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Krankheit Mit Demenz leben

Die Alterspsychotherapeutin der Alzheimer Gesellschaft rät, sich bloß nicht zurückzuziehen. Für Demenzkranke und ihre Angehörigen seien soziale Kontakte wichtig.

Ruth Müller arbeitet in der Geschäftsstelle der Alzheimer Gesellschaft. Vor einigen Jahren hat sich der Verein, der 1996 in der Psychiatrie des Frankfurter Universitätsklinikums gegründet wurde, räumlich abgenabelt und ist in das mit vielen Büros ausgestattete Tagungshotel „Hoffmanns Höfe“ gegenüber gezogen. Die enge Zusammenarbeit mit der Psychiatrie aber ist geblieben, berichtet Müller im Gespräch mit der FR. Zusammen haben der Verein und das Uniklinikum jetzt eine Seminarreihe für Angehörige demenzkranker Menschen auf die Beine gestellt, die umfassend über die Krankheit informieren und Kontakte zwischen den Angehörigen fördern möchte.

Seitdem sich der ehemalige amerikanische Präsident Ronald Reagan als Demenzkranker geoutet hat, sei Demenz kein Tabuthema mehr. Dennoch würden sich die Betroffenen und ihre Familie nach der Diagnose noch immer oft zurückziehen – wobei eigentlich das Gegenteil angebracht wäre: Soziale Kontakte, unter Menschen sein, das sei gerade für die Betroffenen wichtig. Überhaupt spiele die Gefühlswelt eine immer wichtigere Rolle, wenn die kognitiven Fähigkeiten nachlassen.

„Jeder kann etwas tun“, steht auf dem Plakat, das im Büro der 60-jährigen Psychotherapeutin hängt. Müller, die auch für die Stadt im Projekt „Würde im Alter“ mitarbeitet, berichtet von der weltweiten Kampagne „Demenzpartner“: Sie sollen im öffentlichen Leben zu Ansprechpartnern werden, „hingucken, statt weggucken“ und konkrete Hilfe anbieten, wenn es sein muss. Auch in Supermärkten wären solche Demenzpartner eine Bereicherung. Stattdessen habe ein Ehepaar Ladenverbot bekommen, weil der Mann „zwei, drei Mal etwas mitgehen ließ“, sagt Müller.

Auch die Nachbarn seien gefragt, sollten klingeln und ihre Hilfe anbieten. Üblicherweise würden viele Paare niemandem zur Last fallen wollen. Sie müssten lernen, „mit Verlusten umzugehen“, meint Müller. Das sei ohnehin eine Herausforderung für alle Menschen ab einem bestimmten Alter. Es gehe darum, die Angst zu verlieren, vielleicht etwas anders zu sein.

Eine wichtige Rolle spiele die Prävention schon in jüngeren Jahren. Nach dem Alter sei ein zu hoher Bluthochdruck der größte Risikofaktor für eine Demenz. Ansonsten gelten die gleichen Empfehlungen wie die etwa zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen: gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung. Es gebe immer mehr Initiativen „Aktiv bis 100“ und Bewegungsparcours für Menschen jedes Alters in den Parks.

Ihre eigenen 60 Jahre bezeichnet die Psychotherapeutin als „schönes Alter“. Wenn sie sich mit ihren Eltern vergleiche, habe sie doch „viel mehr Möglichkeiten, das Alter zu gestalten“.  

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