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Jugendfilmfestival „Lucas“ in Frankfurt Über 60 Beiträge aus 32 Ländern

Beim Jugendfilmfestival „Lucas“ des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums in Frankfurt werden über 60 Filme aus 32 Ländern gezeigt.

Ejnak
„Ejnak“ (Die Brille, Iran). Foto: DIF

Woran erkennt man einen guten Film? „Daran, ob er mich bewegt“, sagt Paul, „und ob ich später noch über den Film nachdenke.“ – „Er muss mich packen“, sagt Elisabeth, „durch die Kameraführung, die Farbgebung oder durch die Geschichte, das ist eigentlich das Wichtigste.“ – „Ob die Geschichte gut rübergebracht wird“, sagt Constanze, „und ob man es den Schauspielern abkauft, darauf kommt es an.“

Die drei Fachleute, die da ihre Einschätzung abgeben, sind Jury-Mitglieder, 14, 15 und zwölf Jahre jung – und genau darum geht es ja bei Lucas, dem internationalen Festival für junge Leute: dass sie etwas haben von den Filmen, die eine Woche lang gezeigt werden. Aber auch: dass sie „Film Lovers“ werden, wie es Ellen Harrington ausdrückt, die Direktorin des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums, zum 41. Mal Schauplatz des ältesten deutschen Kinderfilmfestivals.

Pardon – Kinderfilmfestival ist es ja explizit nicht mehr. Lucas ist „erwachsener geworden“, sagt Festivalleiterin Julia Fleißig, jedes Jahr ein bisschen mehr. Diesmal lässt sich das besonders gut erkennen an der neugeschaffenen „Sektion 16+ Youngsters“, die sich erstmals an junge Erwachsene wendet, auch wenn Lucas schon in den Vorjahren offiziell junge Leute „von vier bis 18+“ ansprach. Fleißig: „Gute Filme sind gute Filme, egal wie alt man ist.“

Diesmal geht die Veränderung durchaus tiefer, das zeigt die Trailer-Show beim Pressetermin. Da gibt es wie üblich Vorschauen auf großartige Filme in den Sektionen 8+ und 13+, atmosphärisch dicht, die „sofort Lust machen, den ganzen Film zu sehen“, sagt Christine Kopf, zuständig für Filmbildung und –vermittlung; viele im Kino nicken. Da können Kinder plötzlich zaubern, es geht um Liebe, Angst, auch um Krankheit. Schon hier wird klar, dass das Leben nicht immer ein bunter Teller ist.

Aber als die Trailer 16+ laufen und die jüngeren Jurykinder den Saal verlassen müssen, wird der Unterschied deutlich. Nacktheit und Waffen sind da plötzlich zu sehen, Homosexualität und Gewalt, Themen also aus dem echten Leben – Themen, denen Kinder normalerweise nicht so früh nahe kommen. Kino bildet das ab. Für 16-plus-Jährige auch durchaus deutlich. „Die Filme setzen sich intensiv mit sozialen und politischen Fragen auseinander“, sagt Elena Lindenzweig von der Fördergesellschaft Hessenfilm.

Von überall erzählen die 60 Filme, die Lucas in diesem Jahr zeigt. „Das Lucas-Team sucht ein ganzes Jahr lang auf der ganzen Welt“, sagt Christine Kopf. Was dabei herauskommt, lobt der Schirmherr, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), in höchsten Tönen. „Eine wunderbare Frankfurter Tradition“ nennt er Lucas und hebt die Möglichkeit für junge Leute hervor, sich zu beteiligen: „Deshalb bin ich auch hier: weil ich Projekte, die partizipativ sind, sehr schätze.“ Und nicht zuletzt interessiere er sich auch als Vater dafür, „was es an Filmen gibt, das sich ein bisschen von Kika und Toggo abhebt“.

Da gibt es jede Menge im Lucas-Filmtableau, vor allem aber im Begleitprogramm. Ein Familientag am Sonntag, 23. September, lockt alle bei freiem Eintritt ins Museum. Dafür hat das Filminstitut eigens den gewohnten Festivalzeitraum verändert: Erstmals dauert Lucas von Donnerstag bis Donnerstag, 20. bis 27. September. Professionell orientierte Besucher kommen an einem Fachtag unter dem Titel „Filmbildung digital? Nationale und europäische Bildungspolitik in der Praxis“ am Freitag, 21. September, zusammen (Anmeldung bis 15. September). Es geht um den „Digitalpakt“, mit dem Bund und Länder die technische Ausstattung der Schulen verbessern wollen. „Wir haben eine Leerstelle in der Lehrerausbildung, wenn es um Medien geht“, sagt Christine Kopf. Auch da will Lucas ansetzen. Zum Festival werden wieder Schauspieler und Filmemacher kommen, um mit dem Publikum über ihre Arbeiten zu diskutieren, sogar aus Afrika und Asien. Da laufen noch Verhandlungen über die nötigen Visa.

Was sollte man noch wissen? „Muss ein Film spannend sein?“, fragt OB Feldmann die jungen Jurymitglieder. „Er darf halt nicht die ganze Zeit langweilig sein“, sagt die zwölfjährige Constanze, „aber es ist o.k., wenn er mal ein paar langweilige Szenen hat.“ Bei Lucas sind die eher selten.

Karten gibt es noch für fast alle Vorstellungen. Frühbucherrabatt erhalten Besucher bis 20 Jahre noch bis zum 14. September, danach zahlen sie 3,50 Euro, Erwachsene sieben Euro.
Alle weiteren Informationen unter lucas-filmfestival.de.

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