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Kompromiss Neustart für Markt am Friedberger Platz

Anwohner, Händler und Stadt wagen einen letzten Versuch, den Treff beizubehalten. Diesmal ist um 22 Uhr Schluss. In den kalten Wintermonaten ist ohnehin nicht mit langen Massenaufläufen zu rechnen.

18.11.2011 20:14
Laura Wagner
Bewährungsprobe für die Party auf dem Friedberger Platz. Foto: Rolf Oeser

Anwohner, Händler und Stadt wagen einen letzten Versuch, den Treff beizubehalten. Diesmal ist um 22 Uhr Schluss. In den kalten Wintermonaten ist ohnehin nicht mit langen Massenaufläufen zu rechnen.

Freitag ist wieder Markttag. Auf dem Friedberger Platz findet heute zum ersten Mal seit Mai wieder freitags der Markt mit Kultstatus statt. Krach, Müll und Massenaufläufe hatten zu dessen Verlegung durch Ex-Ordnungsdezernent Volker Stein geführt. Das Thema spaltet einen ganzen Stadtteil. Aus Nachbarn sind Befürworter oder Gegner des Marktes geworden. Konkurrierende Interessen prallen aufeinander. Der Markt am Mittwoch bedeutete Ruhe für die Anwohner, aber Umsatzeinbußen von bis zu 70 Prozent für die Marktbeschicker. Nachdem der Markt einige Monate mittwochs stattfand, startet am heutigen Freitag ein Versuchsprojekt.

Der Markt ist zurück, aber anders als zuvor. Um 22 Uhr ist Schluss mit der After-Work-Party. Dafür soll eine gemischte Streife aus Stadtpolizei und Privatleuten, die ab 21.30 Uhr auf die Nachtruhe der Anwohner hinweisen, sorgen. Eine Premiere in Frankfurt. Mit Flyern, Pantomime und Bannern wollen die Marktbefürworter die Leute zum Gehen bewegen. Außerdem gibt es mehr Toiletten und Mülleimer. Auch die Gaststätten in der Bornheimer Landstraße ziehen mit.

Von 21.30 Uhr an gibt es künftig freitags eine Happy Hour, um die Leute nach drinnen zu locken. Das Treiben wird kontrolliert. Scheitert der Versuch, wird der Markt wieder umgelegt. Ohne weitere Chance. Ob das, was am runden Tisch, bestehend aus Anwohnern, Marktbeschickern, Mitgliedern des Ortsbeirates und der städtischen Ämter beschlossen wurde, wirkt, muss sich erst noch zeigen. „Es ist ein Experiment, aber der Markt ist es wert, das zu wagen“, sagte Stadtrat Markus Frank im Oktober bei einer Pressekonferenz zur Zukunft des Marktes.

Dabei fing alles ganz harmlos an. Als Treffpunkt der Anwohner, die gemütlich bei einem Wein die Woche ausklingen ließen. Vor allem in den letzten zwei Jahren entwickelte der Markt sich zu einer über Frankfurt hinaus bekannten „Partylocation“. Menschen aus Heidelberg, Marburg und sogar Berlin pilgerten freitags auf den Platz im Nordend, um am Event „Friedberger Markt“ teilzuhaben. Zum Ärger der Anwohner. Die litten unter den Nebenwirkungen und liefen Sturm.

Flaschen reihten sich aneinander wie beim Domino

Bis in die späte Nacht machten die Leute Party auf dem Platz. Auf der kniehohen Mauer, die um die Wiese führt, reihten sich die Flaschen aneinander wie beim Domino, vor den Dixi-Klos lange Schlangen. Mancher wich da lieber auf umliegende Vorgärten aus. Das kann jetzt richtig teuer werden. Wer dabei erwischt wird, wie er sich in einem Vorgarten erleichtert, muss 60 Euro Strafe zahlen. 20 Euro kostet ein Zigarettenstummel, 35 Euro ein Kaugummi.

An manchen Freitagabenden hätte die Stadt gutes Geld machen können. Das ganze Grauen offenbarte sich erst im Dämmerlicht des nächsten Morgens. Der Platz dreckig, üble Gerüche in den Vorgärten, leere Flaschen, Kronkorken und Müll auf der Wiese und den umliegenden Straßen. Da es keine organisierte Veranstaltung ist, gibt es auch keinen Verantwortlichen. Die Marktbetriebe sind nur für die Zeit während des Wochenmarktes zuständig.

Auch in der Vergangenheit gab es Bestrebungen, die Menschen zu sensibilisieren. Marc Henklein und seine Mitstreiter von der Initiative „Retter vom Markt“ berichteten den Leuten, wie es am nächsten Morgen aussieht, verteilten Mülltüten und Döschen für Zigarettenkippen. „Gebracht hat es wenig, aber wir haben Erfahrungen gesammelt“, sagt Henklein, der diese beim runden Tisch einbrachte.

In den kalten Wintermonaten ist nicht mit Massenaufläufen auf dem Platz zu rechnen. Das könnte erst im nächsten Frühjahr wieder passieren. „Vielleicht haben die Leute sich bis dahin an die neuen Umstände gewöhnt“, sagt Henklein, der auf Dialog setzt. Viel mehr bleibt auch dem Ordnungsamt nicht übrig, sollten die Leute sich weigern, den Platz zu verlassen, und gegen keine Auflagen verstoßen haben. „Es gibt keine rechtliche Grundlage“, sagt Ralph Rohr, Pressesprecher des Ordnungsamtes. Wie es weitergeht, liegt in der Hand der Marktbesucher. Ob die Vorkehrungen etwas bringen, wird sich erst im nächsten Sommer zeigen. „Es ist ein Neustart, wir müssen abwarten“, sagt Henklein.

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