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Jubiläum 150 Jahre Begeisterung für die Berge

Zum Jubiläum steht die Frankfurter Sektion des Deutschen Alpenvereins vor neuen Herausforderungen.

Skitour auf dem Spitzmeilen in der Schweiz. Foto: Oliver Kube

Rund 600 Kilometer trennen die Geschäftsstelle der Frankfurter Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) in Preungesheim von der Rauhekopfhütte, die auf 2731 Metern Höhe in den westlichen Ötztaler Alpen in Österreich gelegen ist. Zusammen mit drei weiteren Berghütten, welche von den Frankfurtern unterhalten werden, liegt hier das alpine Herz der Sektion. Trotz der andauernden Präsenz in den Bergen hat sich der Verein seit seiner Gründung 1869 immer wieder verändert. „Die Mehrheit der Mitglieder heute war sicher noch nie in den Sektionsgebieten in den Alpen“, sagt Martin Frey, Ortschronist im österreichischen Kaunertal, der sich intensiv mit der Geschichte der Frankfurter DAV-Sektion befasst hat. 

Vor 150 Jahren sei dies noch ganz anders gewesen, da für die Gründungsmitglieder die Erforschung des Gebirges im Vordergrund gestanden habe. „Zu dieser Zeit waren viele Teile der Alpen noch weiße Flecken“, sagt Frey. Gleichzeitig wurden die Berge auch für die Menschen erschlossen. So entstand etwa bereits 1873 das Gepatschhaus in Österreich. 1888 wurde mit der Rauhekopfhütte die am höchsten gelegene Außenstelle der Frankfurter in den Alpen eröffnet. 
Ein Besuch in den Bergen wurde nach dem Ersten Weltkrieg für immer mehr Menschen erschwinglich, so dass auch die Zahl der DAV-Mitglieder in Frankfurt auf 1800 stieg. „Eine Reise in die Alpen war nun nichts Exklusives mehr“, sagt Frey.

Wie für viele andere Vereine war auch für die Frankfurter Sektion des DAV die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ein großer Bruch. „Die Sektion war von Anfang an aufgrund der Zusammensetzung aus dem Bürgertum sehr nationalkonservativ“, sagt Frey. „Allerdings waren die Frankfurter nicht antisemitisch und hatten unter anderem einen jüdischen Bankier als Gründungsmitglied.“

Während sich der Gesamtverband in den 1920ern radikalisiert hatte, wehrten sich die Frankfurter Mitglieder gegen deutschvölkische Tendenzen und stimmten unter anderem als eine von wenigen Sektionen vergeblich gegen den Ausschluss der Sektion Donauland. Dies hatte der Gesamtverband aufgrund der zahlreichen jüdischen Mitglieder dieser Sektion angestrebt.

„Die Frankfurter Sektion hat 1933 dann doch einen Arierparagrafen eingeführt, um keinen Anlass für ein Verbot durch die Nationalsozialisten zu geben“, sagt Frey.

Durch den Ausschluss der jüdischen Mitglieder und die Übernahme des nationalsozialistischen Führerprinzips blieb die Sektion bis 1945 bestehen und erhielt bereits ein Jahr später durch die US-Militärbehörden die Wiederzulassung, während sich die Neugründung des Dachverbandes bis 1951 zog. „Nach dem Zweiten Weltkrieg begann mit dem Wirtschaftswunder eine Renaissance für Urlaub in den Alpen“, sagt Frey. 

Die Frankfurter Bergsteiger sorgten zudem mit Erfolgen wie einer Himalaya-Expedition 1955 für Aufsehen. Ganz im Stil der Zeit durchlebte auch der DAV ab 1968 eine kleine Revolte, und das Selbstverständnis des Vereins wurde intensiv diskutiert. „Die Erhaltung der Alpen rückte in den Vordergrund und nicht mehr die Erschließung der Berge für die Menschen“, sagt Frey.
Im Jubiläumsjahr 2019 steht die Frankfurter Sektion nun erneut vor einem Wandel. Durch den Bau einer Kletterhalle 2013 ist die Zahl der Mitglieder zwar auf mehr als 10 000 gestiegen, doch die Mehrheit zieht es nicht mehr länger in die Berge. „Heute findet man vor allem bei der Jugend eine Kletterbegeisterung, die nicht mehr unbedingt etwas mit den Alpen zu tun hat“, sagt Frey. 

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