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Interview Martin zur Nedden Städterankings sind kein Patentrezept

Frankfurt rutscht ab im Städteranking. Aber was bedeutet das überhaupt? Stadtforscher Martin zur Nedden spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über den Sinn und die Aussagekraft solcher Auswertungen.

22.10.2015 16:23
Martin zur Nedden findet: "Ein positives Ranking darf kein Grund sein, sich zurückzulehnen."

Herr zur Nedden, schauen Sie sich gern Städterankings an?
Ich nehme sie eher zur Kenntnis. Man hat in einer Reihe von Fällen den Eindruck, dass eine intensive Beschäftigung mit ihnen nicht weiterführt.

Spielen diese für Sie privat irgendeine Rolle? Vielleicht bei der Auswahl eines Reiseziels?
Nein. Ich schöpfe eher aus anderen Quellen, weil ich weiß, dass solche Rankings oft kein Bild ergeben, das mir wichtige Informationen vermittelt.

Welche Aussagekraft besitzen solche Rankings denn?
Das ist sehr verschieden. Es gibt sehr gründlich erarbeitete Rankings, die transparent machen, wie die Einflussgrößen gebildet und gewichtet wurden. Nur bei diesen lohnt es sich, sich mit den Aussagen auseinander zu setzen.

Um Anregungen für die eigene Kommune zu erhalten?
Ja, die Städte können für sich überprüfen, ob ein schlechtes Ranking zutrifft und falls ja, darüber nachdenken, was man verbessern kann. Ein positives Ranking darf aber kein Grund sein, sich zurückzulehnen.

Sie waren selber Bürgermeister und Baubeigeordneter von Leipzig. Wie wichtig war Ihnen denn damals, dass die Stadt in solchen Tabellen gut abschnitt?
Wir mussten uns gezwungenermaßen damit beschäftigen, weil natürlich Nachfragen aus den Medien und der Politik kamen, wenn wir einmal schlecht dastanden in einem Ranking. Bei einer ganzen Reihe merkte man schnell, dass Schlüsse gezogen wurden, die einer näheren Überprüfung nicht standhielten. Ein Patentrezept liefert auch ein solide erarbeitetes Ranking nicht. Es kann aber Anlass sein, eigene Entwicklungsstrategien zu überprüfen.

War für Sie ein schlechtes Ranking mal der Anlass, die Arbeit der Verwaltung zu überdenken?
Ich erinnere mich an einen Fall. Da ging durch die Zeitungen, dass eine andere Großstadt sehr schnell die Baugenehmigungsverfahren abschloss. Das war für uns Anlass, zu überprüfen, was dort anders gemacht wird als bei uns. Es stellte sich allerdings heraus, dass ein wesentliches Element für die schnellen Baugenehmigungsverfahren war, dass dort jeder nicht genehmigte Bauantrag kostenpflichtig an den Antragsteller zurückgeschickt wurde. Wir haben diskutiert, ob wir dem Beispiel folgen, haben uns aber dafür entschieden, auch weiterhin den Dialog mit den Bauherren zu suchen.

Mit positiven Bewertungen haben Sie in Leipzig bestimmt geworben. In Frankfurt sind viele etwa stolz, dass die Stadt in einer New-York-Times-Liste der Städte, in die man reisen sollte, stand.
Leipzig gehörte dort auch schon zu den zehn interessantesten Städten. Das ist unter Stadtmarketing-Gesichtspunkten natürlich willkommen.

Spielen solche Listenplätze für Unternehmen auf der Standortsuche eine Rolle?
Ich gehe eher davon aus, dass die harten Fakten entscheiden. Es mag sein, dass auch ein Ranking Anlass sein kann, sich mit einer Stadt auseinanderzusetzen. Sobald es konkreter wird, machen sich ansiedlungswillige Betriebe aber selbst ein Bild.

Wie ist es für Menschen auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber?
Auch da vermute ich, dass die Natur der Arbeitsstelle und andere Faktoren wie das Wohnungsangebot, das Betreuungsangebot oder der Freizeitwert für die letztendliche Entscheidung wesentlich sind.

Woher kommt es denn dann, dass immer mehr solcher Rankings veröffentlicht werden?
Eine wesentliche Rolle dürfte spielen, dass das Erstellen solcher Rankings eine Erwerbsquelle geworden ist, die für das Stadtmarketing genutzt wird. Auch für die Medien ist damit sicher die Hoffnung verbunden, zusätzliche Käufer zu gewinnen, sofern Sie selbst Rankings beauftragen.

Hat die Zunahme auch mit dem stärkeren Wettbewerb der Großstädte und Regionen zu tun?
Natürlich gibt es diesen Wettbewerb. Den hat es aber immer gegeben. Die Rankings geben die Kommunen zudem in der Regel nicht selbst in Auftrag. Von vielen Erhebungen bekommen diese erstmal gar nichts mit. Im Gegenteil müssen sie oft sehr mühselig nachforschen, wie ein Ergebnis überhaupt zu Stande kam.

Interview: Christoph Manus

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