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Jimmy’s Bar in Frankfurt Eine Legende geht in Rente

Nach 40 Dienstjahren verlässt Andrès Amador Ende Februar Jimmy’s Bar im Grandhotel Hessischer Hof. Seit Juni 1976 hatte er möglichst jeden Gast persönlich begrüßt. Sein Nachfolger verspricht Kontinuität.

Mixt nicht mehr: Andrès Amador. Foto: Stephan Morgenstern

Für viele Stammgäste war er „das Fossil“, und das meinten sie nicht abwertend: Andrès Amador war halt schon immer da. Dass sich das mal ändern könnte, schien außerhalb des Vorstellbaren. Jetzt ist es passiert. Jimmy’s Bar im Grandhotel Hessischer Hof macht ohne seinen Barchef weiter, der mit 40 Dienstjahren zu den Dienstältesten seiner Zunft gehört und Ende Februar in den Ruhestand geht. Seit Juni 1976 hatte Amador Tag für Tag auf Klingeln die Tür geöffnet und möglichst jeden Gast persönlich begrüßt. Service, gut gemixte Drinks und ein freundlicher Plausch mit den Gästen – nach dieser Philosophie will sein Nachfolger Martin Mack die Bar weiterführen, die längst eine Institution im Frankfurter Nachtleben ist.

Lernen muss der 45-jährige Frankfurter das nicht. Mack, der im Hotel Savoy in Berlin Restaurantfachmann lernte, hat 21 Jahre lang mit Amador zusammengearbeitet. Seit 1995 ist er stellvertretender Barchef in Jimmy’s Bar und will außer ein paar kleinen Details nichts verändern. „Da kann ich die Gäste beruhigen“, sagt Mack. Nicht wenige hatten Angst, dass mit Amadors Ausscheiden auch die Tradition der klassischen Bar enden könnte. „Wir haben Erfolg mit dem, was wir sind, warum sollen wir das ändern“, sagt Mack. In Jimmy’s Bar, um die sich manche Legenden berühmter Persönlichkeiten ranken, klingen die Abende für Messegäste, Geschäftsleute und Musiker aus, für Nachtschwärmer und Neugierige, die am Wochenende Großstadtleben schmecken wollen. Das Publikum, sagt Mack, habe sich verjüngt, an den Wochenenden liege der Schnitt zwischen 30 und 35 Jahren, und der älteste Stammgast, der ihm einfällt, ist immerhin 85 Jahre alt.

Zeitloses Flair

Klassische Bars liegen im Trend, und Jimmy’s Bar profitiert. Zum zeitlosen Flair gehören die vergoldete Decke ebenso wie der Porzellan-Buddha in der Vitrine, die handgemachten Stühle und die Karte, auf der seit Jahrzehnten Manhattans, Martini-Cocktails und Mojitos stehen. Selbst Pina Colada und Planter’s Punch, die in Szene-Bars aus der Mode gekommen sind, gibt es noch immer. Trends wie beispielsweise das Aromatisieren von Whisky mit eigenen Kräuterzusätzen oder das Selbstkochen von Sirup und Limonaden wird Mack nicht aufgreifen, sagt er.

Derzeit seien Klassiker, beispielsweise Old Fashioned oder Negroni, auch bei jungen Gästen gefragt. Energy-Drinks werde man weiterhin vergeblich auf der Karte suchen. „Das schmeckt mir nicht und ist auch kaum gefragt“, sagt Mack. Es gibt kein Fassbier, nur Flaschen, wenige Tees und Kaffees, in Jimmy’s Bar geht es um Cocktails – und auch um Zigarren. Rauchen ist erlaubt, doch die Luft sei dank einer guten Klimaanlage außer in überfüllten Stoßzeiten gut, sagt Mack und sieht sich als besten Beweis. In 20 Jahren habe er sich keinen einzigen Tag krank gemeldet. „Arbeit, die Spaß macht, hält gesund“, sagt er.

Ein paar Veränderungen werden doch vorgenommen: neue Getränkekarten, neue Gläser und einige neue Drinks. Ansonsten ist alles wie immer. Mack öffnet Tag für Tag auf Klingeln die Tür, begrüßt die Gäste persönlich und schickt nur die weg, die Sandalen, kurze Hosen oder Baseballkappen tragen, die sie nicht absetzen wollen – oder einen Hut. Denn mit dem durfte nur Udo Lindenberg hinein, auch diese Ausnahme ist legendär.

Ansonsten ist die Kleiderordnung mit der Zeit gegangen. Jeans und Turnschuhe sind längst erlaubt, auch wenn für Mack und sein Team, zu dem auch zwei Frauen gehören, Anzug und Jackett selbstverständliche Dienstkleidung sind. Amador wird den feinen Zwirn jetzt nicht mehr so oft tragen.

Der 59-jährige Spanier, der direkt nach der Ausbildung in Alicante nach Frankfurt kam, will seinen Ruhestand größtenteils in Spanien verbringen.

Jimmy’s Bar, so hat er zum Abschied gesagt, wisse er in guten Händen. Sein Nachfolger steht schließlich in jeder Hinsicht für Kontinuität. Martin Mack hat gute Aussichten, 41 Dienstjahre in Jimmy’s Bar zu schaffen. Er kann ja noch 20 Jahre so weitermachen.

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