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Krankheitserreger „Keime sind auf jedem Handy“

Ein Facharzt für Infektionsepidemiologie erklärt, warum Smartphones und Tablets bei der Übertragung von Krankheiten eine Rolle spielen könnten. Und warum Krankenhäuser darauf reagieren müssen.

Schild warnt vor «Smombies»
Straßenschild in Reutlingen. Foto: Christoph Schmidt (dpa)

Beim diesjährigen Aktionstag „Saubere Hände“ konzentrierte sich das Universitätsklinikum Frankfurt auf mobile Endgeräte. Die Frage war, welche Rolle Handys und Tablets bei der Übertragung von Krankheiten spielen.

Der richtige hygienische Umgang mit den Geräten spielt in Krankenhäusern eine wichtige Rolle, um Infektionen zu vermeiden. Die Fachliteratur hat dieses Thema bisher weitestgehend stiefmütterlich behandelt.

Wir sprachen mit Volkhard Kempf vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Uniklinikum über die Infektionsgefahr durch Handys und was man dagegen tun kann.

Professor Kempf, welche Bedeutung hat das Smartphone bei der Übertragung von Krankheitserregern?
Gegenwärtig lässt sich das nicht beantworten. Es ist davon auszugehen, dass Handys, wie alle anderen Geräte, die man im täglichen Leben benutzt, Krankheitserreger übertragen können. Das ist außerhalb des Krankenhauses der Fall, aber zunehmend werden auch in Krankenhäusern Handys und Tablets benutzt. Deswegen müssen wir uns dieser Herausforderung stellen. Man kann aber davon ausgehen, dass Handys in der Rolle als Krankheitsüberträger unterbewertet sind.

Wie gelangen die Keime an das Handy?
Wir sind von Kopf bis Fuß mit Keimen besiedelt. Wir bringen bei jeder Bedienung Keime auf das Gerät auf. Im Krankenhaus sind Handys aber nicht anders zu bewerten als Kugelschreiber. Aber da es beispielsweise auch von manchen auf der Toilette genutzt wird, finden sich eben viele Erreger auf der Oberfläche. Aber auch auf allen Touchscreens im öffentlichen Raum finden sich so gut wie immer sehr viele Keime.

 

Welche Erreger finden sich dann auf manchen Handys?
Im Grunde alles, was man beim Menschen als Keimbesiedlung findet. Bei Stichproben von Handys im Universitätsklinikum haben wir beispielsweise das Bakterium Staphylococcus aureus gefunden, das jeder dritte Mensch in der Nase trägt. Dieses kann selten auch als MRSA, also multiresistenter Keim auftreten. Aber auch Darmbakterien oder Vancomycin-resistente Enterokokken findet man auf Handys.

Die Gefahr einer Übertragung kann man aber durch einfache Hygienemaßnahmen im Krankenhaus minimieren. Wichtig war uns bei der Auseinandersetzung mit dem Problem, dass wir das Risiko identifizieren und einen Maßnahmenkatalog entwickeln, wie wir im Klinikum der Sache begegnen wollen.

Wie geht man im Krankenhaus mit dem Thema um, wo Hygiene ja noch mal ein deutlich wichtigerer Faktor ist?
Die Übertragung durch Handys und Tablets im Krankenhaus ist eine vergleichsweise neue Fragestellung. Auch wir nutzen die Technologien Smartphone und Tablet als Informationssystem mittlerweile häufiger. Dabei muss man generell aber sagen, dass Keime nicht vom Handy auf den Patienten übertragen werden, sondern weit überwiegend von den Händen des medizinischen Personals. Das heißt, wenn in Krankenhäusern die Händedesinfektion ordentlich aufrechterhalten wird, dann ist der Patient weitestgehend geschützt. Nichtsdestotrotz muss man dem Handy im klinischen Bereich die krankenhaushygienische Aufmerksamkeit zollen.

Sollte jeder Nutzer eines Mobiltelefons sein Handy am Abend desinfizieren, wenn er nach Hause kommt?
Die Desinfektion von Alltagsgegenständen ist so eine Sache. Es schadet sicher nicht, das Handy ab und zu mal mit einem antibakteriellen Tuch abzuwischen. Aber im Alltag eines Menschen, der nicht im Krankenhaus arbeitet, haben Desinfektionsmittel einen sehr begrenzten Nutzen. Viel wichtiger ist es, sich die Hände zu waschen. Etwa wenn man nach Hause kommt, vor dem Essen und nach dem Toilettengang. Deswegen würde ich keine echte Empfehlung zur Desinfektion von Handys außerhalb des Krankenhauses daraus ableiten.

Interview: Steven Micksch

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