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IvI Protest Buchhändlerhaus besetzt

Rund 70 Schüler und Studenten besetzen am Freitagabend das ehemalige Buchhändlerhaus im Großen Hirschgraben 17-21. Motiviert sei die Aktion durch den drohenden Wegfall des Instituts für vergleichende Irrelevanz (IvI).

22.02.2013 21:34
Hanning Voigts und Patrick Schlereth
Erstma' Pause nach getaner Arbeit. Foto: Andreas Arnold

"Das Institut wurde nicht nur von Studenten, sondern auch von Schülern genutzt. Das fällt oft unter den Tisch“, sagt eine Schülerin. Das besetzte Gebäude soll ein Ort für selbst bestimmtes Lernen werden. Im Plenum wurde außerdem daran gedacht, das Obergeschoss zu nutzen, um Wohnraum für das nächste Semester anzubieten und Filmabende oder Partys zu veranstalten.

Das Gebäude, das der ABG Holding der Stadt Frankfurt gehört, steht größtenteils leer, beherbergt aber auch Ersatzräume für das Fotografieforum. Geschäftsführerin Sabine Seitz einigte sich mit den Besetzern und schloss die betroffenen Räumlichkeiten ab.
Die Polizei steht im Kontakt mit dem Eigentümer, griff bisher jedoch nicht ein. Zuerst müsse geprüft werden, ob es sich tatsächlich um eine Besetzung handle, da das Gebäude auch von Kunststudenten legal genutzt werde.

Stunden zuvor hatte die Initiative „IvI-Cube“ einen Vorschlag gemacht, nach dem der Campus Westend bald um eine nicht nur architektonische Attraktion reicher sein könnte: Die Initiatoren, Frankfurter Wissenschaftler, Künstler und Unternehmer, die sich dem bedrohten „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (IvI) als ehemalige Nutzer verbunden fühlen, schlagen vor, dem Projekt aus Containern ein kubusförmiges Domizil am neuen Campus zu schaffen.

„Wir sind der festen Überzeugung, dass es Räume wie das IvI geben muss“, sagte Julia König, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Frankfurter Institut für Erziehungswissenschaften, bei der Vorstellung der Idee. „An der Schnittstelle zwischen Universität und autonom verwaltetem Raum“, so König, könnten Studierende sich eigenständig Inhalte aneignen. Als Dozentin wisse sie, wie sehr der Uni-Alltag durch Hierarchien und Verschulung geprägt sei. „Im IvI geht es um selbstständige, gegenseitige Bildung.“

Der Plan der Initiative sieht vor, aus ausgedienten Containern ein Gebäude mit überdachtem Hof an der Miquelallee, Ecke Hansaallee zu bauen – auf einem leeren Platz gegenüber der geplanten Zentralbibliothek. Der Architekt Martin Timm kommt in einer Schätzung auf Kosten von rund 250.000 Euro.

Herrschaftsfreie Zelle nötig

Timm betonte, das von ihm geplante Gebäude sei nur „eine von vielen Möglichkeiten“, auch der Ort sei nur ein Vorschlag. Die Kosten könnten durch Eigenleistungen der IvI-Nutzer gesenkt werden. In jedem Fall solle das IvI in der Nähe der Uni bleiben, sagte Timm. „So eine kleine, herrschaftsfreie Zelle würde dem IG-Farben-Campus guttun.“
Dietmar Flucke, studierter Politikwissenschaftler und Betreiber einer Autowerkstatt, sagte, der Vorschlag sei „politisch und praktisch bestechend“. Schließlich habe sich in den vergangenen Monaten gezeigt, dass es in der Stadt viel Rückhalt für das IvI gebe – gleichzeitig wolle die Immobilienfirma Franconofurt das alte IvI-Gebäude im Kettenhofweg räumen. Dieser Konflikt sei kein juristischer, sondern ein politischer, so Flucke. Daher sollten sich vor allem die Grünen bewegen, die sich zum Erhalt des IvI bekannt hatten. Die Summe von 250.000 Euro erscheine „lächerlich gering“ im Vergleich etwa zu den Profiten, die Franconofurt aus dem alten IvI-Gebäude ziehen werde.

Die Initiatoren betonen, dass Magistrat und Universität keine „monolithischen Blöcke“ seien, die das IvI ablehnten. „Der politische Wille ist auch abhängig von der jeweiligen Eskalationsstufe“, sagte Felix Hanschmann, akademischer Rat am Fachbereich Rechtswissenschaft. Keiner in der Stadt könne ein Interesse an einer „gewaltsamen Auseinandersetzung um das IvI“ haben. Zudem sei das Projekt einer der Orte, „von denen eine Stadt lebt“.

Die Universität hat die Idee unterdessen bereits abgelehnt: Der ins Gespräch gebrachte Standort sei nicht für eine solche Nutzung vorgesehen, hieß es, Gelder der Uni dürften nur für universitäre Zwecke ausgegeben werden.

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