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Kitaplätze Erzieherinnen verzweifelt gesucht

Die Träger von Betreuungseinrichtungen haben Probleme, die Stellen zu besetzen. Bisher habe man noch keine Einrichtung deshalb schließen müssen, aber bundesweit fehlten einfach Fachkräfte, so Christiane Nitze vom IB.

Wenn Erzieher streiken – wie hier in Eschborn –, kommen sie irgendwann wieder; wenn es aber keine gibt ... Foto: Michael Schick

Die Suche nach dem Hortplatz – davon können so einige Eltern ein verzweifeltes Lied singen. Auch Ina Ullrich. Ihr Sohn wird nach den Sommerferien in die Eichendorffschule in Griesheim eingeschult, ein Hortplatz ist nicht in Sicht. Dabei gäbe es noch Plätze in Griesheim-Nord in der erweiterten schulischen Betreuung (ESB). Theoretisch. „Doch es werden keine Zusagen vergeben, weil die Einrichtung nicht weiß, ob sie die Betreuung nach den Sommerferien aufrechterhalten kann“, sagt Ullrich.

Der Grund: Erziehermangel. Zwei freie Stellen gibt es in der ESB, doch der Trägerverein Internationaler Bund (IB) bekommt sie nicht besetzt. „Deswegen muss eine der vier Hortgruppen eventuell schließen“, erzählt Ullrich. Das wären 20 Plätze für Erstklässler, die dann wegfallen und ein Betreuungsloch in Griesheim hinterlassen würden.

Für den IB ist der Mangel an Erziehern ein „grundsätzliches Problem“, sagt Christiane Nitze, Referentin für Kinderförderung und Bildung beim IB. Bisher habe man noch keine Einrichtung deshalb schließen müssen, aber bundesweit fehlten einfach Fachkräfte. „Es ist eine ernstzunehmende Lage, auf die entsprechend reagiert werden muss“, sagt Nitze. Der Beruf müsse attraktiver gemacht werden, damit mehr Leute bereit seien, ihn zu ergreifen.

„Nur Verzögerungen“

Auch die Stadt Frankfurt kennt das Problem Personalmangel. Immer mal wieder kommt es auch in den städtischen Einrichtungen zu Engpässen. „Da ist eine neue Kita etwa fertig, aber es dauert, bis wir alle Erzieher dafür haben“, sagt Elke Voitl, Referentin von Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Grüne). Dann würde zum Beispiel zunächst mit einer statt drei Gruppen eröffnet. „Aber das sind nur Verzögerungen, zwei bis drei Monate später haben wir immer die Stellen besetzt.“ Bisher habe man noch keine Kita nicht eröffnen, geschweige denn schließen müssen.

Allerdings gelingt dies nicht ohne Anstrengung. „Wir machen extrem viel, um Personal zu gewinnen“, sagt Voitl. Auf Messen und Veranstaltungen werde etwa um Fachkräfte geworben, es gibt eine Auslandsakquise, man engagiert sich in der Berufsorientierung an Schulen mit Klassenvorträgen. Und im Gegensatz zu freien Trägern habe die Stadt zudem attraktive Vergünstigungen zu bieten, mit denen sie Personal locken kann, sagt Voitl. Das Jobticket etwa. Und eine Palette an kostenfreien Fortbildungen. „So können wir trotz des Mangels Personal finden, auch wenn es manchmal etwas dauert.“

Beim freien Träger BVZ sieht man den Erziehermangel auch „nicht so dramatisch“, sagt Geschäftsführer Michael Burbach. Ab und zu gerate man mit der Anzahl an Erziehern schon etwas „in die Bredouille“. Dann könnten Kitas nicht in der Geschwindigkeit aufmachen, wie es geplant war. Burbach macht sich aber mehr Sorgen um die Qualifikation der Erzieher. „Bei der Qualität der Ausbildung muss dringend nachgearbeitet werden.“ Viele Erzieher hätten keine Erfahrung im U 3-Bereich, weil das im Curriculum kein großes Gewicht habe.

Die Ausbildung findet etwa an der Berta-Jourdan-Schule statt. Deren Kapazität wurde verdoppelt, schließlich braucht Frankfurt weiterhin Erziehernachwuchs. Denn wegen steigender Kinderzahlen müssen immer mehr Kitas eröffnet werden. Die Stadt würde auch gerne Migranten einstellen, die in ihrem Herkunftsland eine pädagogische Ausbildung gemacht haben. „Das ist ein Potenzial, das wir nutzen müssen“, sagt Voitl. Aber es sei schwierig, die Ausbildung hier anerkannt zu bekommen. „Wir müssen gucken, dass die Bürokratie dafür verringert wird.“

Im Fall der ESB an der Eichendorffschule werde die Stadt den Träger bei der Suche nach Fachkräften unterstützen, sagt Voitl. Keine Gruppe soll geschlossen werden, die Plätze sollen bald über die Online-Anmeldeplattform „Kindernet“ zur Verfügung stehen. „Denn wir brauchen die Plätze dringend in der Stadt“, sagt Voitl.

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