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Insekten Hilfe, Baumgespenster!

Gespinstmotten gehen Gärtnern auf die Nerven und lassen Spaziergänger gruseln.

Apfelbaumgespinnstmotte
Die Apfelbäume am Lohrberg sind von der Gespinstmotte besetzt. Foto: Monika Müller

Wer sich mal ordentlich gruseln will, draußen im Grünen, der findet zurzeit reichlich Anlass. In jedem zweiten Baum: Buh! Gespenster! Na gut, in jedem fünften. Und auch keine echten Gespenster. Aber: Gespinstmotten. Die Namensähnlichkeit kann kein Zufall sein.

„Bei uns im Garten und in der ganzen Umgebung gibt es Bäume, die sind komplett voll davon“, sagt FR-Leser Bruno Träger aus Seckbach. Die Szenerie gleicht seit etwa drei Wochen einem Horrorfilm – ganze Bäume silbergrau eingesponnen. Fehlen nur die schreiend weglaufenden Menschen, fertig wäre „Arachnophobia, Teil 2: Die A-Rache der Spinnen“. Die Raupen seien erst ziemlich klein und wüchsen dann rapide. „Bis zu 30 Nester haben wir pro Baum, und in jedem sind ziemlich viele Raupen.“

Die Viecher haben es auf die Blätter abgesehen. In Seckbach, in Bergen, an der Nidda, in Maintal, im Rheingau – von überall kommen die Entsetzensrufe. Hilke Steinecke hat sie gehört. Die Kustodin im Palmengarten, Botanikerin und Insektenkundige, fand Spinner in Apfelbäumen. „Und die Pfaffenhütchen sind sehr stark befallen in diesem Jahr.“ Für praktisch jede Baumart gibt es eine spezialisierte Motte. Was führen die Gespinstmotten im Schilde? „Die futtern fleißig, und um geschützt zu sein, spinnen sie sich ein“, erklärt Steinecke. „Kein Vogel hat Lust, sich durch dieses klebrige Zeug zu wühlen.“ Später verpuppen sich die Raupen und, man kennt das ja, schwingen sich als schöner Schmetterling in die Lüfte, als wäre nichts gewesen.

Dabei gehen sie den Gärtnern in ihrem ersten Dasein gehörig auf die Nerven. „Das ist schon störend“, sagt Bruno Träger, „und es kostet ja auch Früchte.“ Er sammelt die Tiere mit der Hand ein und entfernt die Nester, wobei Zweige und Triebe verloren gehen. Außerdem muss der Baum die weggefressenen Blätter ersetzen; sie wachsen beim sogenannten Johannistrieb nach. Das kostet aber so viel Energie, dass dem Baum nicht mehr genug Kraft für die Früchte bleibt. „Es führt zu einer geringeren Ernte“, sagt Maja Becker vom Mainäppelhaus auf dem Lohrberg. „Teilweise hat so ein Baum dann gar keine Äpfel.“ Beim Mainäppelhaus und seinen Streuobstwiesen ist das Übelste schon überstanden. „Wir leben damit“, sagt Maja Becker, die sich im „Äppelnetz“ um die Pflege und Vermehrung der Obstwiesen kümmert. „Und die Bäume überleben es auch.“ Gespritzt wird natürlich nicht, sondern die Mitarbeiter brechen Nester per Hand heraus. Den Rest überlässt man den Bäumen und ihren Abwehrkräften. Da hilft es, dass es sich um die guten alten Apfelsorten handelt, die sind robuster.

Die Gespinstmotten kommen prinzipiell jedes Jahr, aber wie bei anderen Naturphänomenen gibt es Wellenbewegungen mit Höhen und Tälern, eigentlich alle sieben Jahre. Wenn das nun variiert, spielt der Klimawandel mit mehr Wärme und längeren Trockenphasen dabei eine Rolle, denn solches Wetter haben die Motten zum Fressen gern.

Im Palmengarten seien die Gespinstmotten kein sichtbares Problem, sagt Hilke Steinecke. Die fleißigen Gärtner eilten wohl stets rechtzeitig zur Hilfe. Den vielen Menschen mit zugesponnenen Gärten rät sie, die Tiere manuell abzupflücken – oder sie mit dem Gartenschlauch vom Baum zu spritzen. „Es ist ja nicht richtig schön, da reinzufassen.“

Wichtig: Die Viecher hinterher aufsammeln und nicht etwa auf den Kompost, sondern ausbruchsicher in den Müll geben. Bruno Träger aus Seckbach ist dazu übergegangen, sie in luftdichte Tüten zu stecken. Wobei sie es ihm nicht leichtmachen. „Wenn die merken, dass man hinter ihnen her ist, seilen sie sich ab.“

Sie können einem halt ganz schön auf den Geist gehen, die Baumgespenster.

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