Lade Inhalte...

Jutta Ditfurth "Abs war Chefbankier der Nazis"

Jutta Ditfurth überklebt im Römer den Namen des Frankfurter Ehrenbürgers Hermann Josef Abs und sorgt für einen Eklat. Sie fordert, dass dem früheren Chef der Deutschen Bank die Ehrenbürgerwürde aberkannt wird, da er in Nazi-Verbrechen verstrickt gewesen sei.

Jutta Ditfurth fordert, Hermann Josef Abs die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen. Foto: Michael Schick

Jutta Ditfurth überklebt im Römer den Namen des Frankfurter Ehrenbürgers Hermann Josef Abs und sorgt für einen Eklat. Sie fordert, dass dem früheren Chef der Deutschen Bank die Ehrenbürgerwürde aberkannt wird, da er in Nazi-Verbrechen verstrickt gewesen sei.

Jutta Ditfurth, einzige Vertreterin der Ökolinx-Fraktion im Römer, hat am Donnerstagabend im Plenum für Aufruhr gesorgt, als sie den Namen von Hermann Josef Abs auf der Tafel der Frankfurter Ehrenbürger überklebte. Abs sei als Vorstandsmitglied der Deutschen Bank mitverantwortlich gewesen für Krieg, Mord und Versklavung in der NS-Zeit, erklärte sie.

Frau Ditfurth, ist die Aktion so gelaufen wie von Ihnen geplant?

Das war eine spontane Aktion, die sich aus der Enthüllung der Gedenktafel an den Auschwitz-Prozess ergab. Raphael Gross, der Direktor des Fritz-Bauer-Instituts, hielt eine kluge Rede, und da wurde mir klar, dass es einfach nicht geht: Die Stadt kann nicht im Plenarsaal an Fritz Bauer erinnern, und gleichzeitig ist Hermann Josef Abs, der Chefbankier der Nazis, immer noch Ehrenbürger Frankfurts. Auf dieser Ehrenbürgertafel steht auch Max Horkheimer, der seit langem die Nähe von Abs ertragen muss. Das ist nicht auszuhalten. Deshalb habe ich die Tafel korrigiert und den Namen von Abs überklebt. Hammer und Meißel hatte ich gerade nicht dabei. Das Klebeband hatte den Vorteil, dass ich noch etwas auf den Streifen schreiben konnte.

Was stand darauf?

Der Text lautete: „Abs war Chefbankier der Nazis und mitverantwortlich für Krieg, KZ, Massenmord, Raub und Versklavung. Max Horkheimer und Fritz Bauer sollen durch die Nähe zu seinem Namen nicht beleidigt werden.“

Hatten Sie damit gerechnet, aus dem Plenarsaal verwiesen zu werden?

Ich hatte mit allem gerechnet. Mehrere CDU-Stadtverordnete haben ja meinen Rausschmiss auch gefordert. Aber die Reaktion der Stadtverordnetenvorsteherin Bernadette Weyland war sehr fair. Ich durfte eine persönliche Erklärung zu der Aktion abgeben.

Wie ging der Abend dann für Sie weiter?

Nach meiner Erklärung hat ein Mitarbeiter des Büros der Stadtverordnetenversammlung den Klebstreifen entfernt. Das habe ich hingenommen. Ich bin dann später in der Cafeteria von einigen Stadtverordneten angesprochen worden. Die wollten von mir wissen, wer Abs war und was ich an ihm auszusetzen habe.

Hat Sie das überrascht?

Ja, aber es ist ja besser, dass sie fragen. Dass viele Stadtverordnete keine Ahnung haben, wer Abs war, erschüttert mich schon. Dieser Mann saß im Aufsichtsrat des Kriegsverbrecherkonzerns IG Farben, die mit Auschwitz III ein eigenes Konzentrationslager unterhielten. Abs machte nach dem Krieg eine neue Karriere und war bis zum seinem Tod 1994 der mächtigste Mann in Frankfurt, von dessen Gunst sich viele Politiker abhängig machten. Wer in der Stadt etwas werden wollte, tanzte bei ihm in der Villa an. Ekelhaft.

Wieso haben Sie Ihre Aktion eigentlich nicht gestartet, während die Gedenktafel für den Auschwitz-Prozess enthüllt wurde? Das hätte Ihnen doch ungleich mehr Aufmerksamkeit eingebracht.

Ich wollte die Enthüllung auf keinen Fall stören. Raphael Gross hat eine Rede gehalten, wie ich sie im Römer sonst sehr vermisse. Während dieser Rede wäre meine Aktion vollkommen unangebracht gewesen. Ich habe deshalb gewartet, bis die normale Sitzung begann.

Ist das Thema jetzt für Sie erledigt?

Keineswegs. Ich habe schon vor vielen Jahren einen Antrag gestellt, Abs die Ehrenbürgerwürde abzuerkennen. Der wurde leider abgelehnt. Trotzdem werde ich ihn jetzt noch mal stellen.

Und wenn der Antrag wieder abgelehnt wird?

Dann werde ich mir etwas ausdenken müssen, wie der Name Abs von dieser Tafel verschwindet.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum