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Immobilienmarkt in Frankfurt Hochhaus-Plan soll Spekulation stoppen

Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will 2018 einen neuen Rahmenplan für Hochhäuser vorlegen. Das Papier soll dem Druck von Investoren entgegenwirken.

Skyline
Wie sehr darf die Frankfurter Skyline in den kommenden Jahren noch wachsen? Foto: Michael Schick

Mit einer Kampfansage geht Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ins neue Jahr. „Wir wollen der Spekulation einen Riegel vorschieben“, sagt er im Gespräch mit der FR. Um einem ungezügelten Wildwuchs weiterer Bürogebäude in Frankfurt zu begegnen, möchte der Dezernent 2018 einen neuen städtischen Hochhaus-Rahmenplan auf den Weg bringen. Der soll Standorte für weitere Büro- und Wohntürme in Frankfurt festlegen – und damit zugleich deutlich machen, wo die Kommune künftig keine Hochhäuser zulassen will.

Josef beschreibt den wirtschaftlichen Druck, der in Frankfurt auf der Kommunalpolitik lastet, als immens. „Wir haben eine ungesunde Entwicklung auf dem Grundstücksmarkt“, sagt er. Die Preise für die immer knapper werdenden Baugrundstücke in der Stadt stiegen immer weiter. Zugleich sprächen ständig Investoren bei ihm vor, die Pläne für weitere Büro-und Wohntürme verwirklichen wollten. Noch sei die Entwicklung allerdings nicht so dramatisch wie in der britischen Hauptstadt London. „In London herrscht völliger städtebaulicher Wildwuchs, was Hochhäuser angeht“, urteilt der Stadtrat. Genau diese Entwicklung gelte es in Frankfurt zu verhindern.

2018 will Josef deshalb eine Ausschreibung unter Planungsbüros starten. Sie können sich um die Konzeption eines neuen Hochhaus-Rahmenplans bewerben. Noch 2018 soll dann eine Entscheidung darüber fallen, wer den Zuschlag erhält.

Der erste städtische Hochhaus-Rahmenplan war vor 20 Jahren, im September 1997, vom damaligen Planungsdezernenten Martin Wentz (SPD) auf den Weg gebracht worden. Er stammte vom Frankfurter Büro Jourdan/Müller und sah 18 neue Hochhaus-Standorte in drei Verdichtungszonen vor.

Hochhäuser in Gruppen

Das hieß: Hochhäuser sollten in Gruppen, in Pulks oder Clustern zusammenstehen. Genau zu diesem Konzept in der städtebaulichen Entwicklung will Planungsdezernent Josef jetzt wieder zurückkehren. „Ich möchte, dass Cluster (Ballung, Bündel, d. Red.) entstehen.“

Zu den Hochhaus-Standorten aus dieser Zeit, die realisiert wurden, zählen etwa der Taunusturm am Taunustor und der Tower 185 in der Nähe der Messe. Allerdings ließ der Wentz nachfolgende Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) zu, dass beide Türme höher ausfielen als im Plan festgelegt. Der zweite Hochhaus-Rahmenplan aus dem Jahr 2008 stammte ebenfalls vom Büro Jourdan/Müller. Er sah 16 neue Standorte mit insgesamt 29 Einzelprojekten vor. Auf diesen Hochhaus-Rahmenplan gehen zum Beispiel die Türme auf dem Maintor-Areal, dem ehemaligen Degussa-Gelände, zurück. Derzeit wird dort als letzter Turm der Winx-Tower vollendet.

Unter der politischen Verantwortung von Planungsdezernent Josef sollen gegenwärtig „nur Hochhäuser verwirklicht werden, die im Hochhaus-Rahmenplan von 2008 enthalten sind“, wie der Stadtrat sagte. Allerdings gibt es bereits Konflikte. So wollen Investoren die alte Matthäuskirche an der Hohenstaufenstraße abreißen lassen und durch einen 130 Meter hohen Turm ersetzen. Dieser Standort gehört zum Hochhaus-Rahmenplan von 2008.

Josef will aber dennoch kein höheres Gebäude dort zulassen, weil es nicht zu der künftigen Bebauung des benachbarten Geländes des ehemaligen Polizeipräsidiums an der Friedrich-Ebert-Anlage passen würde. Dort möchten die städtischen Planer in Zukunft nur noch mehrere kleinere Türme statt eines Hochhauses von 145 Metern Höhe erlauben.

Im Gespräch mit der FR fordert der Planungsdezernent zugleich eine höhere architektonische Qualität bei prägenden Gebäuden in Frankfurt wie etwa den Hochhäusern. „Diese Türme werden für die nächsten 50 Jahre das Gesicht der Stadt bilden, wir sollten uns also mehr Zeit für den Städtebau und die Architektur nehmen“, sagt er.

Josef wendet sich dagegen, dass Investoren nur fünf bis sechs ausgesuchte Architekturbüros zu beschränkten Wettbewerben einladen. „Ich möchte offene Verfahren, an denen viele Büros teilnehmen können“, argumentiert der Stadtrat und fügt hinzu: „Wettbewerbe dürfen nicht zum Placebo werden.“

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