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Krankenhäuser in Frankfurt Kreißsaal wegen Personalmangel geschlossen

In der Ferienzeit ist die Personaldecke dünn, wenn Krankmeldungen hinzukommen, bricht der Betrieb zusammen. Wegen Personalmangel mussten zwei Frankfurter Kliniken die Geburtshilfe zeitweise einstellen.

Hospital
Ohne Personal keine Geburt. Die Krankenhäuser suchen dringend Hebammen. Foto: Getty

Am Montag musste der Kreißsaal im Krankenhaus Sachsenhausen vier Stunden schließen. Der Grund: Es war keine Hebamme verfügbar. Im Markuskrankenhaus war die Personalsituation in den Sommerferien noch schwieriger. Dort konnten an allen Wochenenden keine Babys zur Welt kommen. Auch hier war die Geburtshilfe unterbesetzt, mussten werdende Mütter sich eine andere Klinik in Frankfurt suchen.

Die Geburtenraten steigen. Speziell der Ballungsraumbewohner ist fortpflanzungsfreudig. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch die Entwicklung bringt so manche Klink in die Bredouille. Es gibt zu wenig Hebammen. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt. Ein Missstand, der am Donnerstag den Landtag beschäftigte, zwei Kliniken zum Handeln bewegte. Am 1. September eröffnen sie die erste Frankfurter Hebammenschule. Die aktuellen Engpässe kann die Initiative nicht beseitigen.

Auch im Landtag ein Thema

„Es ist eng, wir suchen an vielen Stellen, auch im Ausland“, sagt Uwe Kage, Direktor des Krankenhauses Sachsenhausen. Rund 1000 Kinder kamen dort 2016 auf die Welt, für dieses Jahr werden 1300 erwartet. In der Urlaubszeit habe sich die ohnehin schwierige Situation im Rhein-Main-Gebiet noch verschärft. „Die Lage ist prekär.“ 

Den Krankenhäusern geht es wie anderen Unternehmen: In der Ferienzeit ist die Personaldecke extrem dünn. Wenn dann noch Krankmeldungen hinzukommen, bricht der Betrieb zusammen. So war es am Montag in Sachsenhausen, und so war es in den Ferien im Markus-Krankenhaus. Die Geschäftsleitung habe ursprünglich nur mit vier Wochenenden gerechnet, sagt Unternehmenssprecherin Esther Dürr. Die umliegenden Geburtskliniken seien vorab über die Schließung informiert worden. Die werdenden Eltern ebenfalls. Auch das Markus verzeichnet einen Geburtenanstieg: Im Jahr 2016 kamen 805 Kinder zur Welt – 38 mehr als im Vorjahr.

Überall im Land sei der Personalmangel spürbar, sagt Susanne Otto-Seybold, zweite Vorsitzende des hessischen Hebammenverbands mit eigener Praxis in Bad Vilbel. Aber besonders eng sei es im Rhein-Main-Gebiet, wo viele Kinder geboren würden. „Viele Kliniken können ihre Stellen nicht besetzen.“ 

Gegen eine Anstellung sprächen zwei Gründe: die schlechte Bezahlung und der Umstand, dass eine Hebamme dort so viele Zusatzaufgaben übernehmen müsse, dass sie ihrer eigentlichen Tätigkeit nicht nachkommen könne.

Im üblichen Klinikalltag fehle die Zeit, die werdenden Eltern ohne Unterbrechung zu begleitet, ihnen das Gefühl zu vermittelt, die Geburt aus eigener Kraft zu schaffen. Viel zu schnell kämen die Frauen auf den Operationstisch, viel zu oft werde die Hebamme von der Patientin weggerufen. „Das führt zu Frust und raubt die Motivation.“ Viele Kolleginnen arbeiteten nur Teilzeit in der Klinik, gäben noch Kurse. Dabei existiere ein besserer Weg, sagt Otto-Seybold und hebt eine positives Beispiel heraus: Das von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „babyfreundlich“ zertifizierte Hochwald-Krankenhaus in Bad Nauheim habe einen Kreißsaal, der das Ambiente einer Hausgeburt biete. Ein Arbeitsklima, das speziell bei den jungen Kolleginnen ankomme. „Die haben dort keine Probleme, ihre Stellen zu besetzen.“ 

Auch im Landtag ist der Mangel an Hebammen immer wieder Thema. Am Donnerstag war es die FDP, die ihn im sozialpolitischen Ausschuss thematisierte. Nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Wiesbaden bestehe seit geraumer Zeit Handlungsbedarf, sagte die Abgeordnete Nicola Beer. 
Ihr ging es vor allem um die Versorgung zu Hause. „Jede zweite Frau steht nach der Geburt ohne Betreuung da“, sagte sie und forderte die Landesregierung auf, ihre Daten zu korrigieren: „In jedem Fall muss eine pragmatische Lösung für Frankfurt und andere Ballungsräume gefunden werden“, so Beer.

Der Landesregierung seien die unterschiedlichen Versorgungssituationen bekannt, versichert der Sprecher des Sozialministeriums, Markus Büttner, der Frankfurter Rundschau. Ballungsgebiete stünden aufgrund der hohen Geburtenzahlen „eher vor Herausforderungen“. Um an eine verlässliche Datengrundlage zu gelangen, beabsichtige das Ministerium, eine Untersuchung in Auftrag zu geben, „die die Situation der Hebammen in Hessen genau analysiert und in den Blick nimmt“. 

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