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Juden in Frankfurt Juden fordern mehr Solidarität

Frankfurter Juden sind nach den Anschlägen in Frankreich beunruhigt, aber sie wollen sich nicht einschüchtern lassen. Zu einer Mahnwache für die jüdischen Opfern der Terrorangriffe kommen nur wenige Menschen. Viele Juden finden, dass es mehr Solidarität geben müsste.

15.01.2015 07:50
Martín Steinhagen, Hanning Voigts
„Je suis Juif“: Gedenken an die jüdischen Opfer der Terroranschläge von Paris auf der Zeil. Foto: Christoph Boeckheler

Rund 50 Menschen versammelten sich am Mittwochabend an der Hauptwache, um den jüdischen Opfern der Terroranschlägen in Paris zu gedenken. Unter dem Motto „Je suis Juif“ hatte die Frankfurter Rechtsanwältin Elishewa Patterson-Baysal über Facebook zu der Mahnwache aufgerufen. Rund um die David-und-Goliath-Skulptur auf der Zeil zündeten Teilnehmer Kerzen an, legten Blumen nieder und sangen gemeinsam die israelische Nationalhymne Hatikwah.

„Ich bin ein wenig traurig, dass heute nur so wenige da sind“, sagte Patterson-Baysal, die auch die Kundgebung zur Erinnerung an die Opfer des Anschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo am vergangenen Donnerstag organisiert hatte, zu der rund 500 Menschen gekommen waren. „Um so mehr freue ich mich über alle, die gekommen sind, besonders über die, die selbst nicht jüdisch sind.“

Aus ihrer Sicht werde die antisemitische Motivation der Attentäter von Paris derzeit oft ausgeblendet. „Aber einige der Menschen sind dort nur aus einem einzigen Grund getötet worden: weil sie Juden waren.“ In Frankreich beklagten sich viele Juden über eine mangelnde Solidarität der nicht-jüdischen Bevölkerung, sagte Alex Pinon. „Ich bin gekommen, weil ich erstens Demokrat, zweitens Franzose und drittens teils jüdisch bin.“ Auch Pinon ist ein wenig überrascht, dass nicht mehr Menschen versammelt sind.

Besonders wachsam

Die Frankfurter Juden sind seit Tagen beunruhigt. Parallel zum Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo hatte der Islamist Amedy Coulibaly in einem koscheren Supermarkt gezielt Juden als Geisel genommen und vier Menschen erschossen. Jüdische Einrichtungen seien daher momentan besonders wachsam, sagte Noga Hartmann, Leiterin der jüdischen Isaak Emil Lichtigfeld-Schule. Trotzdem verfalle man nicht in Panik. „Die beste Antwort ist es, business as usual zu machen“, sagte Hartmann. Man thematisiere die Anschläge im Unterricht und spreche mit den Schülern darüber, dass man seine Werte niemals vergessen dürfe. „Wir bleiben bei Demokratie, bei Pluralismus und Redefreiheit“, sagte Hartmann.

Auch der Frankfurter Fotograf Rafael Herlich sagte, die Juden dürften sich nicht einschüchtern lassen. „Wenn ich jetzt Angst hätte als Jude in Deutschland, dann hätte der Terror gesiegt“, sagte Herlich. Wie schon im Sommer, als es bundesweit antisemitische Übergriffe gegeben habe, beunruhige ihn allerdings der fehlende öffentliche Aufschrei, so Herlich. „Es muss viel mehr Solidarität geben, es müssen alle sagen: So etwas darf nicht passieren.“

Sacha Stawski vom proisraelischen Verein „Honestly Concerned“ sagte der FR, Sicherheit sei für die meisten Juden in Deutschland „sowieso ein akutes Thema“. Er sehe aber das Problem, dass zu wenig Unruhe in den islamischen Gemeinden entstehe, obwohl es auch in Hessen radikale Islamisten gebe und die Mehrheit der Muslime keine Sympathien für Terrorismus hätten. „Gerade das Problem des Antisemitismus, auch bei jungen Muslimen, wird bislang weitgehend unter den Teppich gekehrt“, sagte Stawski.

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