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Infrastruktur „Ungerecht, wenn alle für die Ladestationen zahlen“

Mainova-Chef Constantin Alsheimer im Gespräch über die hohen Kosten für Elektromobilität und teure Ladestationen.

Großparkplatz für Elektroautos in Oslo
Hat Frankfurt etwa in einen Großparkplatz für Elektroautos investiert? Nein. Das Bild stammt aus der norwegischen Hauptstadt Oslo. Foto: dpa

Herr Alsheimer, die Bundesregierung hat vor Jahren das Ziel ausgegeben, bis 2020 eine Million, bis 2030 sechs Millionen  Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Ist das noch erreichbar?
Der Höhe nach ja, aber nicht in diesem Zeitraum. Wir als Mainova sehen in der Elektromobilität gleichwohl einen großen Markt. Diesen haben wir früh erkannt und schon 2010 öffentliche Ladestationen installiert.

Es heißt schon seit einigen Jahren, dass die Elektromobilität eine größere Rolle spielen wird. Bis Mitte August 2017 wurden in Frankfurt aber gerade einmal 608 Elektrofahrzeuge und 1717 Hybride zugelassen. Was spricht denn dafür, dass der Marktanteil nun kräftig wachsen könnte?
Es ist ein gewaltiger technischer Fortschritt zu erkennen. Vor einigen Jahren waren die Reichweite und der Komfort von Elektroautos noch viel geringer. Solange die Preise im Vergleich zu anderen Automobilen jedoch deutlich höher liegen, fehlt Elektrofahrzeugen die Marktakzeptanz. Das ist ein Thema, das die Automobilindustrie lösen muss.

Welche Rolle spielt die Infrastruktur? Bundeskanzlerin Merkel forderte vor wenigen Tagen in der FR, das Netz an Ladesäulen müsse dichter werden.
In der Regel laden Besitzer von Elektroautos diese zu Hause. Sehr wichtig ist auch die Infrastruktur im halböffentlichen Bereich, in Parkhäusern, in Hotels, in Einkaufszentren. Für diese Bereiche bieten wir Privatpersonen, Geschäftsleuten, Großkunden erfolgreich Rund-um-sorglos-Lösungen. Die Nachfrage steigt. Die Säulen im öffentlichen Bereich sind sicher auch wichtig. Nicht zuletzt als Zeichen, dass sich Elektromobilität entwickelt. Für das Laden der Fahrzeuge sind Ladestationen im privaten und halböffentlichen Bereich aber viel wichtiger.

Stimmt das auch für Frankfurt? In den innerstädtischen Stadtteilen haben doch nur die Wenigsten eine Garage, in der sie ein Auto aufladen könnten.
Das stimmt. In den zentralen Stadtteilen wird man viel über Carsharing, feste Ladeplätze und -säulen im öffentlichen Bereich nachdenken müssen. Wobei die Gesamtauslastung unserer eigenen Säulen zurzeit bei unter zwei Prozent liegt.

Was ist, wenn die Elektromobilität wirklich ins Rollen kommt, viele Frankfurter Elektroautos kaufen? Wie müsste man die Infrastruktur ausbauen, damit diese auch für 10.000, 50.000 oder 100.000 Autos ausreicht? 
Das ist eine große Aufgabe. Wenn Sie auf Schnellladestationen setzen, was zweckmäßig wäre, bewegen wir uns auf der Mittelspannungsebene. Die kommunalen Stromverteilnetze, die das Rückgrat der E-Mobilität bilden, müssten ertüchtigt, gestärkt und ausgebaut werden. Dazu brauchen Sie neben kostenintensiver Infrastruktur auch zusätzliche Strommengen. Aber allein über den Verkauf des Stroms würden sich solche Stationen nicht einmal dann rechnen, wenn sie den ganzen Tag ausgelastet wären.

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