Lade Inhalte...

Jugendgangs in Frankfurt Ein Toter als Wendepunkt

Jugendgangs sind für die Frankfurter Polizei heute kein Thema mehr.

Turkish Power Boys
Kerem (links) und Dönmez zu Zeiten der Turkish Power Boys in den 90er Jahren. Foto: jip film

Jugendgangs in Frankfurt? Heute? Bei der Polizei winkt man ab. Die klassische Bandenkriminalität oder auch die Auseinandersetzung zwischen Gruppen aus verschiedenen Stadtteilen spielten in der täglichen Arbeit der Ermittler keine Rolle mehr, sagt Behördensprecher André Sturmeit im Gespräch mit der FR.

Dabei kann sich Sturmeit noch gut erinnern, wie es in den 80er und 90er Jahren in Frankfurt zuging. Gangs wie die Turkish Power Boys führten sich auf, als gehöre ihnen die Stadt. An der Hauptwache oder der Konstablerwache rippten die Mitglieder regelmäßig Jacken und Baseballkappen von Gleichaltrigen ab oder verprügelten Jugendliche. Mitunter ohne jeden Grund. Zudem gab es Rivalitäten zwischen einzelnen Stadtteilgangs. So verband Rödelheimer und Ginnheimer eine Feindschaft, regelmäßig traf man sich etwa in der Rosa-Luxemburg-Straße zu wüsten Schlägereien.

Und dann gab es noch die Ahornstraße in Griesheim. Ende der 80er und Anfang der 90er hieß es, kein Taxifahrer und noch nicht einmal die Müllabfuhr trauten sich in die Straße. Das stimmte zwar schon damals nicht, aber bis heute hat die Straße im Frankfurter Westen einen schlechten Ruf. Zu Unrecht, das Viertel ist sogar recht bürgerlich. In den 90er Jahren aber eskalierte die Gewalt. Die Auseinandersetzungen zwischen den Banden wurden immer brutaler geführt. Bis 1993 ein 19-Jähriger bei einem Schusswechsel getötet wurde.

Jugendliche auf Rückzug

Der Tote in der Ahornstraße war ein Wendepunkt im Umgang mit Jugendkriminalität in Frankfurt. Die Polizei ging entschlossen gegen die Banden vor. Zudem zogen sich viele Jugendliche zurück. Jacken zu klauen, das war die eine Sache. Mit Mord und Totschlag aber wollten sie nichts zu tun haben.

Zuletzt trat eine Jugendgang in Frankfurt vor etwa zehn Jahren in Erscheinung. Eine Gruppe aus dem Ben-Gurion-Ring sorgte seinerzeit für Schlagzeilen. Die Bande sei aber nicht vergleichbar mit beispielsweise Turkish Power gewesen, sagt Sturmeit. Feste Strukturen und Hierarchien, wie sie in den Gangs der 80er und 90er Jahre vorhanden waren, habe man bei den Jugendlichen vom Ring nicht festgestellt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen