznachrichtensystemen wie dem Facebook-Messenger oder ICQ, wie man Gespräche verschlüsselt.
Sinn der Kryptopartys sei, neben Tipps zu geben, vielmehr das Bewusstsein der Menschen zu stärken, erklärt Großmann. „Viele hätten ja das Verständnis, nun ist es unsere Aufgabe, diese weiter zu sensibilisieren und vor Augen zu führen, dass das Netz eben nur vermeintlich sicher ist.“ Goodman hat nun mit Hilfe des Kryptoengels ein Programm installiert, das die Unterhaltung verschlüsselt, allerdings muss der Chat-Partner auch über dieses Programm verfügen, sonst ist es sinnlos.

An einem anderen Tisch brüten zwei Männer über einem Laptop, beide möchten ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. „Ich bin hergekommen, um zu lernen, wie ich meine E-Mail verschlüsseln kann“, sagt einer von ihnen. Es gehe schließlich niemanden etwas an, was er schreibe. Kryptoengel Jan Steffen hilft beim E-Mail codieren oder auch signieren. Das bedeute, man füge eine elektronische Unterschrift ein, um sicher zu gehen, dass die E-Mails von einer bestimmten Person verschickt werden. „Solche Verschlüsselungen einzurichten, ist nicht schwer. Man muss nur ein, zwei Programme installieren“, so Steffen. Er findet es sehr bedeutend, schließlich sei E-Mail die wichtigste Kommunikation.
Der Mann mit der Maske trägt den Spitznamen Dag und erklärt den Besuchern, wie man sich im Internet sicher bewegt. Er gehört zum Anonymous-Kollektiv. „Das TOR-Programm wurde ursprünglich für die US-Navy entwickelt.“ Es ermögliche anonym im Netz zu surfen und sei mit ein paar Klicks installiert. Auch für wenig erfahrene Nutzer sei es leicht zu handhaben.

Privatsphäre selbst schützen

Andreas Kaufmann hatte einen Artikel über Kryptopartys gelesen und anschließend „gegoogelt“, ob es das auch in Frankfurt gibt. „Ich habe heute schon ziemlich viel erfahren, was ich vorher nicht wusste.“ Wen solle man auch sonst fragen? „Anonymität ist mir wichtig, ich verschicke ja auch keine Briefe ohne Briefumschlag.“ Ihn habe sehr erstaunt, was die Geheimdienste alles abgriffen. Es scheine keine parlamentarische Kontrolle zu geben. „So bleibt einem nichts anderes übrig, als die Privatsphäre selbst zu schützen.“
Den meisten Bürgern sei die Tragweite von Datenklau und die Möglichkeit etwas einzusehen, nicht bewusst, es fehle der Aufschrei im Volk, findet Kaufmann. Gerade Jugendliche bewegten sich in sozialen Netzwerken viel zu unbedacht und gäben alles von sich preis. „Ich habe so einen Hals. Die Regierung tut nichts und schweigt das Thema einfach tot.“
Mitveranstalter Alexander Schnapper von den Piraten Frankfurt ist zufrieden mit der Party, über 50 Leute seien gekommen. Die nächste Kryptoparty plane man bereits für den September in Frankfurt.

Mehr Informationen findet man im Internet unter www.kryptoparty.de.

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