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Jutta Ditfurth Jutta Ditfurths Mitteilung über den Adel

Jutta Ditfurth stellt ihr neues Buch „Der Baron, die Juden und die Nazis“ vor. Die ehemalige Adelige, die ihren Titel in jungen Jahren ablegte, geht dabei auch auf ihren Urgroßonkel Börries von Münchhausen ein, der in den 20er Jahren zum Rasse-Ideologen avancierte.

Jutta Ditfurth befasst sich in einem neuen Buch mit der antisemitischen Tradition des deutschen Adels. Foto: dapd

Eingangs bekennt sie sich zu ihrer Nervosität. Jutta Ditfurth hat oft darüber geklagt, dass sie gerade in ihrer Heimatstadt Frankfurt boykottiert und geschnitten werde – und ihre Bücher in den zurückliegenden Jahren deshalb eher in Berlin präsentiert. Doch diesmal stellt die 62-Jährige ihr neues Werk „Der Baron, die Juden und die Nazis“ an der Frankfurter Universität vor – auf Einladung des Fritz Bauer-Instituts. Direktor Raphael Gross, auch Chef des Jüdischen Museums, moderiert. Und siehe da: 150 Menschen drängen sich im Saal, ein US-Fernsehsender befragt das Publikum nach dem „Phänomen Ditfurth“ – bekommt freilich nur zu hören, dass die Publizistin, Soziologin und politische Aktivistin „eine tolle Frau“ sei.

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Natürlich ist „Der Baron...“ auch wieder eine gezielte Nestbeschmutzung: Es geht um die antisemitische Tradition des deutschen Adels. Und da nun hat Jutta Gerta Armgard von Ditfurth, die ihren Adelstitel in jungen Jahren ablegte, Anschauungsmaterial in der eigenen weitläufigen Verwandtschaft genug gefunden. Gleichsam der rote Faden ihrer kritischen Mitteilungen über den Adel ist denn auch ihr Urgroßonkel Börries von Münchhausen. In den 20er Jahren avancierte er zum Rasse-Ideologen, der in seinen Schriften für „Menschenzüchtung“ als „Sinn und Wert“ des Adels plädierte und gegen Juden polemisierte. Aber Ditfurth geht es keineswegs um eine Abrechnung mit der eigenen Familie – die bleibt eher im Hintergrund. Nein, sie erzählt von der Tradition des Antisemitismus im Adel überhaupt – von den Helden der Romantik im 19. Jahrhundert bis hin zu den Protagonisten des militärischen Widerstands gegen das NS-Terrorregime.

Antisemitismus der Hitler-Attentäter

Mit vielen Quellen und Zitaten belegt sie den Bogen, der sich da spannt. Wenn etwa ein Achim von Arnim 1811 die „Deutsche Tischgesellschaft“ gründet, die nur christlichen Männern vorbehalten ist, und über den „Judenschmutz“ hetzt, der an der Rattenplage in Frankfurt schuld sein soll. Arnim schlägt „hinlängliche Versuche“ an Juden vor, denen „die Haut abgezogen“ werden solle. Und nimmt damit verbal die medizinischen Experimente vorweg, die in den NS-Konzentrationslagern später verwirklicht wurden.

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Ditfurth setzt sich am Ende ihres Buches mit dem Antisemitismus der adligen Hitler-Attentäter auseinander. Claus Schenk Graf von Stauffenberg schreibt 1939 an seine Frau aus dem besetzten Polen: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt.“

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