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Inklusion Gemeinsam Geschichte genießen

Das Historische Museum verschafft Behinderten den Zugang zur Kultur - mit höhenverstellbaren Schaukästen und Exponaten zum Anfassen.

Inklusion im Historischen Museum
Auch im Rollstuhl soll das Museum erfahrbar sein. Rolf Oeser Foto: Rolf Oeser

Spezielle Führungen für Blinde oder Sehbehinderte gibt es bereits in einigen Museen, auch Rampen für Rollstuhlfahrer werden meist fest eingeplant. Doch ein ganzheitlich inklusives Konzept, wie es das Historische Museum Frankfurt zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung vorgestellt hat, ist noch immer eine Seltenheit. „Es ist leider nicht selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderung unbeschränkten Zugang zu Kultur und Bildung erlangen“, sagt Daniela Birkenfeld, Sozialdezernentin der Stadt Frankfurt.

Ziel des Projekts „Inklusives Museum“ ist deshalb, dass sich alle Besucher im Historischen Museum „spontan und selbstständig und nicht nur im Rahmen spezieller Programme“ bewegen können – so lautet das Leitbild. Um diese Idee in die Tat umzusetzen, begann Kuratorin Anne Gemeinhardt vor vier Jahren, sich mit anderen Museen, Experten, Betroffenen und Verbänden auszutauschen. „Zum Beispiel haben wir Schriftart und -größe der Schilder mit dem Blinden- und Sehbehindertenbund abgesprochen“, sagt Gemeinhardt. Betroffene in die Planung einzubeziehen, sei der erste Schritt zu ganzheitlicher Inklusion, findet auch Sozialdezernentin Birkenfeld.

Sehbehinderte und Blinde können sich nun an einem taktilen Leitsystem, wie es auch an Bahnhöfen im Boden eingelassen ist, orientieren und das gesamte Museum selbstständig erkunden. Darüber hinaus wird es ein Tastmodell des Museumsquartiers geben, durch das sie sich vor Betreten des Foyers einen Eindruck von den Gebäuden verschaffen können. Auch Menschen mit Gehbehinderungen ist das Museum barrierefrei zugänglich. Sogar die Schaukästen lassen sich herunterfahren, damit auch Rollstuhlfahrer ihren Inhalt betrachten können. Außerdem gehört die strikte Regel „Anfassen verboten“ der Vergangenheit an. Besucher dürfen nun einige Exponate ertasten, so zum Beispiel den historischen Schöner-Globus in doppelter Größe. Und Hörgeschädigte werden am Eingang in Gebärdensprache begrüßt.

Stadtgeschichte in einfacher Sprache

Eine Besonderheit des inklusiven Museums ist zudem die Reihe „Frankfurt, deine Geschichte – Literatur in einfacher Sprache“ vom Literaturhaus Frankfurt. Dabei schreiben Autoren Frankfurter Stadtgeschichte in einfacher Sprache neu, damit sie für jeden zugänglich ist.

Letztlich gewinnen die Ausstellungen im Historischen Museum an Vielfalt, weil sie zwecks Inklusion mit mehreren Sinnen erfahrbar gemacht werden und die Zugänglichkeit über Rampen und leichte Sprache zu Perspektivwechseln verhelfen kann. Das kommt neben den Menschen mit Behinderung auch allen anderen Besuchern zugute. Entsprechend aufmerksam wird die Umsetzung im Historischen Museum verfolgt. „Das Museum hat weltweit Anfragen bekommen. Und da wir allein in Frankfurt ein ganzes Museumsufer haben, werden bestimmt noch mehr von den Erfahrungen profitieren können“, sagt Winfried Kron vom hessischen Sozialministerium.

Literatur in einfacher Sprache gibt es am 12.12. um 19.30 Uhr mit Nora Bossong und Henning Ahrens und einem Gebärdensprachdolmetscher im Historischen Museum Frankfurt.

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