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Israel-Demonstration in Frankfurt Pro-Israel-Demo bleibt friedlich

Rund 500 Menschen versammeln sich vor der Alten Oper in Frankfurt, um ihre Solidarität mit Israel zu zeigen. Etwa 50 Gegendemonstranten kommen zusammen, die Polizei hält sie vom Opernplatz fern oder sucht sie zumindest nach Waffen ab.

Rund 500 Menschen sind gekommen, um sich mit dem jüdischen Staat zu solidarisieren. Foto: Peter Jülich

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Der junge Student mit der Israel-Fahne sagt, es gehe ihm vor allem um den Antisemitismus. Vor kurzem sei im Nordend eine Synagoge beschmiert worden, sagt er, am Wochenende seien durch die Innenstadt Parolen gegen Israel gehallt. „Ich habe Angst, dass es hier in Deutschland wieder zu antisemitischen Ausschreitungen kommt.“ Was den Nahen Osten betreffe, so halte er es mit keiner der beiden Konfliktparteien, sagt er. „Ich möchte ein Zeichen setzen, dass ich für Frieden bin – aber auch dafür, dass das Existenzrecht Israels nicht infrage gestellt wird.“

Es sind mindestens 500 Menschen, die sich am Donnerstag vor der Alten Oper versammelt haben. In der sengenden Hitze stehen Juden neben Nichtjuden, Israelis neben Deutschen, Antifa-Aktivisten neben christlichen Ordensschwestern, um ihre Sorge auszudrücken, dass sich Juden in Frankfurt nach den Ereignissen der letzten Wochen bedroht fühlen könnten – und um ihre Solidarität mit Israel zu zeigen. Der Staat habe alles Recht, sich „gegen die Angriffe der Hamas“ zu verteidigen, sagt ein Mann mit Sonnenbrille. Dass es in Frankfurt neulich eine israelfeindliche Demo gegeben habe, sei für ihn ein weiterer Grund, hier zu sein: „Da muss man auf die Straße gehen und sagen: So nicht.“

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In diesen Punkten herrscht unter den Teilnehmern der Kundgebung Einigkeit. „Der tägliche Raketenbeschuss“ durch die islamistische Hamas zeige, dass Israel bedroht sei, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Daher sei es schwer zu ertragen, wenn auf Frankfurts Straßen die Schuld am Nahost-Konflikt einseitig Israel aufgebürdet werde. „Wir dürfen nicht zusehen, wenn sich Radikale und Neonazis in unserer Stadt gegen Israel zusammenschließen.“ Vor allem sei es wichtig, dass die Stadt sich hinter die Frankfurter Juden stelle, sagt der Oberbürgermeister. Bei antisemitischen Schmierereien sei es wichtig, „dass hier deutlich Nein gesagt wird“.

Dieter Graumann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagt, es gehe ihm auch um ein Zeichen an die Menschen in Israel. „Ihr seid nicht alleine, wir sind mit euch in dieser schweren Zeit.“ Ihn bedrücke das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung sehr, sagt Graumann: „Jeder getötete Zivilist ist einer zu viel.“ Doch die Aggression gehe eindeutig von der Hamas aus: „Der Raketenterror der Hamas muss sofort und endgültig ein Ende haben.“

Boris Rhein (CDU), hessischer Wissenschaftsminister, ruft den Kundgebungs-Teilnehmern zu, auch er stehe klar an der Seite Israels. Das Existenzrecht des jüdischen Staates sei „eine Herzensangelegenheit, die wir mit Herzblut verteidigen. Wer Israel angreift, der greift auch uns an.“

Gegendemonstranten nach Waffen abgesucht

Die jungen Männer mit palästinensischen Halstüchern, die das Geschehen vom Rand aus beobachten, können bei solchen Aussagen nur den Kopf schütteln. „Da werden so viele Lügen verbreitet“, sagt einer von ihnen wütend. „Die machen da eine totale Gehirnwäsche.“ Die Jugendlichen, von denen einige Familie in Gaza haben, sind sich einig: Die eigentlichen Opfer im Nahen Osten seien die Palästinenser, die durch israelischen Beschuss ihre Häuser und ihr Leben verlören. Die Hamas reagiert für sie nur auf die Angriffe Israels – und die Palästinenser würden seit Jahrzehnten ihres Landes beraubt. „Zweihundert Palästinenser sind jetzt gestorben und nur ein Israeli“, echauffiert sich einer von ihnen. „Allein wenn man diese Zahlen vergleicht, weiß man, wer der Aggressor ist.“

Andere der rund 50 angereisten Gegendemonstranten lassen sich erst gar nicht auf Debatten ein, sie bepöbeln am Rande die Kundgebung und die Journalisten. Die Polizei verhindert, dass sie zum Opernplatz kommen – oder sucht sie zumindest intensiv nach Waffen ab. Die Beamten verteilen einige Platzverweise.

Auf der Bühne wird mittlerweile die Hatikva gesungen, die israelische Nationalhymne. Elishewa Patterson vom Jüdischen Kulturverein Ostend, die die Kundgebung mitorganisiert hat, ist glücklich. Dass heute alles friedlich geblieben sei, sei „ein ganz wichtiges Zeichen an alle“, sagt sie. In den letzten Tagen hätten viele Frankfurter Juden Angst gehabt, sich alleingelassen gefühlt. „Ich glaube, wir fühlen uns jetzt alle besser.“

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