Lade Inhalte...

Kinder-Uni in Frankfurt Gladiator – kein Traumberuf

Beim Finale der Kinder-Uni in Frankfurt wird der Hörsaal zur römischen Arena. Fast 11.000 Schüler waren dabei, und die Finanzierung für die nächsten Jahre ist gesichert.

Kinder-Uni
Gestatten: Leonidas, der gallische Löwe. Sein Auftritt als Gladiator in der Kinder-Uni. Foto: Christoph Boeckheler

Wer je eine Vorlesung der Kinder-Uni besucht hat, dem ist das Bild „Einmarsch der Gladiatoren“ nicht fremd. 1300 Kinder, die einen Hörsaal stürmen – da kommt man schon mal auf solche Gedanken. Naheliegend also, dass sich die Planerinnen der Nachwuchs-Studierwoche für Acht- bis Zwölfjährige in diesem Jahr sagten: Machen wir doch mal was mit Gladiatoren. Um es vorwegzunehmen: tolle Idee, gelungene Veranstaltung.

Zunächst aber die Frage der Frankfurter Rundschau an Vertreterinnen der Zielgruppe: Möchtest du mal Gladiatorin werden? Noemie (8): „Weiß ich noch nicht.“ Lara (8): „Nö, auf jeden Fall nicht.“ Wieso nicht? „Da müsste ich ja kämpfen.“ Noemie: „Ich möchte auch keine Gladiatorin werden.“ Die jungen Damen stammen aus der Regenbogenschule Dietzenbach und gehören der zwölfköpfigen Klassensprechergruppe an, die jedes Jahr zur Kinder-Uni reist. „Mit so einer kleinen Gruppe ist es leichter, einen Platz zu bekommen“, sagt Lehrerin Martina Billy.

Clever gemacht. Ganze Klassen aus Dietzenbach bewerben sich natürlich trotzdem. Jenen, die in der Verlosung kein Glück haben (dieses Jahr mussten 250 Klassen draußen bleiben), erzählen dann die Klassensprecher, wie’s war. Chiara (9) hat bereits Vorbildung und weiß, dass Rom in Italien liegt, früher aber bedeutend größer war. Was will sie mal werden? „Tierarzt. Und die Uni ist voll cool.“

Man merkt schon, der Beruf des Gladiators beziehungsweise der Gladiatorin ist heute nicht mehr sonderlich beliebt. War er früher auch nicht, sagt Archäologie-Professorin Anja Klöckner. Verurteilte Verbrecher, Sklaven, Kriegsgefangene und Leute, die Schulden abarbeiten mussten, kloppten sich in den römischen Arenen. Das erklärt sie gut: Völlige Stille legt sich über den Hörsaal, als die Dozentin etwa beschreibt, wie so ein Amphitheater aufgebaut war, dass es dort sogar Sonnensegel gab und dass tatsächlich auch Frauen auf Leben und Tod kämpfen mussten.

Teilnehmer der Kinder-Uni Frankfurt lauschen gebannt

Selten, dass das vollbesetzte Audimax bei der Kinder-Uni so gebannt lauscht. Und befreiend, wie der Saal bebt, als dann die „richtigen“ Gladiatoren einmarschieren – also das studentische Team, angeleitet von Bühnenkampflehrer Mathias Kunzler. Riesenjubel für Ursus Moenensis, den Bären vom Main, Thetis, die Meeresgöttin, und ihre Kollegen, die wie Stars einzeln in die Arena komplimentiert werden.

Sie sind selbst für Kinder-Uni-Verhältnisse ungewöhnlich gekleidet, tragen Speere, Schilde, spektakuläre Helme – 18 Kilo Ausrüstung kommen da im Einzelfall schon mal zusammen, sagt Anja Klöckner. Anschließend stechen und prügeln die vier Männer und zwei Frauen aufeinander ein und beschreiben teils selbst, was passiert: „So kann ich einen wunderschönen Armhebel ansetzen, und dann hat mein Gegner nur noch die Wahl, aufzugeben oder zu sterben.“ Zumindest am Freitag überleben alle und können am Ende Kinderfragen beantworten. „Ist das schwer? Darf ich mal aufsetzen?“

Die Kinder-Uni 2018 ist damit beendet, fast 11 000 Schüler waren wieder dabei, haben was gelernt, die Näschen in den Wissenschaftsbetrieb gesteckt und vielleicht eine erste Idee bekommen, was Bildung bedeutet. Gute Nachricht: Die Finanzierung für die nächsten drei Jahre ist gesichert – die Dr. Marschner-Stiftung fördert weiter.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen