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Jüdisches Museum Hier Rothschild, da Anne Frank

Die Museumslandschaft wächst. Nach der Städel-Erweiterung geht die Stadt neue Projekte an: Das Jüdische Museum wird vergrößert.

01.03.2012 21:20
Claudia Michels und Claus-Jürgen Göpfert
Das Jüdische Museum im Rothschildpalais am Main sieht alt aus, erfindet sich aber neu. Foto: Jüdisches Museum

Die Museumslandschaft wächst. Nach der Städel-Erweiterung geht die Stadt neue Projekte an: Das Jüdische Museum wird vergrößert.

Der Trubel beim Bürgerfest im Städel ist gerade verklungen, da kündigt Kulturdezernent Felix Semmelroth die nächste große „Bürgersammlung“ an. Das Jüdische Museum, dessen Bestände durch Nachlässe und Schenkungen ständig wachsen, soll hinter seinem Stammhaus Rothschildpalais erweitert werden. Seit 1988 hätten sich auch „die Fragestellungen an die Geschichte tiefgreifend verändert“.

Nachdem 250000 Menschen aus Osteuropa in die deutschen jüdischen Gemeinden eingewandert sind, steht für die Museumsleute jüdisches Leben auf einer neuen Grundlage. In der Darstellung gelte es künftig, „die innerjüdische Perspektive“ einzunehmen. Die Begriffe „Holocaust“ oder „Shoa“ tauchen im Konzept für die neue Dauerausstellung nicht mehr auf. „Die NS-Zeit“ werde „als Epoche dargestellt“.

Und wieder sind es begüterte Bürger, die sich engagieren – auch beim Jüdischen Museum. Allein der Kaufmann Josef Buchmann hat, wie Stadtrat Semmelroth berichtet, eine Spende von drei Millionen Euro fest zugesagt. Der frühere Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) hat als Vorsitzender der „Freunde des Jüdischen Museums“ ein erstes Fundraising gestartet, bei dem auch Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, mit am Abendessentisch saß. Am Ende soll eine sechsstellige Summe zusammengekommen sein.

2,895 Millionen Euro sieht der städtische Haushalt in diesem Jahr für die Planung vor, die zu den Aufgaben der neuen städtischen „Museumsufer Frankfurt GmbH“ gehört. Vorgabe für den Architekten-Wettbewerb ist der Wunsch, mit dem Anbau die Schauseite der Institution vom Main weg und zu der grünen Wallanlage zu wenden – „zur belebten Innenstadt hin“. Im Baufeld liegt heute eine von Bäumen gerahmte Gänseblümchenwiese und der Parkplatz des Museums.

Schon seit Jahren besteht Raumnot im klassizistischen Rothschildpalais; in den Räumen stapeln sich die Archivalien. „200 Meter Schriftgut und mehr als 21000 Fotos“ gehören zu den gesammelten Zeugnissen der „jüdischen Geschichte und Kultur von der Antike bis zur Gegenwart“. Der Neubau soll endlich nach den Regeln der Kunst klimatisierte Ausstellungsräume bieten – und Depot-Stauraum dazu. Auch das Fritz-Bauer-Institut zur Erforschung von Geschichte und Wirkung des Holocaust, das ebenfalls von Museumsdirektor Raphael Gross geleitet wird, kann mit pädagogischer Abteilung und Bibliothek dort einziehen.

Brandschutzmängel im Palais

Im sanierten Altbau dagegen wird die veraltete Dauerausstellung neu eingerichtet. Bauaufsicht und Feuerwehr haben beim Brandschutz im 190 Jahre alten Palais der Rothschilds Mängel gefunden. Das Umbauprogramm sieht aber nur minimale Eingriffe in das Kulturdenkmal vor. Der Reichtum der Familie Rothschild, die aus der hiesigen Judengasse stammte, wird in den historischen Wohnräumen unverändert erkennbar sein. Die zweite jüdische Frankfurter Familie, die man künftig in den Blick rückt, sind die Franks, deren Nachlass Anne Franks Cousin Buddy Elias gerade dem Museum per Vertrag übereignet hat (FR von gestern). Das jüdische Leben im Frankfurt des Mittelalters wird in der Dependance des Museums Judengasse neu inszeniert.

Kulturdezernent Felix Semmelroth, der soeben, als Auflage der sogenannten Haushaltskommission, das Verschieben der Bauarbeiten zur Erweiterung des Museums der Weltkulturen hinnehmen musste, hofft in diesem Fall auf breite Unterstützung der „Bürgersammlung“. Das Projekt Jüdisches Museum genießt in der Kommunalpolitik, aber auch in der Gesellschaft, Rückendeckung – was sich für die Pläne, die Sammlung der „Weltkulturen“ unter dem baumbestandenen Museumspark auszubauen, weniger sagen ließ. Doch auch für dieses Institut hat der Stadtrat kürzlich im Kulturausschuss eine Sympathiekampagne angekündigt.

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