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Jüdische Gemeinde in Frankfurt Zwischen Zuversicht und Zweifel

Juden in Frankfurt fühlen sich zwar mehrheitlich sicher, sie haben aber auch zunehmend Angst. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde, sprechen über Antisemitismus, Neonazis und Flüchtlinge.

Demonstration gegen Antisemitismus im August 2014. Foto: peter-juelich.com

Einen zentralen Gedanken formuliert Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde, ganz am Anfang und ganz am Ende des Abends. Zu Beginn sagt Korn: Als 1986 das neue Gemeindezentrum in Frankfurt eingeweiht worden sei, „schien es uns allen so, als wären die Koffer ausgepackt“. Frankfurt sei auch für ihn endgültig zum Zuhause geworden. Zum Schluss sagt er, Frankfurt sei für Juden „eine multikulturelle Stadt, in der man sich frei bewegen kann, in der man sicher leben kann.“ Doch beide Male schränkt Korn das Gesagte ein: So gebe es Gemeindemitglieder, die es vermieden, offen eine Kippa zu tragen. Und: Jüdische Kinder müssten damit leben, dass ihre Kindergärten und Schulen schwer bewacht würden.

Dieses Schwanken zwischen Sicherheitsgefühl und Angst, zwischen Zuversicht und Zweifel, durchzieht den gesamten von der HR-Journalistin Esther Schapira moderierten Abend. Unter dem Titel „Wie sicher leben Juden in Deutschland und Europa?“ hat das Jüdische Museum in das Casino der Stadtwerke geladen, der Saal ist mit Hunderten Menschen bis auf den letzten Platz gefüllt.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der extra aus Berlin angereist ist, verweist zu Beginn auf eine „gute Nachricht“: Im Vergleich zu 2014 sei die Zahl antisemitischer Straftaten im vergangenen Jahr gesunken, Gewalttaten machten nur einen kleinen Teil davon aus. Dennoch müsse man an den Sicherheitsmaßnahmen für jüdische und israelische Einrichtungen festhalten, so der Minister. Es sei etwa klar, dass sie zum Ziel islamistischen Terrors werden könnten, wie dies beim jüdischen Supermarkt nach dem Anschlag auf „Charlie Hebdo“ in Paris der Fall gewesen sei.

Korn verweist darauf, dass es in den Gemeinden durchaus eine gewisse Unruhe gebe: Vom „rechten Rand der Gesellschaft“ und von einer Mitte, die nach rechts zu kippen drohe, gehe die größte Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland aus. Es sei aber auch ein Problem, dass viele Flüchtlinge aus Syrien kämen, die oft seit ihrer Schulzeit der in arabischen Ländern üblichen antisemitischen Propaganda ausgesetzt gewesen seien und nicht den „aufgeklärten Islam“ mit sich brächten, wie er von den meisten Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland gelebt werde. Es werde zwei bis drei Generationen brauchen, um die Menschen voll zu integrieren.

„Freiheit ist stark“

De Maizière räumt offen ein, dass die Integration der Flüchtlinge eine große Aufgabe darstelle. Wenn die Deutschen selbstbewusst aufträten und auch die Verantwortung für den Holocaust – und das spezielle Verhältnis zu Juden und Israel, das aus ihr erwachse – erklärten, dann könne sie aber gelingen. „Ich habe eine Hoffnung, und ich bin Optimist: Freiheit ist stark“, sagt der Minister. Wenn man das für viele Flüchtlinge attraktive westliche Gesellschaftsmodell offensiv vertrete, sei das „eine sehr starke Integrationsleistung“. Größere Sorgen mache ihm sowieso die wachsende Zahl von Salafisten in Deutschland – oder die teils gewalttätigen Konflikte zwischen türkisch- und kurdischstämmigen Menschen.

Zum Flüchtlingsthema sagt Salomon Korn noch, Juden hätten aufgrund eigener Exilerfahrungen großes Mitgefühl mit allen, die ihre Heimat aufgeben müssten. „Juden und Flucht, das liegt ja historisch gesehen ganz eng zusammen.“ Die Gemeinden engagierten sich nach ihren Möglichkeiten auch stark in der Flüchtlingshilfe: „Mit das Beste, was wir machen können, ist die persönliche Begegnung.“

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