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Kommentar Tanzt den Dinosaurier!

Foto: FR/Arnold

Darf an Ostern getanzt werden? Die Antwort darauf kann man sich ganz einfach machen. Das Hessische Sonn- und Feiertagsgesetz von 1952 ist eindeutig, lässt kaum Spielraum für Interpretationen. Volker Stein, Jahrgang 1950, macht es sich auch einfach, weil er sich auf eben diesen Wortlaut zurückzieht und verkündet, das Gesetz im Jahre 2011 „mit allen Mitteln“ durchsetzen zu wollen, nicht ohne im gleichen Atemzug Discobetreibern Strafen anzudrohen, die „an die wirtschaftliche Substanz“ gehen.

Ganz so einfach ist die Sache dann aber doch nicht. Jahrelang haben die Behörden das Tanzen am langen Osterwochenende toleriert, eben weil wir nicht mehr das Jahr 1952 schreiben, sich die Gesellschaft pluralisiert hat, die christlichen Kirchen an Bindungskraft verloren haben und eine Mehrheit ihre Freizeit nicht mehr nach deren Vorgaben gestalten will. Man zollt den Kirchen gemeinhin Respekt, indem man auf Tanzveranstaltungen am Karfreitag verzichtet.

Für Stein aber geht es um mehr als Respekt. Das Gesetz, erklärt er in einer Pressemitteilung, „entspricht der christlichen Prägung unseres Landes“. Dass dieses Land längst nicht mehr nur christlich geprägt ist, sondern inzwischen einer Fülle legitimer Lebensentwürfe Platz bietet, ist am Ordnungsdezernenten vorbeigegangen. Das Gesetz und Volker Stein – sie stammen beide aus einer längst vergangenen Zeit.

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