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Kita-Streik 16.000 Erzieher bei Groß-Demo

Rund 16.000 Erzieherinnen und Erzieher ziehen am Donnerstag durch die Frankfurter Innenstadt. Verdi-Bundeschef Frank Bsirske fordert von den Arbeitgebern eine Aufwertung sozialer Berufe. Eine Schlichtung zur Beilegung des Kita-Streiks ist nicht in Sicht.

Mehr als 15.000 Erzieher kommen zur Kundgebung auf den Römerberg. Foto: Boris Roessler/dpa

Aufwertung jetzt“, hallt es vom Frankfurter Römerberg und dem Paulsplatz. Mit Trillerpfeifen, Rasseln, Fahnen und Plakaten protestieren am Donnerstag Erzieherinnen und Sozialarbeiter – auch viele betroffene Eltern sind vor Ort. Die Großdemonstration soll noch einmal den Druck auf die Arbeitgeber im Tarifkonflikt um eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen und Erzieher erhöhen. Rund 16.000 Menschen haben sich nach Polizeiangaben versammelt. Auch in anderen Städten gehen am Donnerstag Mitarbeiter von Kitas, Horten und anderen Sozialeinrichtungen auf die Straße: In Hamburg nach Gewerkschaftsangaben rund 15.000, bundesweit etwa 50.000.

Eigentlich sollte die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) den Protest in Frankfurt hautnah mitbekommen. Doch sie verschiebt ihre Mitgliederversammlung vom Römer an den Flughafen. Hauptredner der Frankfurter Kundgebung ist der Verdi-Bundesvorsitzende Frank Bsirske. Er appelliert an die Arbeitgeber, sich endlich zu öffnen. „Die Anforderungen und Erwartungen in den sozialen Berufen sind drastisch gestiegen“, sagt er. Doch in der Bezahlung sei das nicht berücksichtigt und angebliche Gehaltssteigerungen schöngerechnet worden. Dennoch sei Verdi bereit, auf die Arbeitgeber zuzugehen. „Kommt aus eurer Verschanzung und stellt euch eurer Verantwortung“, ruft Bsirske.

Erziehern geht das Geld aus

Seit drei Wochen sind tausende Erzieher in ganz Deutschland im Ausstand. Britta J. streikt von Anfang an mit ihren Kolleginnen einer Kita aus Maintal. „Natürlich wächst langsam der Druck.“ Für viele Mitarbeiterinnen sei es finanziell schwierig zu stemmen. Auch wenn der Streik notgedrungen auf dem Rücken der Eltern ausgetragen werde, gehe es doch um ihre Kinder. „Wir müssen so lange streiken, bis ein akzeptables Angebot kommt, denn wir haben die Chance jetzt etwas zu ändern.“ So könne es nicht bleiben.

Für bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung streikt auch Erzieherin Gabriele Hilgers aus Egelsbach. Die Kita ist seit fast drei Wochen zu, es gibt jedoch eine Notbetreuung einer anderen Einrichtung. „Wir streiken bis zum Schluss.“ Zur Not auch bis zu den Sommerferien oder darüber hinaus. Einige, gerade von den jüngeren Mitarbeiterinnen hätten aufgegeben, da das Geld nicht mehr lange.

Solidarität der Eltern bröckelt

Doch es gebe zu viele Punkte, für die es sich zu streiken lohne, betont Hilgers. „Unser Berufsfeld hat sich sehr verändert.“ Gestiegene Verantwortung, zu viele Überstunden und Personalmangel. Nicht wenige müssten sich gar Geld mit einem Zweitjob dazuverdienen. Viele Eltern stünden auf ihrer Seite, doch „man merkt dass die Solidarität bröckelt, je länger der Streik dauert“, sagt sie.

Unterstützende Worte gab es jedoch von Elternvertretungen auf dem Podium. „Wir zeigen uns solidarisch mit den Erziehern unserer Kinder, auch wenn die Verzweiflung bei den Eltern wächst“, sagt Anne Liebholz vom Gesamtelternbeirat der städtischen Kinderzentren Frankfurts (GEB). Sie wolle nicht, dass ein Keil zwischen Eltern und Erzieher getrieben werde. Sie bräuchten gute und motivierte Erzieher. „Wir haben ein großes Interesse, dass das Berufsfeld attraktiv bleibt.“

Nach der Kundgebung ziehen die Teilnehmer gemeinsam durch die Frankfurter Innenstadt. Sie waren am Morgen mit mehr als 300 Bussen angereist. Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht.

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