Lade Inhalte...

Innovationsquartier in Frankfurt Zu wenig nachgebessert

Auch die neuen Pläne für das Innovationsquartier in Frankfurt stoßen auf Skepsis bei den Bürgern im Nordend. Die Grünen fordern einen mittigen Grünstreifen.

20.01.2017 19:03
Nadine Benedix
Wohnungsbau in Frankfurt
Wohnen oder Grün: der Konflikt im Innovationsquartier. Foto: Peter Jülich

Auf großen Bannern äußerten rund 30 Bürger im Nordend ihre Meinung zu den neuen Plänen für das Innovationsquartier: „So nicht M. Josef“ und „Die Grüne Lunge muss bleiben“ lauteten ihre Forderungen in der Ortsbeiratssitzung am Donnerstagabend. Dort präsentierte Planungsdezernent Mike Josef aktuelle Änderungen des Bauvorhabens. Die Pläne sehen vor, einen 17 Hektar großen Bereich östlich der Friedberger Landstraße zu erschließen. So sollen 1500 Wohnungen zwischen Günthersburgpark, Dortelweiler Straße, Wasserpark und Friedberger Landstraße entstehen.

Freizeitgärten, die sich aktuell dort befinden, sollen überbaut werden. Ein etwa 70 Meter breiter Grünstreifen, der Günthersburg- und Wasserpark im östlichen Teil des Gebiets verbinden soll, bleibt jedoch erhalten, ebenso der Abenteuerspielplatz im Norden des Günthersburgparks. Ursprüngliche Pläne, die eine großflächigere Bebauung des Gebiets vorgesehen hatten, waren auf starken Protest verschiedener Bürgerinitiativen gestoßen.

„Es ist schön, dass einige Kritikpunkte aufgenommen wurden“, sagt Michael Mirsch (Grüne). Der geplante Grünstreifen sollte sich jedoch nicht östlich, sondern in der Mitte des Quartiers befinden. „Dort ist der Baumbestand besonders wertvoll. Dazu kommt, dass sich in dem Bereich die Frischluftschneise befindet, die die Stadt mit kalter Luft versorgt“, sagt der Grüne.

Diese Frischluft, auch Wetterauwind genannt, sei von enormer Bedeutung, pflichten ihm Bürgerinitiativen, SPD, Linke und Ökolinx bei. Sie treffe am Hauptfriedhof auf eine Frischluftentstehungszone, die die Stadt mit kalter Luft versorge. „Aus einer Stadtklimabewertung von 2011 geht klar hervor, dass eine Bebauung dort klimatisch sehr bedenklich ist“, sagt Manfred Zieran (Ökolinx). Er fordert, das Planungsamt solle endlich wissenschaftliche Erkenntnisse anerkennen.

Josef sieht hingegen keine Möglichkeit, einen mittigen Grünstreifen zu realisieren, da dann die Verkehrsanbindung nicht mehr gewährleistet sei.

„Auf den Baumbestand werden wir trotzdem Rücksicht nehmen“, sagt er. Durch kleinklimatische Gutachten im Baugebiet sollen die Bäume ermittelt und geschützt werden. Die Bebauung stelle keine Einschränkung für die Frischluftentstehung dar, so der Dezernent. Der Hauptfriedhof sei selbst ein Kaltluftentstehungsgebiet und nicht auf die Wetterauwinde angewiesen. Diese erreichten auch trotz Bebauung die City.

Um die klimatischen Fragen zu klären, soll der Klimaexperte und Autor der Gutachten, Lutz Katzschner, in die nächste Ortsbeiratssitzung kommen. „Es werden zwar Grünflächen weichen müssen, aber wir haben nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Verantwortung, mehr Wohnraum zu schaffen“, sagt Josef. Es sei richtig, dass mehr Wohnungen nötig seien; man könne jedoch nicht die soziale gegen die ökologische Frage ausspielen, entgegnet Zieran.

Von den geplanten 1500 Wohnungen sollen nur 15 Prozent sozialgebunden sein. Weitere 15 Prozent sollen in das städtische Mittelstandsprogramm aufgenommen werden. Auch gemeinschaftliche Wohnprojekte sollen vertreten sein. „Viel zu wenig“, findet Hans-Joachim Habermann von der Links-Fraktion. „Ein Verhältnis von 70 zu 30 ist kein verantwortungsvoller Wohnungsbau.“

Zur Startseite

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum