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Jusos in Frankfurt Jusos kämpfen für eine Erneuerung der SPD

Die Frankfurter Jusos kämpfen gegen eine große Koalition in Berlin. Ihr-Sprecher Lino Leudesdorff attackiert im FR-Interview die Bundes-SPD-Spitze. Die Partei solle sich für Hartz IV entschuldigen.

Frankfurt
Lino Leudesdorff von den Jusos. Foto: Peter Jülich

Die SPD ringt um ihren Kurs: doch noch Teil der Bundesregierung oder Opposition? Die Frankfurter Jusos haben die Initiative „SPD erneuern“ mit ins Leben gerufen, die gegen eine große Koalition kämpft. Die FR sprach mit dem Juso-Sprecher.

Herr Leudesdorff, Sie sind 30 Jahre alt. Seit Wochen wird in Berlin über die Zukunft Ihrer Generation von Leuten verhandelt, die doppelt so alt sind wie Sie. Was empfinden Sie dabei?
Es sind nicht nur junge Leute, die fehlen im Bundestag. Es sind so wenige Frauen wie lange nicht mehr. Es gibt kaum Migranten. Das gilt auch für die SPD. Das, was wir selbst fordern, dass wir die Gesellschaft besser abbilden, das klappt bei den Listenaufstellungen offensichtlich nicht. Bei der Besetzung der Spitzenpositionen in der SPD ist es noch schlimmer. Eigentlich ist nur der rechte Parteiflügel wirklich repräsentiert. Es gibt einen Bruch zwischen der Basis und der Parteiführung, aber auch zwischen der Parteispitze und der Jugend, die ja ein Interesse daran hat, dass die SPD in 20 Jahren noch existiert.

Fahren Sie zum Bundesparteitag am 7. Dezember in Berlin?
Ich werde hinfahren, ich bin aber nicht Delegierter, darf also nicht abstimmen. Ich werde aber als stellvertretender Vorsitzender der Parteigliederung Demokratische Linke 21 dort Gespräche führen und für unser Ziel, die Erneuerung der SPD, werben. Das machen etliche junge Leute. Leider ist es so: Man kann zwar auf der Bundesebene kritische Anträge stellen. Die werden dann aber im Vorfeld des Parteitages von der Antragsprüfungskommission abgeräumt. Es finden Pseudo-Debatten statt. Die Personalentscheidungen sind im Vorfeld bereits ausgekungelt worden. Martin Schulz hat uns mit dem Vorschlag überrascht, den Vorsitzenden von der Basis wählen zu lassen. Aber der gesamte Parteivorstand ist dagegen. Da hat man das Gefühl: Es ist ähnlich wie wenn man mit Metzgern über Veganismus redet.

Aber das ist ja ein dramatischer Befund. Wie gelingt es überhaupt noch, junge Leute für die SPD zu gewinnen?
Es ist nicht leicht. Hier in Frankfurt sind sehr viele junge Leute in die Partei eingetreten. Ich bin seit drei Jahren Juso-Sprecher in Frankfurt. In dieser Zeit sind wir von knapp 500 auf rund 900 Mitglieder im Juso-Alter angestiegen. Auch ohne den Schulz-Hype haben wir enorm viele junge Mitglieder bekommen. Wir haben das Glück, dass in Frankfurt die Parteispitze uns gegenüber aufgeschlossen ist. Unsere Anträge werden auf Parteitagen auch angenommen, der Parteivorsitzende Mike Josef und Oberbürgermeister Peter Feldmann sind für uns sehr gut ansprechbar. Was die Bundesebene angeht, sind wir sehr frustriert. Da muss ich die Mitglieder zum Teil davon abhalten, wieder auszutreten.

Was sind das für junge Leute, die in Frankfurt eingetreten sind?
Viele wollen sich gegen den Rechtsruck stemmen, etwas gegen Rechts unternehmen. Viele sagen, ich war schon immer politisch engagiert, aber jetzt möchte ich, dass sich etwas ändert. Die sehen: Die Gesellschaft entwickelt sich in die falsche Richtung, gespalten zwischen Arm und Reich.

Jetzt geht es also um die Macht auf Bundesebene. Es scheint so zu sein, dass die SPD-Spitze sich doch wieder in Richtung Macht orientiert. Wie kommt das bei Ihnen an?
Nicht so gut. Man hört jetzt viel vom rechten Seeheimer Kreis, von Johannes Kahrs und anderen. Die waren immer für eine Fortsetzung der großen Koalition, mussten aber kurz nach der Wahl erst mal andere Statements abgeben. Aber tatsächlich ist eine große Koalition weder von der Führungsspitze noch von der Basis gewünscht. Wir müssten vor der Aufnahme von Gesprächen deshalb unbedingt die Basis fragen...

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