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Klinikum Höchst SPD spricht von „Rauswurf“

Der scheidende kaufmännische Geschäftsführer des städtischen Krankenhauses in Höchst, Ralph von Follenius, war eine „Fehlbesetzung“ sagt der Frankfurter SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling. Die Sozialdemokraten und Flughafen-Ausbau-Gegner sind unzufrieden mit der Personalpolitik im städtischen Klinikum.

Nach Auffassung von SPD-Fraktion und Flughafen-Ausbau-Gegnern (FAG) hätte der scheidende kaufmännische Geschäftsführer des städtischen Krankenhauses in Höchst, Ralph von Follenius, schon früher gehen müssen. SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling sprach am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit FAG-Chef Rainer Rahn von einer „Fehlbesetzung“. Die Reibereien und Konflikte im Krankenhaus hätten zugenommen, seitdem Follenius vor gut drei Jahren das Amt übernommen habe. „Man hätte früher die Konsequenzen ziehen müssen.“ Die Trennung von Follenius sei „ein Rauswurf“. Dass sie in gegenseitigem Einvernehmen erfolge, sei vorgeschoben. Auch im St.Georg Klinikum in Eisenach sei ähnlich verfahren worden, sagte der SPD-Chef.

Schwarze Null umstritten

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Hans Busch, warf Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) Eigenmächtigkeit vor. Sie habe den Aufsichtsrat nicht über die Trennung informiert. „Jetzt geht Follenius. Es wird ihm ja auch versüßt.“ Nach Angaben von Busch soll Follenius, der heute seinen letzten Arbeitstag im Krankenhaus hat, ein Jahresgehalt von 140000 Euro als Abfindung erhalten. Designierter Nachfolger ist Thomas Steinmüller, der als Controller in der Kämmerei den Sanierungsprozess des defizitären Krankenhauses begleitet hat.

Busch nannte Steinmüller einen „hoch angesehenen Beamten“, der sich aber im Krankenhauswesen kaum auskenne. Über den medizinischen Geschäftsführer des Klinikums, Christof Kugler, sagte Busch: „Es gibt keinen Chefarzt, der mit Kugler zufrieden ist.“

Langjährige Pflegekräfte und Ärzte hätten das Klinikum wegen der hohen Belastung verlassen. Schon lange gebe es „eine schlechte Stimmung“ im Krankenhaus. Als jüngstes Beispiel nannte Busch den Chefarzt der Orthopädie, Louis Hovy, der zum Monatsende in die Orthopädie des Universitätsklinikum, nach Friedrichsheim, wechselt. Damit verliere Höchst einen hervorragenden Operateur.

„Bundesweit einmaliger Fall“

Dieser Wechsel sei ein „bundesweit einmaliger Fall“, so FAG-Chef Rainer Rahn. Es sei äußerst ungewöhnlich, dass ein Chefarzt woanders als Leitender Oberarzt weiterarbeitet. Bei den Kündigungen der in Höchst Beschäftigten handele es sich nicht um normale Fluktuation. Rahn forderte einen Kurswechsel für das Krankenhaus: Die angestrebte schwarze Null müsse aufgegeben werden. Ein Krankenhaus der Maximalversorgung wie das in Höchst könne nicht gewinnbringend oder kostendeckend arbeiten. Es sei „Teil der Daseinsvorsorge“, die Kommune müsse für eventuelle Defizite aufkommen. „Wir müssen langfristig eine schwarze Null schreiben“, betonte Wulfila Walter aus dem Gesundheitsdezernat auf Anfrage. Die anderen 16 Krankenhäuser in Frankfurt müssten auch kostendeckend arbeiten. „Ein Krankenhaus mit roten Zahlen wird nicht überleben, weil es nicht investieren kann – das vergisst die Opposition.“

Die Europäische Union lasse eine dauerhafte Subventionierung nur unter „sehr engen Rahmenbedingungen“ zu. Aus seiner Sicht sei das in Höchst „nicht machbar“. Angepeilt sei ein ausgeglichenes Wirtschaftsergebnis für das Jahr 2014. Walter bedauerte den Wechsel von Louis Hovy. Der Weggang des „leidenschaftlichen Operateurs“ habe sicherlich auch etwas mit den eingeschränkten Operationsmöglichkeiten der Vergangenheit zu tun. Derzeit habe sich die Personalsituation in den Operationssälen und in der Intensivpflege deutlich verbessert. Elf Operationssäle seien wieder in Betrieb, zwölf würden benötigt, um einen Puffer zu haben. Die Belastungen für die Pflegekräfte seien aber noch immer „erheblich.“

Die schwarze Null ist nach Einschätzung der Vize-Betriebsratsvorsitzenden, Barbara Strohmayer, „fast nicht zu erreichen. Und wenn dann nur auf Kosten der Beschäftigten“. Die Personalkosten im Höchster Klinikum würden 70 bis 75 Prozent der Gesamtkosten des Krankenhauses ausmachen. Die Personalsituation sei „nach wie vor angespannt“ – bei den Pflegekräften, aber zum Teil auch bei den Ärzten. ?Kommentar F3

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