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Innenstadt Ein Uhu in der Innenstadt

Der Uhu „Bartholomäus“ hat sich mitten in der City am Rande einer Großbaustelle eingenistet. Regelmäßig ist er in der Nähe der Zeil zu sehen und lockt neben Krähen auch Schaulustige an.

„Sie sind zu schwer für den Aufzug.“ – „Nein, Sie!“ Uhu und Krähe im Disput. Foto: Ingo Rösler

Mag sein, dass New York niemals schläft und Rom ewig ist – aber Frankfurt-City hat auch große Anziehungskraft. Sogar auf Uhus. Einer überlegt offenbar momentan, sich am Rande einer Großbaustelle mitten in der Innenstadt niederzulassen.

Das ist nicht gerade üblich. Der Uhu ist die größte aller Eulen und hat eine Flügelspannweite wie ein Schreibtisch. Am Bauzaun im Holzgraben finden sich deshalb täglich Schaulustige ein und gucken, ob sie ihn sehen, den Bartholomäus. So haben ihn die pfiffigen Bauarbeiter getauft. Bartholomäus – wie der Frankfurter Dom. Eine gewisse Ähnlichkeit haben die beiden ja durchaus.

Hobby-Ornithologe Wilken Agster ist am Morgen mit dem Fotoapparat da. „Uhus gibt es wahrscheinlich an mehr Stellen in der Stadt, als man denkt“, sagt er. „Sie sind ja nachtaktiv und tagsüber gut getarnt.“

Deshalb ist Bartholomäus an diesem Vormittag auch nicht dort zu sehen, wo er sonst gern sitzt, oben unterm Dach eines alten, baufällig wirkenden Hauses. Nur eine Eulen-Silhouette im Mauerwerk zeichnet sich kurioserweise neben der Dachluke ab. Macht nix, sagt Agster. Er wollte sich nur mal umschauen. Mehr Glück hatte Ingo Rösler in dieser Woche. Er erfuhr durch die Vogelschutzwarte von dem Tier und bekam es schon zweimal vor die Kamera. „Der Uhu hat sich da ein Revier gesucht“, vermutet Vogel-Fachmann Rösler. „Sicher würde er bleiben, wenn er ungestört wäre, und sich einen Partner suchen.“ Oder eine Partnerin. Man weiß ja nicht, ob es Mann oder Frau ist.

Gutes Nahrungsangebot

Etliche Uhu-Bruten gebe es rund um Frankfurt, sagt Rösler: „Sie lieben Felsen und Steinbrüche, da sind alle potenziellen Brutplätze belegt. Es gibt zu wenig davon.“ Kann sein, dass die Rieseneulen sich deshalb jetzt gern auch mal eine Innenstadtwohnung ansehen. Das Nahrungsangebot soll ja ausgesprochen gut sein, erzählt man sich in Uhu-Kreisen. Die Frankfurter Ratten, Tauben, Igel und Kaninchen sehen das ganz anders und sind nicht besonders begeistert.

Aber es sieht ohnehin nicht danach aus, dass der Uhu an der Baustelle brütet. Rösler konnte zwar von innen nicht bis ganz nach oben unters Dach vordringen und will es am Wochenende noch einmal außen mit einer langen Leiter versuchen. Er glaubt aber kaum, dass er einen Brutplatz vorfindet. Nebenan wächst ein großer Wohn- und Geschäftshauskomplex in die Höhe. Das wird bald ungemütlich – noch ungemütlicher als mit den Krähen, die Bartholomäus dauernd ärgern. Die mögen den nicht. Kürzlich riefen Passanten gar die Tierrettung, weil die Krähen dem Uhu angeblich so arg zusetzten. Die Feuerwehr soll angerückt sein. Als sie die Leiter ausgefahren hatte, flog Bartholomäus weg.

Ingo Rösler muss darüber lächeln. Der Uhu fürchtet weder die Krähe, noch braucht er die Feuerwehr, wenn er gesund ist. Auch Dagmar Stiefel, die Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte, macht sich keine Sorgen um den Großvogel. „Ein einzelner Uhu ist mobil“, sagt sie, „der zieht einfach weiter, wenn es ihm nicht mehr gefällt.“

Und die oberste Vogelschützerin weiß noch mehr: Es ist nicht nur Bartholomäus – „es sind zwei“, verrät sie. Ein weiterer Uhu, deutlich heller im Gefieder, ist im Ostend unterwegs. „Vielleicht finden sie irgendwann zusammen“, sagt Dagmar Stiefel. Dann wächst die Frankfurter Uhu-Bevölkerung weiter. Wir brauchen dringend mehr innerstädtische Steinbrüche.

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