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Kita „Martin Niemöller“ Kita in der Kritik

Die Eltern der Kindertagesstätte „Martin Niemöller“ im Frankfurter Stadtteil Riedberg beschweren sich über unhaltbare Zustände: Kleinkinder würden in der Einrichtung angeschrieen, bekämen nichts zu trinken. Der Kita-Träger gelobt Besserung und beklagt den Fachkräftemangel.

Die Betreuung von Kleinkindern ist personalintensiv. Doch Krabelstuben tun sich schwer, geeignetes Personal zu finden. (Symbolfoto) Foto: dpa

Eltern und Elternvertreter haben sich über die Zustände in der Kindertagesstätte „Martin Niemöller“ beschwert. „Die Sache ist eskaliert“, sagt Andreas Müller, Vater von zwei Kindern im Alter von eineinhalb und drei Jahren, die die Einrichtung im Quartier „Altkönigblick“ besuchen. „Ich sehe eine massive Gefahr für die Kinder.“

Müller hat vor drei Wochen in der Einrichtung hospitiert und sich selbst ein Bild von der Lage gemacht. Seine Mängelliste ist lang: Erzieher ließen Kinder mit Messer und Gabel alleine, das Eingangstor stehe offen, Kinder bekämen nichts zu trinken, würden angeschrien und nicht rechtzeitig gewickelt.

Unterstützt wird Müller von Elternbeirat Michael Neuberger, dessen zweieinhalbjährige Tochter die Krabbelstube besucht: Ein hoher Krankenstand führe zu einer ständigen Unterversorgung, berichtet er. Bei einem außerordentlichen Elternabend der Krabbelstube in der vergangenen Woche hätten zwei Mitarbeiter angefangen zu weinen und sich über die schlechten Verhältnisse beklagt.

Die Kinderbeauftragte für den Riedberg hat von dem Problem noch nicht erfahren: „Ich höre das erste Mal davon“, sagt Manuela Roll, die die Einrichtung als „nett und kooperativ“ kennengelernt hat. „Ich weiß aber, dass es auf dem Riedberg einen Personalmangel gibt. Viele wollen gar nicht hier hochfahren“, sagt sie und gibt sich diplomatisch: „In Bezug auf die Kinder schaukelt sich vieles hoch.“

Der Träger der Einrichtung räumt begangene Fehler ein: „Ich kann den Einwand der Eltern verstehen. Die Zerwürfnisse waren heftig“, sagt der Leiter des Arbeitsbereichs Kindertagesstätten des Diakonischen Werks Frankfurt, Kurt-Helmuth Eimuth. Er gibt zu: „Es sind Dinge passiert, die nicht hätten passieren dürfen. Das tut uns leid, wir haben uns dafür entschuldigt.“

Hoher Krankenstand

Die Diakonie hat inzwischen reagiert und einen stellvertretenden Kitaleiter eingestellt: „Es war eine angespannte Situation“, sagt Markus Aporta, seit Anfang des Monats im Amt. „Das ist unentschuldbar, aber nicht der Regelfall. Es ist nicht so, dass Kinder hier nicht gewickelt werden.“

Ein Grund für die missliche Lage sei die dünne Personaldecke. Zwölf Erzieher arbeiten derzeit in der Einrichtung. „Wir bräuchten eigentlich mehr“, sagt Eimuth. „Wir haben neue Stellen ausgeschrieben. Das Problem ist, diese zu besetzen. Der Markt ist leer.“ Der Fachkräftemangel werde in Frankfurt die nächsten zehn Jahre anhalten. Auch der hohe Krankenstand sei nicht unüblich in der Branche: „Man kann allgemein feststellen, dass junge Erzieher sehr häufig mit Infektionskrankheiten zu tun haben“ sagt Eimuth. Der Träger gelobt dennoch Besserung: „Wir arbeiten an einem Vertrauensverhältnis zu den Eltern und werden alles unternehmen, um uns auf dem Arbeitsmarkt gut aufzustellen.“

Die Kindertagesstätte „Martin Niemöller“ ist im Mai 2013 in Betrieb gegangen. Träger ist der Evangelische Regionalverband. Das zweigeschossige Gebäude verfügt über sechs Gruppenräume – je drei für Kindergarten- und Krabbelstubenkinder. Insgesamt 93 Kinder finden dort Platz.

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