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Industriepark Immer wieder Chemie-Unfälle

In Nachbarschaft zum Industriepark wohnt es sich aufregend. Ein Überblick über die Pannen in den Chemiewerken.

Ausgerechnet Weylchem, denken sich die Griesheimer nun. Die Nacht zum 20. Dezember 2015 haben die Nachbarn des dortigen Industrieparks nicht vergessen. Um 4 Uhr morgens treten Salzsäuregase aus einem Behälter in einer Halle des Chemieunternehmens aus. Die Sirenen heulen, die Polizei patrouilliert auf den Straßen, mahnt die Bürger, Türen und Fenster geschlossen zu halten. 

Die Werksfeuerwehr rückt mit 18 Einsatzfahrzeugen und 50 Feuerwehrleuten zum Großeinsatz aus. Nach zwei Stunden ist die Lage nach ihren Angaben unter Kontrolle. Zwei Stunden, in denen die Griesheimer nicht genau wissen, wie ihnen geschieht. Hernach hagelt es Kritik am Informationsfluss.

2015 ist kein gutes Jahr für die Chemie. Im Mai tritt bei Wartung in den Grillo-Werken im Industriepark Höchst das ätzende Oleum aus, eine Lösung aus Schwefeltrioxid und Schwefelsäure. Zwei Mitarbeiter verletzen sich bei dem Unfall. Einer leicht, den anderen fliegen Rettungskräfte mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus.

Die Nachbarn des Industrieparks sind nicht betroffen. Im August 2016 ist das anders. Bei Weylchem tritt kurz vor 13 Uhr Chlorwasserstoff aus einer Produktionsanlage aus, die gasförmige Variante der Salzsäure. Anwohner müssen zwei Stunden lang Türen und Fenster geschlossen halten. 

2004 verdampft Öl aus einem Leck in einer Anlage des Unternehmens LII Europe. Eine Wolke hält die Nachbarschaft in Atem. 2012 verletzen sich acht Grillo-Mitarbeiter bei einem Unfall. 

Der gelbe Regen 

Der schlimmste Zwischenfall bislang ereignet sich in der Nacht zu Rosenmontag 1993. Im kollektiven Gedächtnis der Stadt hat sich das Ereignis als der „gelbe Regen“ eingebrannt. Über ein Sicherheitsventil des damals noch Griesheimer Werks der Hoechst AG entweichen knapp zehn Tonnen eines gelben Chemikaliengemischs. Der Wind trägt es über den Main, in Schwanheim und Goldstein rieselt es herab. Auf Autos und Gebäude geht der gelbe Regen nieder, auf Blumenbeete und Bürgersteige, auf Verkehrsschilder und Grünfläche. Betroffen ist vor allem das Gebiet zwischen Schwanheimer Ufer, Rheinlandstraße und Hans-Pfitzner-Straße.

Tage später fräsen Fachleute auf der Rheinlandstraße die Decke ab, um den Stoff komplett zu entfernen. Die Rettungskräfte behandeln 40 Menschen wegen Atemwegsbeschwerden, Haut- und Augenreizungen.

Bei weitaus mehr Menschen hält sich die Skepsis gegenüber der Chemie in der Nachbarschaft. Die lässt sich nicht so einfach behandeln. Die Industrie öffnet sich daher dem Dialog, lässt Transparenz zu. Seit 1993 tagt zweimal im Jahr der Gesprächskreis der Nachbarn der Industrieparks.

Teilnehmer der Sitzungen besprechen die Beschäftigungssituation der Unternehmen, anstehende Genehmigungsverfahren, Investitionsprojekte. Sie diskutieren auch, wenn Betriebsstörungen die Nachbarschaft in Alarm versetzen. 

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