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Kältewelle in Frankurt Überleben in der Kälte

Trotz der Eiseskälte bleiben Obdachlose in Frankfurt auf der Straße. Aus Unwissen, weil sie keine Wettervorhersagen hören, aber auch weil sie die Nähe anderer Menschen nicht ertragen.

Obdachlose in Frankfurt
Es ist kalt in Frankfurt. Hier liegt ein wohnsitzloser Mann auf einem Lüftungsschacht des Hilton-Hotels an der Bockenheimer Anlage. Foto: Christoph Boeckheler

Hier unten ist es ein kleines bisschen besser: Haltestelle Hauptwache, Dienstagmorgen, Minus acht Grad Außentemperatur. Kalt ist es trotzdem in der B-Ebene. Die Kältewelle hat Frankfurt erreicht, für viele Wohnungslose sind die paar Grad Unterschied entscheidend. Bis sechs Uhr können sie dort, wo Pendler täglich die Bahn wechseln, versuchen etwas zu schlafen. Am Morgen müssen sie dann wieder den Platz für den Verkehr räumen.

Es ist schon nach 6 Uhr, Jens hat sein Nachtquartier verlassen und steht rauchend an der Treppe Richtung St.-Katharinen-Kirche. Viel Gepäck hat er dabei, an seinem Rucksack hängen eine Isomatte und ein Schlafsack. Seit zwei Jahren lebt er auf der Straße, sagt er. „Draußen zu schlafen ist momentan keine Möglichkeit.“ Trotzdem sei ihm auch auf der B-Ebene der Haltestelle kalt.

Warum er nicht versucht, in einer Notschlafstelle unterzukommen? „Dort wurde ich mal beklaut, deshalb gehe ich da nicht mehr hin.“ Zudem sei der Andrang dort momentan sehr hoch. Außer im Winter sei er ohnehin nicht an der Hauptwache. „Sonst habe ich einen festen und überdachten Ort bei einem Spielplatz“, sagt der 43-Jährige. Dort müsse er dann gegen neun Uhr weg sein, bevor die Kinder kommen. Wo der Platz ist, soll jedoch ein Geheimnis bleiben.

Wohnungslosen, die sich am Morgen aufwärmen wollen und aufwärmen müssen, bietet seit kurzem das Wintercafé direkt an der Station Hauptwache Unterkunft. Hier erhalten sie ein Frühstück und Kaffee. Am Dienstagmorgen herrscht reger Betrieb: An Tischen sitzen Gruppen und unterhalten sich, an anderen Plätzen legt jemand seinen Kopf auf den Tisch und holt noch etwas Schlaf nach. Zwischendrin wuseln Mitarbeiter des Wintercafés umher, räumen Teller ab und unterhalten sich. 156 Gäste zählt am Dienstagmorgen der Träger des Cafés, der Frankfurter Verein für soziale Heimstätten.

Auch Rainer hat einen Kaffee vor sich stehen. Er ist seit einem halben Jahr wohnungslos, erzählt er – obwohl er eine Rente bekomme. Die Nacht hat er in der B-Ebene verbracht. Er berichtet von Problemen mit Behörden, einer Ehescheidung und einer Depression, die ihn in diese Lage gebracht hätten. Herauszukommen sei wegen Vermietern und den angestauten Schulden sehr schwierig. Er kramt den Flyer eines Gummibärchen-Geschäfts aus seiner Jacke heraus. Wenn er sich mal etwas gönnen möchte, wenn er mal etwas gute Stimmung braucht, dann holt er sich dort etwas. Ab und an, sagt er, schläft er eine Nacht im Hostel. „Dann kann ich warm duschen und mich pflegen.“

134 Wohnungslose in der Hauptwache

Die Schlafmöglichkeit in der B-Ebene der Hauptwache und das Wintercafé werden vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten organisiert. Laut dem Träger haben in der Haltestelle in der Nacht von Montag auf Dienstag 134 Personen geschlafen. Eine weitere Einrichtung des Vereins, der Kältebus, hat zusätzlich in derselben Nacht noch 78 weitere Personen versorgt, die nicht in der B-Ebene schliefen. „Das Aufkommen ist momentan bei diesem Wetter sehr hoch“, sagt Johannes Heuser, Koordinator der Kältehilfe des Vereins. Dass Menschen auch bei diesen Temperaturen draußen bleiben, habe teilweise auch psychologische Gründe, erklärt er. „Wir kennen auch Einzelgänger, die nicht in die Einrichtungen gehen wollen“, sagt Heuser.

Einige würden auch überrascht: „Die bekommen nicht mit, dass eine solche Kältewelle ansteht.“ Gerade deshalb sei es sehr wichtig, dass sich Frankfurter beim Kältebus melden, wenn sie Wohnungslose draußen liegen sehen. „Unser Verein hat sich auf solche Temperaturen vorbereitet“, sagt Heuser. Mit dem Kältebus sind sie schon seit Anfang Oktober unterwegs, verteilt haben sie Schlafsäcke, die bis minus 21 Grad warm halten sollen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Obdachlos in Rhein-Main

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