Lade Inhalte...

Innenstadt Von der Straße ins Krankenhaus

Der Künstler Guido Zimmermann stellt im Hospital zum Heiligen Geist aus. Sein Wandbild zieht sich über zwei Stockwerke.

Guido Zimmermann
Guido Zimmermann und sein großes Wandbild. Foto: Hoyer Foto: Renate Hoyer

Vier Nächte hat sich Guido Zimmermann im Treppenhaus des Hospitals zum Heiligen Geist um die Ohren geschlagen. So lange hat der Frankfurter Künstler für das Wandgemälde gebraucht, das sich vom Erdgeschoss in den ersten Stock hochschlängelt. Seit 1997 zeigen Künstler im sechsstöckigen Treppenhaus ihre Werke. Am Sonntag lud Kunsttreppen-Kurator Daniel Schierke zur Vernissage der aktuellen Ausstellung, mit Zimmermanns Arbeiten.

Außer dem riesigen Wandgemälde hängen Bilder des 39-Jährigen zwischen dem vierten und sechsten Stock. Zu sehen sind unter anderem Ölgemälde von sich prügelnden und ankeifenden Politikern: Im sechsten Stock hängt das Bild aus dem ukrainischen Parlament, auf dem Männer in Anzügen übereinander herfallen. Auf einem anderen hat der Künstler Trompetenspieler in die Prügel-Szene hineinmontiert. „Die bringen noch zusätzlich ein bisschen Stress ins Bild“, erklärt Zimmermann.

Überhaupt geht es bei ihm wild zur Sache: Die Figuren fallen übereinander her, sie sind in Bewegung und oft ineinander verschlungen. „In der Malerei geht es um Spannung und Dynamik“, sagt Zimmermann. Gelernt hat er auf den Straßen Frankfurts. Als er 15 Jahre alt war, zog Zimmermann mit Freunden nachts um die Häuser und bemalte Wände. „Natürlich alles legal“, sagt Kurator Schierke mit einem Lächeln. In seinen Bildern sehe man auch heute noch viele Elemente aus dem Graffiti, sagt Zimmermann – zum Beispiel die langgezogenen Linien und Striche. Und auch das riesige Wandbild hätte er wohl ohne die nächtlichen Ausflüge so nicht malen können.

Graffiti war ein wichtiger Einstieg für mich“, sagt Zimmermann. „Aber irgendwann haben mir die Buchstaben und Figuren nicht mehr gereicht.“ Also kaufte er Leinwände und experimentierte mit Öl. 2003 schloss er mit einem Diplom an der Frankfurter Akademie für Kommunikation und Design ab. Seitdem malt er als freischaffender Künstler.

Von der Straße inspiriert sind auch Zimmermanns „Cuckoo Blocks“ – seine Interpretation der Schwarzwälder Kuckucksuhr: Statt eines gemütlichen Fachwerkhauses nimmt der Künstler Beton-Plattenbauten, etwa aus der Mainfeld-Siedlung in Niederrad oder aus dem märkischen Viertel in Berlin zum Vorbild. Damit wolle er das heutige urbane Leben darstellen, sagt Zimmermann. Wie bei ihren spießbürgerlichen Fachwerk-Artgenossen verkündet ein Kuckuck mit seinem Ruf das Anbrechen jeder neuen Stunde. Wer genau hinguckt, erkennt hinter den Fenstern Miniaturversionen der Werke Zimmermanns.

In Originalgröße hängen seine Bilder noch bis zum 2. Juni im Treppenhaus Heilig Geist. Das Wandgemälde wird noch länger bleiben – denn frisch gestrichen wurde erst Anfang des Jahres.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum