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Klapperfeld „Man will zeigen: Wir tun auch was gegen die Linken“

Vor zehn Jahren vermittelte Micha Brumlik zwischen linken Aktivisten und der Stadt Frankfurt. Das Ergebnis war die Einrichtung des selbstverwalteten Zentrums im ehemaligen Polizeigewahrsam „Klapperfeld“. Zehn Jahre später wollen konservative Politiker solche autonomen Zentren am liebsten schließen. Ein Gespräch.

Micha Brumlik
Vermittelte zwischen Linken und der Stadt, Micha Brumlik. Foto: Foto: Christoph Boeckheler.

Es ist Zufall, dass Micha Brumlik an diesem Dienstagabend in Frankfurt weilt. Seit seiner Emeritierung im Jahre 2013 hat sich der Lebensmittelpunkt des Erziehungswissenschaftlers und Publizisten nach Berlin verlagert. Doch an diesem Abend kündigt im Casino am IG-Farben-Campus der Frankfurter Universität ein Plakat einen Vortrag Brumliks an. Kurz vor Beginn der Veranstaltung, nimmt er sich Zeit für das Gespräch.

Herr Brumlik, haben Sie eigentlich ein schlechtes Gewissen? Immerhin waren Sie 2008/2009 als Vermittler quasi mit dafür verantwortlich, dass im ehemaligen Polizeigewahrsam Klapperfeld, mitten in der Innenstadt, ein linksautonomes Zentrum entstanden ist ...
In keinster Weise. Ich finde, dass das damals eine vernünftige Strategie gewesen ist, zumal ich durchaus einige Leute aus der Initiative „Faites votre jeu“, die das dann ja später eingerichtet haben, aus meiner Lehrtätigkeit hier in Frankfurt kannte. Das waren zum Teil Studierende von mir.

Aber linke Zentren wie das Klapperfeld stehen insbesondere nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen beim G20-Gipfel in Hamburg in der Kritik. Der hessische Verfassungsschutz, die örtliche CDU, die FDP, Teile der Presse, sehen darin Orte, in denen gewalttätige Aktionen gegen den Staat geplant werden ...
Ich lebe ja seit einiger Zeit nicht mehr in Frankfurt. Soweit ich das aus der Ferne einschätzen kann, spricht nichts dafür, dass aus den linken Zentren hier in Frankfurt Gewalttaten geplant wurden. Es ist ja noch nicht mal für die linken Zentren in Hamburg eindeutig erwiesen.

Der hessische Verfassungsschutz scheint das etwas anders zu sehen. Der sieht in Einrichtungen wie dem Klapperfeld oder dem Exzess in Bockenheim Zentren der linksextremen Szene ...
Ich kann mir vorstellen, dass das Orte der linksextremen Szene sind. Aber die Frage ist doch: Sind die gewaltbereit oder nicht? Das ist bei der ganzen Diskussion doch entscheidend.

Aber darf man nicht zu Recht die Frage stellen, ob ein Staat oder eine Stadt sich leisten kann, solche Zentren zu unterstützen?
Weil eine Stadt für Jugend- und Kulturarbeit in ihrem Gebiet zuständig ist. Dazu zählen auch politische Gruppen. Und wenn diese nicht gewaltbereit sind, finde ich es ganz und gar richtig, sie zu unterstützen, sofern sie eine sinnvolle politische Arbeit machen.

Das sehen Sie beim Klapperfeld? Sinnvolle politische Arbeit?
In jedem Fall. Allein die historische Aufarbeitung der Geschichte des Gebäudes, über das ehemalige Gestapo-Gefängnis bis zur Nutzung als Abschiebe-Knast. Das war aufklärerische Arbeit der Betreiber.

Haben Sie denn noch Kontakt zu den Betreibern?
Ganz wenig. Zu einer ehemaligen Doktorandin von mir.

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