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Israel-Tag in Frankfurt Feiern unterm Davidsstern

Jüdische und zionistische Vereine begehen auf der Hauptwache in Frankfurt den Israel-Tag. Das Israel, das sie präsentieren, ist facettenreich und bunt.

Israel-Tag in Frankfurt
Rabbiner Andrew Steiman bläst das traditionelle Schofar-Horn. Foto: Christoph Boeckheler

Mendel Spiero braucht nur weniger Handgriffe, um seinem Gegenüber die Tefilin anzulegen. Ein paar Sekunden, dann wickelt sich einer der dunklen Gebetsriemen um den Arm des etwas überrascht drein blickenden Mannes. Eine Gebetskapsel hält er in der linken Hand, nahe am Herzen, eine ruht festgebunden auf der Stirn - sowie es die Tora nach Ansicht gläubiger Juden vorschreibt. Der Mann spricht Mendel Spiero nach. Ein Gebet. „Das erste Mal Tefilin anlegen, ist fast wie eine Bar Mitzwa“, sagt Spiero.

Spiero steht vor einem Stand an der Frankfurter Hauptwache. Trotz der Mittagshitze legt er seinen schwarzen Anzug nicht ab. Unter dem ebenfalls schwarzen Hut lugen rote Locken hervor. Sein Outfit verrät, dass er der orthodoxen Strömung des Judentums zuzurechnen ist. Spiero und einige seiner Mitstreiter repräsentieren an diesem Dienstag die Gruppierung Chabad.

Gegenüber haben der Jüdische Nationalfonds und die Zionistische Jugend in Deutschland ihre Stände. Auf der Bühne direkt neben dem Café Hauptwache wird Klezmer-Musik gespielt. Über allem schwebt die Fahne mit dem hellblauen Davidsstern. Es ist Israel-Tag und auf der Zeil wird gefeiert.

Seit 2003 wird jährlich in zahlreichen deutschen Großstädten der Israel-Tag begangen. In Frankfurt fast schon traditionell mitten im Stadtzentrum. „Uns geht es darum, das Israel, wie wir es kennen und lieben, ihnen näher zu bringen“, erklärt Sacha Stawski, Vorsitzender des Vereins „I like Israel“ (ILI) und Organisator des Israel-Tages in Frankfurt. „Ein fröhliches Fest“, wünsche er allen. Vielleicht noch etwas fröhlicher als in den Vorjahren, denn in diesem Jahr feierte der jüdische Staat den 70. Jahrestag seines Bestehens.

Das Israel, das sich an diesem Dienstag in Frankfurt präsentiert, ist facettenreich und bunt. Falafel und koschere Spezialitäten neben dem Stand des Israelisch-Kurdischen Freundschaftsvereins. Der Sportklub Makkabi vis à vis der Auslage eines Supermarkts, der sich auf Spezialitäten aus Russland spezialisiert hat. Die orthodoxen Religionsschüler von Chabad gegenüber dem Stand der säkularen Zionistischen Jugend (ZJD), an dem Israel-Fahnen in den Regenbogenfarben der LGBT-Bewegung hängen. „Wir, die wir hier sind, stimmen in Vielem nicht überein“, sagt Ido Simon Mund, Jugendleiter der ZJD, „aber wir alle sind der Überzeugung, dass Juden füreinander einstehen sollten.“

Israel - da sind sich Feiernde wie Redner an diesem Tag einig - ist eine Notwendigkeit. „Zionismus ist die Übereinkunft darin, dass die Juden ihren eigenen Staat haben sollten“, betont Mund, „und auch dass dieser Staat dennoch alle gleich behandeln soll. Juden wie Nicht-Juden.“
Kritiker stellen gerade das allerdings in Abrede. Im letzten Jahr wurde der Israel-Tag in Frankfurt von Protesten Pro-palästinensischer Aktivisten begleitet. Auch in diesem Jahr waren nach Angaben Sacha Stawskis einige Kritiker anwesend - ohne allerdings größer zu stören. „Dabei sind wir durchaus auch für einen palästinensischen Staat - friedlich und demokratisch an Israels Seite“, so Stawski.

Auf der Bühne geben sich im Laufe des Tages prominente Redner die Klinke in die Hand, darunter Oberbürgermeister Peter Feldmann, Stadtkämmerer Uwe Becker. Die eindrücklichsten Worte allerdings findet der Frankfurter Gemeinderabbiner Julien Chaim Soussan in seinem Gebet für Israel: „Und gib Frieden dem Land und all seinen Bewohnern ungetrübte Freude und Glück.“

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