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Jugendring „Kinder haben ein Mitspracherecht“

Vanessa Lehr will als neue Jugendringsvorsitzende Minderjährigen eine Stimme geben. Ein Gespräch über Kinderarmut und das Modelabel „armTM“.

Bibliotheksumzug
Vanessa Lehr ist Social-Media-Managerin und engagiert sich nebenbei für den Jugendring. Foto: Rolf Oeser

Der Frankfurter Jugendring hat gerade seinen Vorstand neu gewählt. Als neue Vorsitzende setzt sich nun Vanessa Lehr ehrenamtlich für die Belange von Kindern und Jugendlichen in der Stadt ein. Die 31-jährige Social-Media-Managerin ist auch im Bund Deutscher Pfadfinder*innen aktiv. Sie löst die bisherige Vorsitzende Rebekka Rammé ab.

Frau Lehr, der Frankfurter Jugendring will die Interessen der Kinder und Jugendlichen in der Stadt vertreten. Sie sind Anfang 30 – sind Sie an Ihrer Zielgruppe noch nah genug dran?
Natürlich sind wir als Erwachsene weit weg von der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen und können uns nur schwer in ihre Bedürfnisse hineinversetzen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns für Strukturen stark machen, die ermöglichen, dass Kinder und Jugendliche mehr beteiligt werden. Beispielsweise an Stadtplanungsprozessen. Denn das ist auch ihre Stadt, in der sie aufwachsen, und sie haben ein Mitspracherecht, wenn etwa Grünflächen für Bauprojekte weichen sollen. 

Was ist Ihre persönliche Motivation, sich gerade für Kinder und Jugendliche zu engagieren?
Ich bin schon immer ehrenamtlich aktiv gewesen, beispielsweise bei Radio X in der Programmkommission. Die Verbandsarbeit im FJR-Vorstand finde ich wichtig, weil Kinder und Jugendliche in der Stadt sonst keine Lobby haben. Es ist wichtig, ihnen eine Stimme zu geben. Denn viele Probleme in Frankfurt könnten besser bekämpft werden, wenn man sich mehr auf die nächste Generation konzentrieren würde. 

Viele Kinder und Jugendliche in Frankfurt leben in prekären Verhältnissen. Der Jugendring hat vergangenes Jahr eine Kampagne gegen Kinder- und Jugendarmut gestartet. Wie viel können Sie als Ehrenamtliche an einem so großen Problem ändern?
Armut der Kinder ist natürlich immer auch eine Armut der Eltern, weshalb etwa eine faire Bezahlung wichtig ist. Aber das liegt außerhalb unseres Wirkungskreises als Jugendring. Das Problem ist groß und multidimensional, wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir verändern können. Mit unserem Modelabel „armTM“ setzen wir seit vergangenem Jahr Armut ins Zentrum eines T-Shirts – das ist etwas, was arme Menschen sonst nicht tun. Sie versuchen alles, um nicht als arm erkennbar zu sein, weil das als Makel gilt und unsere Gesellschaft die Sichtweise unterstützt, der Mensch sei selbst schuld an seiner Armut. Dabei können gerade in einer Stadt wie Frankfurt mit ihren hohen Mieten auch Menschen mit Einkommen leicht unter die Armutsgrenze fallen. 

Wollen Sie mit dem Label den Makel also positiv umdeuten?
Ja, es geht um Würde, es geht aber auch darum, zu polarisieren. Wir wollen Diskussionen initiieren und das Thema präsent machen. Denn dadurch, dass arme Menschen sich selbst nicht in den Vordergrund stellen, fällt das Thema häufig unter den Tisch.
Was möchten Sie als Vorsitzende sonst noch angehen?
Momentan beginnen wir die Zusammenarbeit mit verschiedenen Moscheen und möchten dort Jugendverbandsarbeit nach den Prinzipien der Jugendverbandsarbeit etablieren. 

Was sind das für Prinzipien?
Zum Beispiel, dass die Sektion der Jugendarbeit vom Erwachsenenverband getrennt ist, dass es da eine Autonomie gibt. Mitbestimmung, Lebensweltbezug und die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen sind andere Themen. Wir sind da schon mit einigen Gemeinden im Gespräch.

Ohnehin vereinen Sie unter dem Dach des FJR ganz unterschiedliche Gruppen – seien es gewerkschaftliche, kirchliche oder migrantische. Wie funktioniert die Zusammenarbeit intern?
Wir alle wollen das Beste für unseren Verband und vor allem für die Kinder und Jugendlichen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht kontrovers diskutieren. Was uns viel beschäftigt ist, dass es immer mehr Kinder in Frankfurt gibt, aber das Geld für die Verbandsarbeit nicht im gleichen Maße steigt. Manchmal gibt es auch inhaltliche Differenzen, aber damit kommen wir als Jugendring klar und Diskussion gehört dazu.

Sie vertreten die Interessen all dieser Verbände auch nach außen. Welche Forderungen richten Sie an die Stadtpolitik?
Wir sind glücklicherweise in gutem Kontakt mit den Ämtern und Parteien. Aber natürlich sehen wir ganz viel, was noch gemacht werden muss. Was Kinder- und Jugendarmut angeht, sehen wir eine städtische Verantwortung, da mehr gegen zu tun. Und natürlich braucht es mehr Geld für offene Kinder- und Jugendarbeit, für unsere Verbände und für Projekte von Jugendlichen.

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