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Konferenz im Ökohaus Ka Eins Keine israelkritische Tagung

Nachdem er 200 Mails und Drohungen bekommen hat, sagt der Betreiber des Veranstaltungszentrums Ka Eins im Ökohaus die geplante israelkritische Konferenz ab.

Hassmails und Drohanrufe habe er bekommen, sei als „Nazi“ und „Antisemit“ beschimpft worden. Nun hat Bizhan Alkanaan, Leiter des Veranstaltungszentrums Ka Eins im Ökohaus, die Reißleine gezogen. Die israelkritische Konferenz zu „50 Jahren israelischer Besatzung“, die für den 9. und 10. Juni geplant war, ist abgesagt. „Ich habe dem Veranstalter Kopi schriftlich gekündigt“, sagte Alkanaan der Frankfurter Rundschau. Die Sorge um die Sicherheit des Gebäudes und der Mitarbeiter habe ihn zu diesem Schritt veranlasst.

Der Deutsche Koordiniationskreis Palästina Israel (Kopi) hatte namhafte Referenten geladen, um sich kritisch mit der israelischen Politik gegenüber der palästinensischen Bevölkerung auseinanderzusetzen. Dabei sollte auch die Boykott-Aktion BDS gegen jüdische Waren thematisiert werden. Doch dazu wird es im Ökohaus Ka Eins nicht kommen.

„Ich bekam 200 Mails, viele aus den Vereinigten Staaten und Kanada, in denen ich persönlich angegriffen und als Nazi beschimpft worden bin“, fasste Alkanaan, der das Tagungszentrum seit mehr als 30 Jahren betreibt, die Welle der Empörung zusammen. So etwas habe er „noch nie“ erlebt. „Ich wusste nicht, wer die Veranstalter sind, und war mir nicht klar, welchen Hass die Tagung auslösen würde.“

Beeinflusst habe ihn auch ein Schreiben des Frankfurter Bürgermeisters und Kirchendezernenten Uwe Becker (CDU). Dieser habe ihn aufgefordert, die Vermietung der Räume zu überdenken. Zuvor hatte Becker dieselbe Haltung in einer Pressemitteilung vertreten.

Becker: In unserer Stadt nicht willkommen

Becker weilt derzeit mit einer Frankfurter Delegation in Tel Aviv, um die Städtepartnerschaft zu feiern. Den Inhalt des Briefes fasste seine Büroleiterin Laura Wagner so zusammen: Becker habe „deutlich gemacht, dass wer in Frankfurt Stimmung gegen Israel machen will, wer für den Boykott israelischer Waren wirbt und Sanktionen gegenüber diesem Land fordert, in unserer Stadt nicht willkommen ist“.

Dem Veranstalter Kopi wirft Becker vor, die BDS-Kampagne zu unterstützen. BDS steht für „Boykott, Deinvestitionen, Sanktionen“ auf wirtschaftlicher, kultureller und akademischer Ebene. Becker verglich die Kampagne, die seit 2005 existiert, mit der Nazi-Parole „Kauft nicht bei Juden“. Er warf dem Veranstalter daraufhin „antisemitische Stimmungsmache“ vor.

Gegen den Antisemitismus-Vorwurf verwahrt sich Matthias Jochheim vom Veranstalter Kopi. „Das ist eine heftige Diffamierung ohne wirklich inhaltlichen Hintergrund“, sagte er im Interview mit der Frankfurter Rundschau. Auf der Tagung sollte nach einer „politischen Lösung im Sinne einer Selbstbestimmung der palästinensischen Bevölkerung“ gesucht werden.

Die Absage der Konferenz durch den Betreiber bedauerte Jochheim, kündigte aber an, die Konferenz durchführen zu wollen, wenn auch nicht im Ökohaus. „Die Auseinandersetzung zum Verhältnis zu Israel wird weitergehen“, sagte er.

Gegenüber der Frankfurter Rundschau hatte der Moderator der geplanten Tagung, Martin Breidert, der Vizepräsident der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft ist und einer der Sprecher von Kopi, zuvor kritisiert, dass eine „Israel-Lobby mit mehr oder weniger Erfolg Veranstaltungen zu verhindern versucht, die sich kritisch mit der israelischen Besatzungs-, Vertreibungs- und Annexionspolitik befassen.“ So auch in Bonn, wo er am 27. März über BDS referieren wolle.

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