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Ironman Funkstille bei den ehemaligen Partnern

Der Ironman-Begründer Kurt Denk und Veranstalter Kai Walter haben sich nicht mehr viel zu sagen. Denk macht sich Sorgen, weil die besten deutschen Athleten nicht nach Frankfurt kommen.

Da war’s noch harmonisch: Kurt Denk (links) und Kai Walter. Foto: Storch

Der erste Startschuss erfolgte mit genau siebenminütiger Verzögerung. Am 18. August 2002 stand der damalige Ministerpräsident Roland Koch ungeduldig mit der Pistole am Ufer des Langener Waldsees, doch das Startsignal für die Premiere des Frankfurt Ironman Germany musste warten. Bis 7.07 Uhr. „Es waren immer noch Busse auf der Zufahrt unterwegs“, erinnert sich Kurt Denk und muss schmunzeln, wenn er sich an die abenteuerlichen Anfänge des nunmehr fest im Sportkalender der Stadt Frankfurt verankerten Events zurückdenkt. Denk hatte sich 2001 an die Mission gemacht, die vakante deutsche Ironman-Lizenz der Traditionsveranstaltung in Roth abzuluchsen. Und damit mitten in die Großstadt Frankfurt zu gehen

„Rückblickend war das wie die Besteigung des Mount Everest ohne Sauerstoffflasche“, sagt der 61-Jährige, „mich hatte im Oktober 2001 beim Ironman Hawaii der damalige Weltverbandspräsident Lew Friedland gefragt, ob ich in Deutschland jemand wüsste, der das anstelle von Roth organisieren könne.“ Denk, lange als Drucker bei der Frankfurter Rundschau beschäftigt, ehe er sich darauf spezialisierte, Hawaii-Reisen für Surfer, Läufer, Triathleten zu organisieren, schlug nach einer Nacht Bedenkzeit sich selbst als Organisator vor. „Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kinde. “ Der Strippenzieher nahm gewaltige Risiken auf sich, „im ersten Jahr musste ich zeitweise eine Hypothek für mein Haus aufnehmen, aber rückblickend war es neben der Geburt meines Sohnes Oliver das schönste Erlebnis meines Lebens.“

Die besten Deutschen fehlen

Auch dieses Kind habe längst das Laufen gelernt, erzählt Denk nicht ohne Stolz, „ich habe in neun Jahren fast 20 Millionen an Sponsorengeldern besorgt, ich habe den Ironman 70.3 in Wiesbaden dazugeholt, den Ironman Regensburg mit eingefädelt.“ Und doch beobachtet Denk die Entwicklung mit Sorge. „Ich sehe es sehr kritisch, dass die besten Deutschen hier nicht mehr starten.“ Beim gestrigen Festakt im Kaisersaal mit Oberbürgermeisterin Petra Roth durfte Denk nicht fehlen; er wird vielerorts immer noch als Gesicht des Ironman wahrgenommen, dabei trägt er offiziell nur noch den Titel des „Chairman“. Denk hat nämlich längst seine Firma Xdream, aus deren Räumen in seinem Haus in Maintal jahrelang die gesamte Organisation abgewickelt wurde, für eine satte sechsstellige Summe an die World Triathlon Corporation (WTC) verkauft. Alleiniger Xdream-Geschäftsführer und Ausrichter ist Kai Walter. Der aus Büdingen stammende Familienvater, im Gegensatz zu Denk selbst mehrfacher Ironman-Finisher, hatte sich seit 2004 als Renndirektor ebenso große Verdienste um die Veranstaltung erworben, umso erstaunlicher ist es, dass sich Denk und Walter heute fast nichts mehr zu sagen haben.

An diesem Punkt wird die Geschichte unschön, traten die beiden doch lange als gleichberechtigte Partner auf, die im Ziel gemeinsam die Sieger empfingen und umarmten. Denk war auf Walter am Bundeswehrstandort Schöneck aufmerksam geworden, wo dieser als Feldwebel gearbeitet hatte. Die Aufgabenteilung funktionierte jahrelang optimal: Denk als Vermarkter und Verkäufer, Walter als Organisator und Verwalter. Nun sagt der 43-Jährige lapidar über seinen Vorgänger: „Kurt ist nicht mehr im operativen Geschäft. Er hat die Firma verlassen. Es ist wie beim Militär: Nach einer Entlassung aus der Kompanie ist man kein Thema mehr.“ Aussagen, die Denk befremden. Kommen wird er am Sonntag trotzdem. „Mich hat die Helaba eingeladen. Ich habe da einen schönen Platz und werde mir alles wieder anschauen. Das lasse ich mir nicht nehmen.“

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