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Jazzmob Großer Bahnhof für die Musik

70 Jahre Jazz – dieses Jubiläum hat das „Netzwerk Jazz in Hessen“ zum Anlass genommen, mit einer ungewöhnlichen Aktion auf sich aufmerksam zu machen: Ein "Jazzmob" an den Ferngleisen begeistert die Pendler am Tag nach dem Streik.

Der Jazzmob jammt im Frankfurter Hauptbahnhof. Foto: christoph boeckheler*

Wo, bitte, geht’s zum Jazzmob? Immer den Ohren nach. Eine Prozession aus Gitarristen, Trompetern, Saxophon- und Klarinettenvirtuosen groovt zwischen Gleis 12 und 13 entlang, sogar Kontrabässe werden geschleppt, ein Klavier auf Rollen ist dabei – alle zusammen ziehen sie am Montag im Hauptbahnhof die Neugier der Reisenden auf sich. Was ist hier los? Ein Jazzmob eben. So etwas ähnliches wie ein Flashmob. Nur mit Jazz.

Und wo geht’s lang? „Ich bin hier nur Ausführender“, lacht der Pianist. Aber was wird gespielt? „Reine Improvisation“, swingt der Trompeter. In welcher Tonart? „Für mich ist es Es – für andere ist es C-Moll.“ Gut zwei Dutzend Musiker sind es schließlich, die sich nach dem Ausflug übers Ferngleis in der Bahnhofshalle versammeln und gemeinsam loslegen. Sofort bildet sich ein großer Pulk begeisterter Zuhörer.

70 Jahre Jazz – dieses Jubiläum hat das „Netzwerk Jazz in Hessen“ zum Anlass genommen, mit einer ungewöhnlichen Aktion auf sich aufmerksam zu machen. „Das Ziel ist, mehr zusammen zu machen“, sagt Ursula Jungherr, die Präsidentin des Landesmusikrats. Das funktioniert offenbar auf Anhieb. Von überall sind sie gekommen, von den Jazz-Initiativen, von Dr. Hochs Konservatorium, von der Landesmusikakademie, von der Jazzfabrik Rüsselsheim – und es soll nicht das Letzte gewesen sein, was sie zusammen machen. „Ich habe jedenfalls gesehen, dass schon einige Verabredungen getroffen wurden“, freut sich der Gitarrist und Mob-Dirigent Martin Lejeune.

Der 50-jährige Komponist Lejeune steht mit der Gitarre vor der spontanen Very-Big-Band, verteilt Einsätze, fordert die Musiker zu Soli auf und das Publikum zum Beifall – alle machen voller Elan mit. Unter den Musikern sind gute Bekannte wie Corinna Danzer (Saxophon), Jonas Lohse (Bass), Valentin Garvie (Trompete), Torsten de Winkel (Gitarre), Christoph Aupperle (Vibraphon) und Sängerin Stefanie Hövel. Gemeinsam geben sie Lejeunes Komposition „Jazzmob“, ohne sie je gemeinsam geprobt zu haben; Noten und ein Audio-Demo stellte er ins Internet. „Viele waren gut vorbereitet“, freut er sich nach der Uraufführung im Bahnhof. Sogar die Akzentuierungen der Bläser sitzen perfekt. Das Publikum tanzt mit – und wer montagvormittags am Bahnhof schon die erste Dose Bier geöffnet hat, geht richtig aus sich heraus.

Zwei Schlagzeuger, diverse Perkussionisten und nicht weniger als fünf Kontrabassisten sorgen für die rhythmische Grundlage. Immer wieder brandet Applaus durch die Halle, auch bei „Mercy Mercy Mercy“ von Joe Zawinul, dem zweiten Lied des Jazzmobs. Martin Lejeune ist sehr zufrieden, und wie sagt Wolfram Knauer vom Jazzinstitut Darmstadt so treffend: „Der Jazz ist nicht auf der Durchreise, er ist seit jeher in Hessen zu Hause.“

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