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Kindergärten Erzieher unerwünscht

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat das Projekt "Mehr Männer in Kitas" gestartet. Doch viele Erzieherinnen sind davon gar nicht begeistert: Männer spielen mit den Kindern zu wild und zu laut.

Kinder spielen gerne Fußball - Erzieherinnen eher nicht. Foto: Sascha Rheker

Beim Besuch in einem Kindergarten hat sich Sabine Herrenbrück die Ecke mit den Sachen für die Rollenspiele angeschaut. „Da hingen lauter Prinzessinnenkostüme, Feenkleider und Zauberermäntel“, erzählt die Leiterin des Fachbereichs Kindertagesstätten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Sie habe, berichtet sie weiter, gefragt, wo denn die Bauarbeiter-Westen und Räuberkostüme seien. „Die wollen wir nicht, hat die Kita-Leiterin geantwortet, damit sind uns die Kinder zu laut.“

Die Beobachtung Herrenbrücks mag ein Einzelfall sein – dass Erzieherinnen „männliche“ Verhaltensweisen scheuen und auch männliche Kollegen nicht unbedingt schätzen, scheint allerdings häufiger vorzukommen. „Bei uns rufen schon mal Frauen an und fragen, wie es sich denn verhindern lasse, dass sie in ihrer Einrichtung einen Mann einstellen müssten, der beim Vorstellungsgespräch gut abgeschnitten habe“, erzählt Herrenbrück.

Ein Motiv für die Ablehnung könne der Generalverdacht sein, Männer in Kindertagesstätten seien mögliche Kinderschänder, sagt die EKHN-Gleichstellungsreferentin Carmen Prasse. Auch die Furcht, die Harmonie im Team könne durcheinandergeraten, sei möglich. „Männer machen so wilde Spiele, das ist uns zu laut“, so eines der Argumente. Oder aber, dass Männer mit den Kindern Fußball spielten – „und das müssen wir dann auch“.

Um die Vorbehalte der Erzieherinnen gegenüber männlichen Kollegen abzubauen und gleichzeitig bei den Männern für den Beruf des Erziehers zu werben, hat die EKHN das Modellprojekt „Mehr Männer in Kitas“ gestartet.

Gerade einmal zwei Prozent der 5100 Erzieher in den rund 600 Kindertagesstätten der EKHN sind männlich. Bundesweit liegt der Schnitt immerhin bei 3,3 Prozent. „Wir müssen“, sagt Projektkoordinator Christian Urbanik, „allen Männern die Arbeit erleichtern, die sich auf dem Feld der Kinderbetreuung bewegen.“

Starre Rollen zu Hause

Zum Projekt gehören Fortbildungen zum Umgang mit Rollenbildern ebenso wie die Werbung um Nachwuchs an Schulen, bei Ausbildungsmessen oder Berufsinformationsveranstaltungen.

„Männliche Vorbilder sind wichtig für die Kinder“, sagt Prasse. Mitunter wüchsen sie zu Hause ohne Vater auf, oder aber dort herrschten sehr starre Rollenmuster vor. „Aufweichen können wir das nur, wenn auch Männer in den Kindertagesstätten vorhanden sind.“ Ziel sei es, dass auch die Frauen mit den Kindern Fußball spielten und die Männer sich um die Küche kümmerten.

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