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Interview „Der Nachwuchs ist schwieriger zu binden“

Die Frankfurter Alpinisten sorgen sich trotz steigender Mitgliederzahlen.

Daniel Sterner Deutscher Alpenverein
Daniel Sterner vor der Kletterwand. Foto: Monika Müller

Seit 2013 betreibt die Frankfurter Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) in Preungesheim eine Kletterhalle. Wie weit kommen Sie denn auf der Anlage?
Früher bin ich bis zum siebten oder achten Schwierigkeitsgrad gekommen. Jetzt klettere ich im Bereich des sechsten Grades mit steigender Tendenz, wobei man sagen muss, dass die Sieben heute Mainstream für ambitionierte Kletterer ist. Der höchste erreichbare Schwierigkeitsgrad ist momentan die Zwölf (9c).

Ist der Klettersport denn eine Neuheit im DAV?
Nein, ich selbst klettere seit 1972, und schon Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Klettern im Alpinismus als Sport. Schon die Gründungsväter unserer Sektion haben ja begonnen, die Alpen zu erschließen. Früher war das Klettern in den umliegenden Klettergärten bei Wind und Wetter für uns auch eine Vorbereitung auf die Touren im Gebirge. Heute ist das Klettern in der Halle aber eher zum Selbstzweck geworden, und viele gehen gar nicht mehr in die Berge. Für den Naturschutz ist das ein Vorteil, da die Zahl an Klettersportlern steigt und es die natürlichen Klettermöglichkeiten belasten würde, wenn es die Hallen nicht gäbe.

Kommen die Mitglieder dann nur noch wegen der Kletterhalle zum DAV, oder haben die Alpen weiter eine Bedeutung?
Das ist sehr vielfältig, gerade durch unsere vier Hütten in Tirol, im Kauner- und Pitztal, haben wir noch einen großen Bezug zu den Alpen. Manche Mitglieder kommen, um einfach das Vereinsleben zu haben und gemeinsam mit anderen etwas zu unternehmen, Wandern oder Skifahren zum Beispiel. Sehr beliebt sind hier die Familiengruppen. Wir haben aber auch sehr aktive Kinder- und Jugendgruppen oder die Bergsteigergruppe. Andere kommen nur für die Kletterhalle.

Hat sich die Gewichtung innerhalb des Vereins denn verändert?
Heute muss man den Spagat versuchen, dass der klassische Verein nicht untergeht. Seit wir die Kletterhalle haben, sind wir in Frankfurt von 6000 auf mehr als 10 000 Mitglieder gewachsen, wobei wir aber eine hohe Fluktuation haben, da zum Beispiel Studierende oft wieder austreten, wenn sie nach ihrem Abschluss wegziehen. Der klassische Verein leidet darunter schon, da der langfristige Nachwuchs dann natürlich schwieriger zu binden ist. 

Das ist ja schon eine kuriose Situation, dass Sie trotz steigender Mitgliederzahlen ähnliche Probleme wie viele andere Vereine in Frankfurt haben.
Wir haben mit unseren rund 1500 Jugendlichen nicht das Problem, keine Jugend zu haben. Wir müssen heute aber mehr machen, um potenziellen Nachwuchs für die anderen Bereiche des Vereins zu begeistern. Wir haben zum Beispiel mit einem Newsletter unsere interne Kommunikation verstärkt, um zu zeigen, was die Sektion insgesamt anbietet. Gerade diese Vielfalt macht ja auch den Reiz des DAV und unseres Vereins aus. 

Jetzt zu fragen, wo Sie den Verein in 150 Jahren sehen, greift sicher zu weit, aber wie sollte sich die Sektion Frankfurt Ihrer Meinung nach in den nächsten zehn Jahren entwickeln?
Ich hoffe, dass die Sektion dann die Verbindung ‚Klassischer Alpenverein‘ und ‚Kletterhalle‘ geschafft hat und die Potenziale, die die Kletterhalle für beide Bereiche bietet, noch stärker im Verein angekommen sind. Ich sehe die Sektion da jetzt schon in einer guten Richtung, aber wir haben noch viel Arbeit vor uns.

Interview: Dominik Brück

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