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Jet-Absturz vor 30 Jahren Fragen zur Ursache des Unglücks blieben offen

Ein "Pitch-up" könnte der Grund für den Absturz des Jets über dem Stadtwald vor 30 Jahren sein. Aber auch technische Probleme oder ein Pilotenfehler wären möglich.

18.05.2013 13:40
Flugschau auf der Rhein-Main-Airbase am Pfingstsonntag, 22. Mai 1983. Um 14.10 Uhr donnerten Starfighter über die Besucher; einer scherte aus und stürzte auf das Auto der Familie Jürges. Foto: dpa

Wie immer, wenn am Flughafen ein Tag der offenen Tür stattfindet, waren auch an dem herrlichen Frühsommertag des 22. Mai 1983 reihenweise Kameraobjektive auf die silbern glitzernden Düsenjäger ausgerichtet, die sich dort präsentierten. Etwa die Aufnahmen des Erlenseer Fotografen Georg Raab werden später den Ermittlern beim Klären der lange Zeit rätselhaften Unglücksursache hilfreich gewesen sein.

Raab hatte die Kunststücke der fünf in Formation aufsteigenden Kampfjets mit dem Teleobjektiv verfolgt, wie man in der ersten FR-Ausgabe nach Pfingsten lesen konnte. Der Mann hatte dabei registriert, dass Jet Nummer fünf, den der 27-jährige kanadische Captain Alan Stephenson steuerte, nach zwei Platzrunden ins Trudeln kam: „Plötzlich änderte die Maschine ihren Kurs und flog nach Norden in Richtung Frankfurt. Dann verlor sie an Höhe“, gab er am Schauplatz des Unglücks Bericht. Dann habe sich „das Flugzeug noch einmal aufgebäumt“, referierte der Augenzeuge. Und dieses Manöver ging „in einen Sturzflug über“ – kurz über dem Boden bereits habe er Flammen „aus dem Triebwerk schlagen sehen“.

Pilot Alan Stephenson setzte gegen 14.10 Uhr, den letzten Lebensminuten der Familie Jürges auf der Straße unten in ihrem Auto, noch einen „Emergency“-Funkspruch ab. Dann konnte der Captain mit dem Schleudersitz abspringen; so blieb er unverletzt, ehe die explodierende Kampfmaschine den Wald samt dort geparkter Autos in Brand setzte – und schließlich das Leben einer ganzen Familie auslöschte. Die Frankfurter Feuerwehr sprach von „einer Feuerwalze“, die auf die Straße zugerast sei. Als die Männer der Flughafen-Feuerwehr als Erste die Absturzstelle an einer Böschung erreichten, brannte das Familienauto noch lichterloh. Die kleine Katharina (1) und ihre Cousine Gesine (19) lagen auf der Straße. Aus den Lautsprechern der Airbase erfuhren unterdessen die rund 400.000 Besucher: „Die Flugschau ist zu Ende.“

Die Fragen zur Ursache des Starfighter-Absturzes sind in den Frankfurter Zeitungen mehrfach erörtert worden. Am 25. August 1983, zwölf Tage nachdem auch die schwerst verbrannte Cousine Gesine Wagner gestorben war, erfuhren die Leser der FR Näheres über ein Phänomen namens „Pitch-up“, das ein Untersuchungsausschuss der kanadischen Streitkräfte als Unglücksursache herausgefunden habe.

Zu einem „Pitch-up“ könne es bei einer Änderung der Flugposition kommen; der Begriff bezeichne das „Abrollen der Maschine über die Flügel“. Die FAZ erklärte „Pitch-up“ mit dem „abrupten Anheben der Flugzeugnase“ – was der Fotograf Georg Raab auch beobachtet hatte. Zu der Bewegung komme es laut Untersuchungsbericht, wenn „die tragende Luftströmung am Flügel abbricht“. Der Pilot könne darauf nicht reagieren; Absturz sei die Folge.

Auch die kanadischen Experten ließen Fragen offen. Unter anderem die, ob nicht ein technischer Mangel oder ein Fehler des Piloten „das Unglück verursacht hat“. (clau.)

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