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Koalition Frankfurt Politiker dreschen Phrasen

Die Politiker führen derzeit vertrauenvolle Gespräche, also vertrauliche. Mit anderen Worten: Es gibt nichts zu hören außer Phrasen. Machen Sie mit beim Römer-Bingo.

Wer regiert künftig in Frankfurt? Foto: Christoph Boeckheler

Willkommen beim Römer-Bingo, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, diesem wundervollen Spiel, mit dem Sie sich die Zeit vertreiben können, bis die Koalitionsverhandlungen endlich abgeschlossen sind. Zur Vorbereitung: Sie nehmen einen Zettel und notieren darauf neun Begriffe/Formulierungen. Und zwar jeweils drei in einer Reihe. Vorschläge zum Inhalt folgen gleich.

Dann rufen Sie Michael zu Löwenstein (CDU), Mike Josef (SPD), Manuel Stock (Grüne) und Annette Rinn (FDP) an, geben sich als Journalist aus und sagen, Sie würden gerne etwas zum Stand der Koalitionsverhandlungen schreiben. Die Politiker erzählen Ihnen dazu etwas, und immer, wenn sie etwas sagen, was auf Ihrem Zettel steht, kreuzen Sie den Begriff an. Wenn Sie in einer Reihe (horizontal oder vertikal) drei Kreuze haben, rufen Sie „Römer-Bingo“. Dann haben Sie gewonnen.

Alles verstanden? Dann kommen hier unsere Vorschläge mit ein paar Erklärungen.

„Vertrauensvolle Gespräche“: Das sagen die Römer-Politiker derzeit oft. Sie führen nicht nur Gespräche, sondern vertrauensvolle. Wenn Sie fragen, was darunter genau zu verstehen sei, bekommen Sie die nächste Formulierung zu hören.

„Die Gespräche sind vertraulich“: Vertraulich, vertrauensvoll ... Hört sich fast gleich an. In jedem Fall heißt es: Sie erfahren gar nichts. Aber Sie können ja weiter fragen. Dann wird man Ihnen sagen ...

„Die Partner haben Stillschweigen vereinbart“: Kurzum, Ihr Gesprächspartner hat langsam keinen Bock mehr. Wenn er gut gelaunt ist, redet er sich mit der nächsten Phrase raus ...

Glatt gelogen

„Wenn es etwas Neues gibt, erfahren Sie es als Erster“: Vergessen Sie es, das ist glatt gelogen. Wenn es kurz vor Weihnachten mal eine neue Koalition geben sollte, bekommen Sie eine Pressemitteilung wie alle anderen auch.

„Da müssen Sie die anderen fragen“: Klar, wenn Sie zum Beispiel Mike Josef fragen, mit wie viel Entgegenkommen seitens der CDU er beim Thema Gewerbesteuer rechnet, bekommen Sie diesen Spruch zu hören. Wobei Josef weiß, dass Ihnen die CDU auch nichts sagen wird.

„Wir haben uns in vielen Punkten angenähert“: Mit der Formulierung wagt sich jemand schon ganz weit vor. Aber fragen Sie bloß nicht nach, um welche Punkte es gehe.

„Das wäre Spekulation“: Abwehrende Formulierung, wenn Sie jemandem etwas in den Mund legen wollen. Die FDP möchte das Verkehrsdezernat, Frau Rinn? Das wäre Spekulation. Die Grünen werden Dezernate verlieren, Herr Stock? Das wäre Spekulation. Sie haben CDU gewählt, Herr zu Löwenstein? Das wäre ... Hey, keine blöden Witze.

Und nun noch die letzten beiden Formulierungen im Schnelldurchgang:

„Wir befinden uns noch in der Sondierungsphase.“

„Wir sind im gegenseitigen Kennenlernen ein ganzes Stück weitergekommen.“

Sie können übrigens vereinbaren, dass der Sieger vom „Römer-Bingo“ eine Eintrittskarte für die konstituierende Sitzung der Stadtverordneten im April bekommt. Aber erwarten Sie nicht, dass dort Tacheles geredet wird.

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