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Kinder in Frankfurt Selbstbewusst durch Malen

Im Manga-Workshop lernen Mädchen im Frankfurter Mädchenzentrum Mafalda mehr als nur Kreativität.

Manga Workshop Frankfurt
Jule (11) erklärt ihre Manga-Figur, aufmerksam beobachtet von Workshopleiterin Colin Schwanengel. Foto: Renate Hoyer

Auf Youtube hatte sich Toni Nebgen Videos angeschaut und Mangas nachgemalt. Sie liest zwar keine Mangas und schaut auch keine Filme, aber das Zeichnen, das macht ihr Spaß. „Ich mag, dass es keine Grenzen gibt“, sagt die 13-Jährige. „Es gehen alle Farben, man kann sich austoben und durch den Fantasy-Charakter auch verrückte Sachen machen“, sagt sie.

Ihrer Figur hat sie Katzenohren gemalt. Und die bunte Figur ist sehr gut gelungen. Sie könnte direkt aus einem Comic stammen. Erst hat sie eine Art Puppe gezeichnet, dann die typischen Manga-Charakteristika entworfen: Die Augen wurden noch größer und runder, die Figur bekam die Ohren und ein spitzeres Kinn. Die acht anderen Teilnehmerinnen sind sich einig: Auch wenn alle Werke toll wurden, die von Toni sind herausragend.

„Aber sie malt ja nicht zum ersten Mal“, sagt Colin Schwanengel. Sie gibt seit rund zehn Jahren in den Schulferien dreitägige Manga-Workshops im Mädchenzentrum Mafalda im Nordend. Sie vermittelt theoretische Grundlagen etwa wie man Proportionen misst, wie man Emotionen ins Gesicht zaubert und welche speziellen Dinge Mangas ausmachen – etwa die typischen großen Augen. „Ich bin in der Generation Sailor Moon aufgewachsen“, sagt Schwanengel, die auch an der Manga-Schule Offenbach unterrichtet, „die Begeisterung hat einfach angehalten.“

Superheldinnen und Bösewichte mit XXL-Augen

Diese Begeisterung gibt sie nun an Mädchen zwischen elf und 15 weiter. Darunter ist Jule Göbel. Die Elfjährige hat eine Superheldin und einen Bösewicht entworfen. Letzterer hat eine Giftschleuder mit grünem Schleim. „Das Schwierigste waren für mich die Hände und Füße“, sagt sie. „Es war schwierig, da die Proportionen richtig hinzukriegen.“

Für die Initiatoren geht es indes um mehr als nur das Zeichnen. Mafalda stellt sich den Teilnehmerinnen als Anlaufstelle vor – zum Abhängen, Reden, Mittagessen. „Künstlerisch seid ihr eurem Alter ohnehin voraus“, sagt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), als die Schülerinnen gestern Eltern und Besuchern ihre Werke zeigten. „Ihr habt die Gesichtszüge und Emotionen so exakt gemalt, das erfordert eine gute Beobachtungsgabe“, sagt sie. Dadurch lerne man, in Gesichtern zu lesen. Die Mädchen, so Birkenfeld, könnten so Gefahren besser erkennen und Vertrauen schöpfen. „Das stärkt das Selbstbewusstsein“, so die Politikerin.

Der Workshop ist Teil des Ferienkarussells. Das Jugend- und Sozialamt organisiert mit zahlreichen Frankfurter Einrichtungen in allen Schulferien ein Programm für Kinder: Workshops, Ferienfreizeiten, Tagesausflüge, Bildungswochen. Platz ist für rund 2000 Kinder. Doch das Programm ist begehrt: Bereits Anfang Februar ist die Anmeldefrist für alle Angebote im laufenden Jahr. Interessierte Kinder können sich also erst wieder zum Jahr 2019 bewerben.

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