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Kommentar Antizyklisch

Die Romantik stand für einen Neuanfang - ganz so wie die Grünen. Am Projekt Romantikmuseum aber sieht man, wie die Kultur sich behauptet hat und wie sich die politische Partei selbst entzaubert hat

Vorübergegangen: der "Wanderer über dem Nebelmeer". Foto: ddp

Die Romantik war wohl eine Gemütererregungskunst, wie der Romantiker Novalis meinte. Unter den vielerlei Empfindungen, die sie hervorbrachte, war das Gefühl eines Neubeginns besonders heftig – den ja auch die Grünen gern zelebrierten. Das Selbstgefühl einer grundlegenden Wende zum ganz anderen bestimmte grüne Anfänge, grüne Visionen, grüne Selbstgerechtigkeit. Die Grünen waren die Aktivisten der Gemütererregung in der deutschen Politik.

Man muss in diesen Tagen daran erinnern, weil maßgeblich die Grünen in der schwarz-grünen Koalition im Frankfurter Magistrat ein Frankfurter Romantikmuseum abgelehnt haben. Leidenschaftlich war das Vorhaben vorangetrieben worden, ein Museum am Großen Hirschgraben, seitdem der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seine Residenz dort verlassen hatte, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Goethehaus. Sechzehn Millionen Euro wurden für das Vorhaben veranschlagt, acht Millionen stellten der Bund und das Land Hessen in Aussicht, beide machten sich die Pläne des Freien Deutschen Hochstifts zu eigen, das unter Frankfurts Bürgern Begeisterung für die Sache auslösen und Spendengelder akkumulieren konnte. Eine Frankfurter Bank ebenso wie eine Stiftung waren für die Idee gewonnen, auch der Romantik eine feste Bleibe zu geben, also dem Wunderbaren ebenso wie dem Abwegigen. Und dem Fantastischen ganz bestimmt. Vier Millionen hätte die Stadt beisteuern müssen. Frankfurts Grünen fehlte die Empathie. Kulturhistorisch gesprochen: für einen solchen Erinnerungsort der Normsprengung. Ökonomisch gesagt: für ein solches Alleinstellungsmerkmal Frankfurts. Romantisch gesprochen: Die Grünen wollten sich nicht „hinaufstimmen“ lassen. Sie wollten sich entzaubert sehen.

Die Romantik verstand sich auch als Rettungsbewegung, und vielleicht lässt sich, den Grünen zum Trotz, etwas retten. Etwas freisetzen durch das unkonventionelle Bewusstsein des Frankfurter Bürgers. Hat er doch zuletzt erst beim Erweiterungsbau des Städel vorgemacht, wie ernst es ihm ist mit seinem Engagement für die Stadt. Der Coup am Frankfurter Museumsufer wäre nicht zustande gekommen ohne die Spendenleidenschaft, ohne den Enthusiasmus des Frankfurters. Lässt sich das wiederholen? Es wäre einmal mehr die Tugend eines antizyklischen Handelns, trotz Krise. Eine Tat, ganz bewusst abgetrotzt dem blanken Ökonomismus.

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