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Juden in Frankfurt Mit Zeitzeugen auf Spurensuche

Die neue Website „Jüdisches Leben in Frankfurt“ regt zum Erinnern und Forschen an. Sie soll Zugänge zu Erlebnissen des Holocaust schaffen. Dazu werden die Schicksale von 28 Familien präsentiert.

Zeitzeugin Renata Harris mit ihrer Mutter.

Als Neunjährige verließ sie Frankfurt mit einem Kindertransport, ihre Mutter wurde deportiert. Heute, über 70 Jahre später, lebt Renata Harris zwar in England.  Dennoch fühle sie sich noch als Frankfurterin, sagt sie in einem Zeitzeugen-Interview.

Ähnliche Einzelschicksale jüdischer Familien gibt jetzt auf einer Website des Vereins „Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt“ nachzulesen.

„Die Homepage schafft Zugänge zu Erlebnissen des Holocaust“, sagte Christoph Stillemunkes, Referatsleiter des Hessischen Kultusministeriums bei der Vorstellung des Portals  im Jüdischen Museum. „Viele Zeitzeugengespräche werden bald nicht mehr möglich sein“, sagte Stillemunkes. Daher sei es „richtig und notwendig“ die Erinnerungskultur durch Medien erfahrbar zu machen.

An den 28 Beispielen einzelner Familien werde ein Mikrokosmos des vielfältigen gesellschaftlichen Lebens aufgezeigt, erklärte die Vereinsvorsitzende Angelika Rieber. In den Biografien würden Zeitzeugen nicht einzig als Opfer von Deportation und Vertreibung, sondern auch als aktive Individuen, als Entscheider sowie als Bürger der Stadt dargestellt. „Die Website wird mit der Zeit immer mehr wachsen“, versprach Rieber. In den kommenden Monaten und Jahren sollen Hunderte weiterer Biografien veröffentlicht werden.

Über die biografische Dokumentation hinaus bietet die Website auch Materialien für den Schulunterricht, etwa Handreichungen, eine Zeitleiste und Tipps und persönliche Hilfestellung bei der „Spurensuche“.

Schulen testen Website

„Es ist die Geschichte der Stadt, die so nicht ohne weiteres wahrgenommen wird“, sagte Kulturdezernent Felix Semmelroth. „Junge Menschen können nun selbst entdecken, wie stark jüdische Familien in Frankfurt verwurzelt waren.“

Die auf der Website vorgestellten Biografien wurden in Zusammenarbeit mit dem „Frankfurter Besucherprogramm für ehemalige Bürger der Stadt“ verschriftlicht. Gäste des städtischen Programms sind Zeitzeugen, die ihre ehemaligen Wohnorte besuchen. Dabei dokumentierte der Verein innerhalb der letzten 30 Jahre hunderte Biografien und Eindrücke der Zeitzeugen, die an verschiedenen Orten in Frankfurt. Seit drei Jahren werden auch Nachkommen von Zeitzeugen eingeladen.

An vier Frankfurter Schulen wurde die Website getestet. Durch die Online-Recherche mit Videos, Tonaufnahmen und Fotos hätten die Schüler deutlich fokussierter mitgearbeitet, berichtet eine Lehrerin.

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