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Kinderbuchmesse Preis für schreckliche Mütter

Zum 23. Mal vergibt eine Kinderjury die Kalbacher Klapperschlange für besonders gute Kinderliteratur. 140 Dritt- bis Neuntklässler bilden dieses Jahr die Jury.

Wer schlängelt denn da? Die Lupe bringt es an den Tag. Foto: michael schick

Als Ortsfremder fragt man sich schon irgendwann, ob man wirklich richtig ist. Im Nieselregen durchs kleine Kalbach stapfend, glaubt man selbst dann nicht ganz daran, als die richtige Straße gefunden ist, denn ein Blick hinein offenbart nur Einfamilienhäuser und dahinter freies Feld. Und hier irgendwo soll eine Kinderbuchmesse sein, auf der schon Cornelia Funke, Elke Heidenreich und Kirsten Boie die legendäre „Kalbacher Klapperschlange“ gewonnen haben?

Tatsächlich wird man nach wenigen Schritten fündig; etwas zurückversetzt steht hier die Alte Kalbacher Turnhalle. Schon an der Tür schlägt den Besuchern eine Welle heimeliger Gemütlichkeit entgegen. Es ist warm und alle reden durcheinander, auf langen Tische stapeln sich Unmengen von Büchern. Das fängt bei der Kinderbuchikone Cornelia Funke an und endet beim Sachbuch, in dem Wirtschaftsthemen kinderfreundlich aufbereitet sind.

Auf der Bühne stehen Lesesessel, in einem sitzt mit baumelnden Beinen ein kleiner blonder Junge. Er hat gleich mehrere Bücher auf dem Schoß und während er mit zusammengezogenen Brauen in einem davon liest, scheint er den Lärm und das Gewusel um sich her nicht wahrzunehmen. Man wüsste gerne, ob er gerade durch einen verzauberten Wald streift oder einem Gauner auf den Fersen folgt und fühlt auch ein wenig Neid auf diese irgendwann verloren gegangene Fähigkeit, völlig in einer spannenden Geschichte aufzugehen und darüber Mittagessen, Hausaufgaben oder Schlafenszeit zu vergessen. Kinder lesen anders als Erwachsene. Daran hat wohl auch die damals in Kalbach lebende Kinderbuchautorin Regina Rusch gedacht, als sie vor 22 Jahren die „Kalbacher Klapperschlange“ ins Leben rief. Seitdem nimmt die kleine Buchmesse einen besonderen Platz in der deutschen Kinderbuchlandschaft ein, denn der hier verliehene Preis, so erzählt Sprecherin Susanne Staechelin, war der erste – und ist bis heute einer von wenigen geblieben – der ausschließlich von Kindern vergeben wird.

140 Dritt- bis Neuntklässler bilden dieses Jahr die Jury. Mitgemacht hat auch die neunjährige Alina Mann, die auf dem Riedberg wohnt. Sie ist fast ein alter Hase, war letztes Jahr auch dabei. „Am liebsten“, sagt sie, „lese ich spannende Bücher, Detektivgeschichten und so weiter.“ Wie alle anderen Kinder hatte sie fünf Monate Zeit, um mindestens fünf der 60 Neuerscheinungen zu lesen, die zur Auswahl standen.

Die Gewinnerin der „Klapperschlange“ heißt in diesem Jahr Sabine Ludwig. In ihrem Roman „Die schrecklichsten Mütter der Welt“ lassen drei genervte Kinder ihre Mütter von einer Firma durch furchtbar nette „Tante Annas“ ersetzen. Wegen einer Lesung kann sie den Preis nicht selber entgegennehmen, bedankt sich aber in einem Brief bei den Kindern und beschreibt, wie sehr es sie nach der „einsamen Zeit des Schreibens“ freue, zu sehen, dass das, „was ich da zu Papier bringe, auch bei euch, bei meinem Publikum ankommt“.

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