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Jüdisches Museum Raphael Gross verlässt Frankfurt

Als Chef des Fritz-Bauer-Instituts und Leiter des jüdischen Museums hat Raphael Gross in der Stadt wichtige Impulse gesetzt. Jetzt geht er als Professor nach Leipzig.

Raphael Gross bei Verleihung des Ignatz-Bubis-Preises 2013 in der Paulskirche. Foto: Renate Hoyer

Der jüdische Intellektuelle Raphael Gross gibt die Leitung des Jüdischen Museums und des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt sowie des Leo-Baeck-Instituts in London ab und wechselt an die Universität Leipzig. Als Nachfolger des Historikers Dan Diner übernimmt Gross ab 1. April den Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur sowie die Leitung des renommieren Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur. Für Gross ist es ein Karrieresprung, für Frankfurt ein großer Verlust. Ein Nachfolger ist noch nicht benannt.

Mit Ausstellungen zu „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt“, „Die Frankfurter Schule und Frankfurt. Eine Rückkehr“ oder „Raub und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute“ hat Gross das geistige Leben in Frankfurt geprägt. Das Fritz-Bauer-Institut, das die Geschichte des Holocaust und dessen Wirkung erforscht, hat Gross zu internationalem Ruhm geführt. „Sein Ausscheiden ist ein herber Verlust“, sagte Jutta Ebeling (Grüne), die frühere Bürgermeisterin und Stiftungsratsvorsitzende des Instituts. „Raphael Gross hat mit großartigen Ausstellungen das Bewusstsein für die jüdische Kultur- und Geistesgeschichte und deren unschätzbaren Beitrag zur europäischen Kultur geschärft“, sagte auch Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU). Gross habe Verbindungen für die Zukunft gestiftet.

Gross selbst blickt in seiner Erklärung nach vorne. „Die bestehenden Schwerpunkte des Simon-Dubnow-Instituts möchte ich beibehalten und fortentwickeln“, teilte er mit. Dabei wolle er neue Akzente setzen, die jüdische intellektuelle Geschichte, visuelle Kultur und Geschichte der jüdischen Juristen betonen. Künftig sollen das Simon-Dubnow-Institut und das Jüdische Museum eng zusammenarbeiten.

Wichtige Umbauten

Bis seine Nachfolge in Frankfurt geregelt ist, will Gross für den Übergang von einem Jahr in der Stadt aktiv bleiben. Bis zum 30. April 2016 leitet er das Jüdische Museum in Frankfurt weiter.

Das Haus befindet sich derzeit in einer entscheidenden Umbruchphase. Das Museum Judengasse am Börneplatz wird umgebaut. Es bekommt eine größere Ausstellungsfläche für die neue Dauerausstellung zur Geschichte und Kultur in Frankfurt vom Mittelalter bis 1800. Im Juli soll der Umbau abgeschlossen sein. Der Haupteingang wird von der Kurt-Schumacher-Straße an die Battonnstraße verlegt. Der Jüdische Friedhof und die Gedenkstätte Neuer Börneplatz, die an die Ermordung der Frankfurter Juden in der Zeit des Nationalsozialismus erinnert, soll dadurch stärker zur Geltung kommen.

Danach beginnen die Arbeiten im Jüdischen Museum, Schaumainkai 14/15. Ab Sommer 2015 bis Ende 2017 wird es erweitert. Ab 2018 soll eine neue Dauerausstellung die Geschichte und Kultur der Frankfurter Juden von 1800 bis heute zeigen. Im neuen Erweiterungsbau hinter dem Rothschild-Palais wird künftig das Familienerbe von Anne Frank im Familie-Frank-Zentrum seinen Platz finden, mit 1000 Objekten, darunter Briefe, Akten, Fotos, Möbel, Gemälde.

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