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„Kippa-Tag“ Kippa-Kundgebung am Römer

Rund 300 Menschen feiern den „Kippa-Tag“. Das Landeskabinett tagt bei der Jüdischen Gemeinde.

Kippa-Tag, Römerberg
Teilnehmer des Kippa-Tags mit Kippa auf dem Römerberg setzen ein Zeichen gegen Antisemitismus. Foto: Michael Schick

Knapp 300 Menschen sind am Montagabend dem Aufruf des Frankfurter Stadtkämmerers Uwe Becker (CDU) gefolgt, mit einer Kippa auf dem Kopf ein symbolisches Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Gegen 18 Uhr versammelten sich Mitglieder des Frankfurter Magistrats wie Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) und Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), Angehörige der Jüdischen Gemeinde, Kirchenvertreter wie der Stadtdekan Johannes zu Eltz, Frankfurter Stadtverordnete und andere Bürger auf dem Römerberg. Viele der Versammelten hatten eine Kippa aufgesetzt, andere hatten kleine israelische Fahnen in der Hand.

Man wolle deutlich machen, „dass diese Stadt zusammensteht und dass wir ein klares Zeichen der Solidarität für jüdisches Leben in dieser Stadt zum Ausdruck bringen“, sagte Uwe Becker in einer improvisierten Ansprache auf der Treppe zum Eingang des Römers. In einer Zeit, in der Juden wegen ihres Glaubens angegriffen würden und das Wort Jude wieder als Schimpfwort gebraucht werde, sei dieses Bekenntnis notwendig. Es gehe schon lange nicht mehr darum, den oft beschworenen Anfängen zu wehren, sondern es sei klar, „dass wir der Ausbreitung des Antisemitismus entgegentreten müssen“, sagte Becker. 

Symbolische Aktionen könnten dabei helfen, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit politischen Handelns zu schaffen, sagte Becker – etwa, wenn im Alltag antisemitische Stereotype geäußert würden. „Nicht weghören, sondern handeln, nicht wegschauen, sondern dem entgegentreten.“ Becker verteidigte auch seine im Vorfeld kritisierte Entscheidung, am 14. Mai, dem Unabhängigkeitstag Israels, zu einem symbolischen „Kippa-Tag“ aufzurufen. „Man kann jüdisches Leben nicht von Israel lösen, nicht von Israel trennen“, sagte er unter dem Beifall der Menge. 

Im Anschluss an Beckers Ansprache wurde vor dem Römer zum Klang einer Klarinette getanzt und gesungen, unter anderem das jüdische Volkslied „Hevenu Shalom Alechem“ – wir wollen Frieden für alle.

Solidarität mit Jüdinnen und Juden

Viele Teilnehmer der Kundgebung betonten, sie wollten sich vor allem mit Jüdinnen und Juden in Frankfurt und anderswo solidarisieren. „Ich unterstütze jede Veranstaltung, die Solidarität mit Juden zeigt“, sagte Nathalie Friedlender aus Frankfurt, die mit ihrem Mann auf den Römer gekommen war. Da es solche öffentlichen Zeichen selten gebe, wolle sie unbedingt dabei sein.

Ähnlich drückte es Kurt Ruck aus, der aus Oberursel zu der Kundgebung gekommen war. „Nicht erst seit dem neusten Überfall in Berlin ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen, dass es Menschen gibt, die das nicht wollen“, sagte Ruck. Es sei ihm ein Anliegen, dass antisemitische Beschimpfungen und Angriffe wie zuletzt gegen einen jungen Israeli in Berlin nicht zur Normalität würden. Die Gesellschaft müsse sich klar hinter die angegriffenen Juden stellen. „Wir Deutschen haben eine sehr große Verantwortung“, sagte Ruck.

Zwei junge Männer aus Frankfurt, die sich ebenfalls unter die Demonstranten gemischt hatten, sagten, sie arbeiteten mit Jugendlichen und hätten ihre Kippot schon den ganzen Tag lang getragen. „Es gab keine negativen Reaktionen“, sagte einer der Männer. Er selbst habe sich mit dem Tragen der Kippa zuerst etwas schwer getan, weil er Atheist sei. „Ich würde auch nicht mit christlichen Symbolen rumrennen.“ Trotzdem habe er sich letztlich aus politischen Gründen entschieden, bei der Aktion mitzumachen.Uwe Becker hatte ursprünglich dazu aufgerufen, den ganzen Tag über eine Kippa zu tragen. Die Idee zu der abendlichen Kundgebung war nach seinen Angaben erst entstanden, als viele Menschen sich ein gemeinsames Zeichen gewünscht hätten.
Die hessische Landesregierung hat am Montag als Zeichen der Solidarität im jüdischen Gemeindezentrum in Frankfurt getagt. Auch an der Wöhlerschule im Westend beteiligten sich Schüler am  „Kippa-Tag“.

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