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Jennifer von Schuckmann in Frankfurt Die schwule Frau

Die junge Filmregisseurin Jennifer von Schuckmann ist eine schwule Frau, die „Schubladen auflösen“ will. Von Schuckmann dreht in Clubs in Frankfurt einen Film mit „autobiografischen Bezügen“.

Jennifer von Schuckmann auf der Camberger Brücke, einem ihrer Drehorte. Foto: peter-juelich.com

Jennifer von Schuckmann ist schwul. Das auch zu sagen, damit habe sie vor fünf Jahren begonnen, berichtet sie. Da hätten erst einmal alle gelacht, weil sie ja eine Frau ist. Doch Schuckmann meint es ernst. Sie ist ein schwuler Mann im Körper einer Frau. Eine schwule Frau. Und sie denkt nicht daran, ihren Körper zu verändern, wie es andere Menschen tun, deren Identifikationsgeschlecht nicht dem biologischen Geschlecht entspricht. Sie sei kein Transmann, sagt sie.

Allerdings, Menschen davon zu überzeugen, dass so etwas geht, dass Menschen so sein können, das sei schwer, sagt die 28-jährige Höchsterin. Sie passe für viele in keine Schublade. Und sie will es auch gar nicht. Sie will: „Schubladen auflösen.“

Eben darum geht es in dem Film, den Schuckmann gerade in Frankfurt abgedreht hat. Es ist ein Film mit „autobiografischen Bezügen“, sagt die Regisseurin. Es geht darin um Mimi, eine junge Frau, die sich sucht. Mimi hat Sex mit ihrem Exfreund, einen One-Night-Stand, Sex mit einer Frau, Mimi masturbiert. Und sie geht auf Technopartys. Für den Abspann des Films würde Schuckmann allerdings gerne den Song „Schwule Mädchen“ der Hip-Hop-Gruppe „Fettes Brot“ verwenden, wenngleich es den Musikern darin vermutlich nicht wirklich um schwule Frauen geht.

Gedreht hat Schuckmann in den Clubs Silbergold und Tanzhaus West. Auch auf der Camberger Brücke und im Rockclub Cave spielen einige Szenen. Insgesamt 15 Drehtage waren es für den halb- bis dreiviertelstündigen Film; etwa 30 Menschen haben daran mitgewirkt. Für Schuckmann ist es die Abschlussarbeit ihres Studiums „Zeitbasierte Medien“ an der Hochschule Mainz. Ihr Projekt wird von einer Filmfirma finanziell unterstützt.

„Es ist schon ein persönlicher Film“, sagt die Regisseurin, die schon mehrere Kurzfilme gemacht hat. Viele Künstler würden sich nicht trauen, etwas von sich selbst preiszugeben. „Meine Kunst wird erst gut, wenn ich mich nackt und verletzlich mache“, sagt sie. „Verklemmt“ ist der Titel des Films.

Inneres Outing mit 11 Jahren

„Viele Jahre der Verwirrung“ lägen hinter ihr, berichtet die Studentin. Früher habe sie sich häufig geschminkt. „Fast jeden Tag“, sagt sie. „Aber ich habe mich dadurch nicht weiblicher gefühlt. Ich habe mich geschminkt und mich dann schwuler gefühlt.“

Mit elf habe sie bereits ihr inneres Outing gehabt: „Liebes Tagebuch, ich glaube, ich stehe auf schwule Männer“, habe sie damals notiert – und die Seite später mehrfach überklebt und sie dann irgendwann herausgerissen. Die Entdeckung ihrer Sexualität war erst einmal aufgeschoben.

Dann kam die erste große Liebe, ein schwuler Junge. Ihr sei schon klar gewesen, das werde kaum funktionieren, schließlich steht er auf Männer. „Schwule Männer sehen ja nicht gleich den schwulen Mann in mir, sie sehen mich als Frau. Natürlich gucken sie erst einmal auf die Erscheinung. Ich muss das akzeptieren.“ Angenommen, es gibt einen Schalter, mit dem man sein biologisches Geschlecht ändern kann, den eine Frau nur betätigen muss, um zum Mann zu werden. Schuckmann sagt, viele schwule Frauen würden den Schalter umlegen. Sie nicht. Es sei auch nicht so, dass sie sich ausschließlich in schwule Männer verliebe. „Das würde nicht gehen.“

Vor zwei Jahren hat sie dann doch eine Schublade für sich entdeckt, durch Alison Bechdel, eine US-amerikanische Zeichnerin von queeren Comics. Eine Figur Bechdels ist ein lesbischer Mann, im Englischen „guydyke“. Als Schuckmann dann auf den Begriff schwule Frau, englisch „girlfag“, stieß, sei es für sie wie eine Offenbarung gewesen. Ihr sei bewusst geworden, dass sie nicht alleine ist. Die deutsche „Girlfag“-Community im Internet habe rund 500 Mitglieder, sagt sie.

„Es gibt allerdings eine immer größere Community, die sich in keine Schublade stecken lassen will“, sagt Schuckmann. Sie fühle sich im Grunde nirgends zugehörig. Sie sei einfach nur: queer.

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